Als Deutschland 1954 Weltmeister wurde …

Wenn er nicht zum Helden geworden, zum besten und beliebtesten Fußballer auf der Insel gewählt worden wäre, wenn er nicht mit Manchester City am 5. Mai 1956 das Cup-Finale gegen Birmingham gewonnen und aus der Hand von Prinz Philip den Pokal erhalten hätte – dieser Bert Trautmann hätte eine tragische Figur im Fußball werden können. Denn er stand im Zenit seines Könnens ausgerechnet in jenen Jahren, da Deutschland sich auf die erstmalige Teilnahme an einer Fußball-Weltmeisterschaft nach dem Zweiten Weltkrieg vorbereitete und den Titel dann 1954 auch gewann. Dem musste Trautmann aus der Ferne tatenlos zuschauen.

Es war und ist müßig, darüber zu streiten, ob er in der deutschen Elf Toni Turek den Platz hätte streitig machen können; stärker als Deutschlands zweiter Torwart Heinrich Kwiatkowski war er allemal. Aber er war "Legionär". Wenn auch eigentlich gezwungenermaßen und zunächst gegen den eigenen Willen:

Die Engländer brachten ihn ins Kriegsgefangenenlager

Der am 22. Oktober 1923 in Bremen geborene Bert – eigentlich Bernd – Trautmann war im zweiten Weltkrieg Fallschirmjäger. Er wurde von einem deutschen Kriegsgericht als Saboteur verurteilt, konnte fliehen und landete gegen Ende des Krieges auf abenteuerlichen Wegen nach immerwährenden erfolgreichen Fluchtversuchen nacheinander in russischer, französischer, amerikanischer und schließlich in englischer Kriegsgefangenschaft. Die hatten offenbar den richtigen Riecher, begrüßten ihn mit "Hello Fritz" und schafften ihn über den Ärmelkanal in das Lager POW (Prisoner Of War) mit der Nummer 50 in Ashton nahe Manchester. Und was machte man in einem gut geführten britischen Kriegsgefangenenlager? Man spielte Fußball.

40.000 Engländer demonstrierten gegen Trautmann

Bert Trautmanns fußballerische Begabung wurde im POW 50 zunächst von dem Fußballclub St. Helens entdeckt, und dann war Manchester City nicht weit. Von Juli 1949 bis Juni 1964 spielte er dort im Tor, aber der Start war nicht leicht. Als der Club den Deutschen vorstellte, gingen 40.000 Engländer auf die Straße. Die Wunden des Krieges waren noch lange nicht vernarbt, und die Demonstranten trugen Spruchbänder bei sich: "Weg mit dem Deutschen".

Höchstes Lob von Bobby Charlton und Stanley Matthews

Aber als er 1964 Abschied nahm aus Manchester, da füllten 60.000 das Stadion und feierten diesen Deutschen, und Weggenossen wie Bobby Charlton oder Stanley Matthews würdigten ihn als den "größten Torwart aller Zeiten". Und alle erinnerten sich des denkwürdigen Pokalfinales vom Mai 1956, als Trautmann mit gebrochenen Halswirbeln Manchester City den 3:1-Sieg gegen Birmingham gerettet hatte.

Zum Schluss "Botschafter des Fußballsfür den DFB

Ein bisschen Wiedergutmachung auch zum eigenen Nutzen betrieb der Deutsche Fußballbund nach Trautmanns Abschied vom aktiven Sport. Als "Botschafter des Fußballs" zog er für den DFB in alle Welt und betrieb 16 Jahre lang fußballerische Entwicklungshilfe beispielsweise in Ghana, Liberia, im Jemen oder in Burma. Seinen Alterssitz hat er nicht in Deutschland genommen, sondern in Valencia. Die Briten haben ihn nicht vergessen. Im Jahr 2004 wurde Bert Trautmann von Königin Elizabeth II in Anerkennung seiner Verdienste um die britisch-deutschen Beziehungen zum "Honory Officer of the Most Excellent Order of the British Empire" ernannt. Kurz vor der Feier zum 90. Geburtstag ist er in Spanien gestorben. Im Stadtmuseum von Manchester erinnert eine Skulptur an den Deutschen.

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