Der Mythos hinter dem "Fluch von Darkness Falls"

Die Zahnfee ist eine Hexe!

Vor rund zweihundert war eine gewisse Matilda glücklich mit Sonny Dixon verheiratet, ehe dieser bei einem tragischen Unfall auf hoher See starb. Um ihre Trauer zu lindern, wollte sie anderen eine Freude machen und begann, den Kindern von Darkness Falls Süßigkeiten zu schenken, sobald diese einen Milchzahn verloren. Doch die "gute Zahnfee" sollte erneut vom Schicksal hart geprüft werden: Ein verheerender Brand entstellte ihr hübsches Gesicht auf grausige Weise, weshalb sie es fürderhin hinter einer Maske aus Porzellan verbarg und nur nachts das Haus verließ.

 

Der Fluch von Darkness Falls - CoverEines Tages verschwanden zwei Kinder von Darkness Falls. Sofort verdächtigte man Matilda, weshalb ein aufgeputschter Mob zu ihrem Haus zog und die wehrlose Frau am nächsten Baum aufknüpfte. Wenig später kehrten die vermissten Kinder wohlbehalten zurück.

 

Der schreckliche Irrtum sollte sich noch bitter rächen. Denn seither sucht der rachsüchtige Geist Matildas Kinder auf, sobald sie ihren ersten Milchzahn verlieren. Aber nicht, um sie wie eine gute Zahnfee mit einem Geldstück zu belohnen, sondern, um sie zu töten …

Horrorfilm mit spannender Prämisse

Fetisch Milchzähne

So jedenfalls lautet der (fiktive) Mythos im Vorspann des von Jonathan Liebesman inszenierten Horrorfilms "Der Fluch von Darkness Falls" aus dem Jahr 2003. Danach beginnt die in der Gegenwart angesiedelte Story, die rund um den jungen Kyle Walsh (Chaney Kley) zentriert ist, der seinen ersten Milchzahn verliert. Prompt erhält er in der Nacht Besuch von der Zahnfee. Mit knapper Not entkommt er der bösartigen Hexe und weckt dabei seine Mutter auf, die ihm natürlich kein Wort glaubt und behauptet, er hätte nur schlecht geträumt. Doch als sie in das Zimmer ihres Sohnes geht, wird sie von der Zahnfee in Stücke gerissen. Kyle flüchtet ins Badezimmer und wird später von der Polizei abgeholt, die ihn für den Mörder seiner eigenen Mutter hält. Die folgenden Jahre verbringt er deshalb in der Klapsmühle

 

Nachdem man ihn aus der Nervenheilanstalt entlassen hat, kehrt er in seine einstige Heimatstadt Darkness Falls zurück, da der Bruder von Caitlin (Emma Caulfield), in die er einst heimlich verliebt war, behauptet, die Zahnfee wäre hinter ihm her. Die für ihn sorgende Caitlin hat Angst, dass ihn die Behandlung durch die Ärzte erst recht in Gefahr bringen könnte, was Kyle bestätigt. Denn um seine angeblich irrationale Angst vor der Dunkelheit zu bekämpfen, wollen ihn die Ärzte in eine Dunkelkammer sperren. Dort, so weiß Kyle, würde ihn die Zahnfee genüsslich töten …

 

Starker Beginn, schwacher Plotverlauf

"Der Fluch von Darkness Falls" zählt zur Gattung jener Filme, die eine ungemein spannende Prämisse besitzen und anfangs zum Fingernägelkauen einladen. In diesem Fall sei jene gruselige Szene genannt, in der ein Junge – der spätere Protagonist – unliebsame Bekanntschaft mit der Zahnfee macht. In der Dunkelheit hört er das Schnaufen und Kreischen der einst zu Unrecht gelynchten Matilda. In panischer Angst verkriecht er sich unter die Bettdecke, nachdem er sich eine Taschenlampe geschnappt hat. Was folgt, lässt die Nackenhaare vor Schreck aufstellen und soll nicht weiter erörtert werden, um keinem Zuschauer die Überraschung zu verderben.

 

Leider hat der Horrorfilm mit dieser fesselnden Szene sein Pulver verschossen. Danach zeigt die Spannungskurve steil nach unten bietet allenfalls durchschnittliche Genrekost. Dass die Zahnfee, die ja eigentlich nur hinter den Kindern von Darkness Falls her ist, während des gesamten Filmes ausschließlich Erwachsene umbringt, ist natürlich denkbar bizarr und widersprüchlich.

 

Geh ins Licht!

Schwerer wiegen die inszenatorischen Fehler und Beliebigkeiten. Beispielsweise kann die Zahnfee nur durch Licht verjagt werden. In einer Welt der Elektrizität kein schwieriges Unterfangen. Es sei denn, man agiert dermaßen bescheuert, wie die Figuren in diesem Film. Beispielsweise, indem sie bei ihrem Abwehrkampf gegen die böse Hexe fast sämtliche Lichtquellen zerschießen. Und wie seriös sind Ärzte zu nennen, die ein an Panik vor der Dunkelheit leidendes Kind "heilen" möchten, indem sie es der Finsternis aussetzen?

 

Praktisch nicht existierende Charakterisierungen erschweren es zusätzlich, eine emotionale Verbindung mit den Figuren einzugehen.

 

Der letztendlich schwache Spuk findet übrigens nach bereits ca. 80 Minuten sein etwas abruptes Ende. Nun könnte man "Der Fluch von Darkness Falls" als mittelmäßigen Horrorfilm für Zwischendurch ansehen, wären da nicht die großartigen, ersten Filmminuten samt einer vielversprechenden Prämisse, die später fast völlig unter den Tisch fällt. Ehrlicher wäre es gewesen, einen konventionellen Genrestreifen zu inszenieren, anstatt Hoffnungen auf einen originellen und unheimlich spannenden Film zu wecken, die nicht eingelöst werden.

Originaltitel: "Darkness Falls"

Regie: Jonathan Liebesman

Produktionsland und -jahr: USA, 2003

Filmlänge: ca. 82 Minuten

Verleih: Sony Pictures Home Entertainment

FSK: Ab 16 Jahren

DVD-Veröffentlichung: 11. November 2003

Autor seit 6 Jahren
837 Seiten
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