Billy The Kid (Bild: Paul Lowry)

Das Lincoln County wurde von der Irischen Mafia beherrscht

Dort hatte sich bereits 1876 eine große, einflussreiche, wirtschaftlich-politische Interessengruppe, der sogenannte "Santa Fé Ring" gebildet, der sehr bald das gesamte Wirtschaftsleben kontrollierte. Drahtzieher war Thomas Catron, Generalstaatsanwalt von New Mexico, seine Männer, die "Irische Mafia" von Lincoln County, Lawrence G. Murphy, John H. Riley und James J. Dolan. Diese Warengroßimporteure und Bankiers setzten ihr Handelsmonopol gegenüber den Klein-Ranchern teilweise mit Gewalt durch, indem sie die Preise für eingekaufte Ware festsetzten, Zinssätze in Wucherhöhe bestimmten und die Bande von John Kinney als Leibwächter beschäftigten.

Zur "Irischen Mafia" gehörten auch der Sheriff des Lincoln Countys, William Brady und William L. Rynerson, Ankläger des Destrikts an verschiedenen Gerichten sowie Colonel Dudley, Kommandeur der US-Armeebesatzung von Fort Stanton. Zum "Santa Fé Ring" gehörten unter anderem die wichtigsten Zeitungen von New Mexico, Bezirksrichter Warren Bristol und der Gouverneur Samuel B. Axtell. Seit 1876 hatten der Engländer Tunstall, der schottische Kanadier Alexander McSween (Rechtsanwalt), der Rinderbaron John S. Chisum und eine Gruppe junger Klein-Rancher versucht, sich zu einem Gegenring zusammenzuschließen, um die Monopolstellung des "Santa Fé Rings" zu zerschlagen.

Tunstall und McSween hatten eine Bank und eine Handelsgesellschaft gegründet, die höhere Einkaufspreise, niedrigere Verkaufspreise und niedrigere Zinsen gewährte. Darüber hinaus begann Chisum, die Viehdiebbanden des "Santa Fé Rings" zu bekämpfen. Als Tunstall großangelegte Betrügereien von Sheriff Brady und der "Irischen Mafia" aufdeckte, kam es zum offenen Krieg zwischen beiden Seiten, der in zwei Jahren mehr als 300 Menschenleben kosten sollte.

Die Regulatoren wollten den Santa Fé Ring zerschlagen

Am 18. Februar wurde der unbewaffnete John Tunstall von Sheriff Brady und seinem Aufgebot erschossen. Daraufhin vereidigte Friedensrichter Green Wilson Richard Brewer, US-Marshal Paul Widenmann, Billy The Kid, Doc Scurlock, Charles Bowdre, Henry Brown, John Middleton, Fred Waite, Frank McNab, Tom O'Folliar und George Coe als Polizisten und händigte ihnen Haftbefehle für Sheriff Brady und seine Deputys Hindman und Matthews und für mehr als ein Dutzend von Bradys Komplizen aus. Die meisten Männer dieses Aufgebots waren Hitzköpfe, keiner älter als 25 Jahre. Sie hatten sich vorgenommen, die kriminelle Vereinigung zu zerschlagen.

Für Billy kam noch das persönliche Motiv hinzu, weil John Tunstall nicht nur sein Arbeitgeber, sondern auch sein Freund gewesen war. Er sah es als seine Pflicht an, die Mörder zu bestrafen. Doch soweit kam es nicht, denn durch geschickte Manipulationen gelang es dem "Santa Fé Ring", die Männer in Gesetzesbrecher zu verwandeln. Obwohl er kein Recht dazu hatte, enthob Gouverneur Axtell Richter Green Wilson rückwirkend seines Postens und machte die Vereidigung des Polizeiaufgebots zunichte.

Gleichzeitig händigte Richter Bristol auf Antrag des Anklägers Rynerson und mit Genehmigung des Generalstaatsanwalts Catron Sheriff Brady Haftbefehle für Dick Brewer und seine Polizisten aus. Billy blieb also nichts anderes übrig, als Sheriff Brady zuvorzukommen. Mit fünf Freunden lauerte er ihm hinter einem Bretterzaun auf. Brady kam mit George Hindman, Billy Matthews und George Peppin die Straße herunter, als die jungen Männer, die sich nun "Regulatoren" nannten, das Feuer eröffneten. Brady war sofort tot. Hindman starb auf der Straße. Billy Matthews wurde verwundet.

Billy The Kid wurde von seinem ehemaligen Freund Pat Garrett gejagt

Drei Tage später stießen die Regulatoren bei Blazers Mill auf "Buckshot" Roberts, einen Killer, der den Auftrag erhalten hatte, Alexander McSween aus dem Hinterhalt zu erschießen. In dem folgenden Feuergefecht wurden Roberts und Brewer getötet. Ende April geriet eine kleine Gruppe der Regulatoren in einen Hinterhalt. Der neue Anführer Frank McNab und Ab Sanders wurden erschossen, Frank Coe verwundet. Am 19. Juli 1878 umstellte ein Aufgebot von Sheriff Peppin und Colonel Dudly mit zwei Kompanien Infanterie und zwei Gatling Revolverkanonen McSweens Haus, in dem sich die Regulatoren versammelt hatten.

Das Haus wurde in Brand gesetzt. Als McSween waffenlos in der Tür erschien, um sich zu ergeben, wurde er erschossen. Daraufhin rannten Billy The Kid und die anderen hinaus durch den Pulverrauch, schossen wild um sich und entkamen. Weil einer von Sheriff Peppins Männern getötet worden war, erhöhte Gouverneur Axtell die Belohnung für jeden gefassten Regulator von 500 auf 1000 Dollar. Kurze Zeit später wurde er wegen Korruption seines Postens enthoben. Der neue Gouverneur Wallace erließ eine Generalamnestie für alle Regulatoren, doch den Rechtsanwälten des "Santa Fé Rings" gelang es, den gefährlichen Zeugen Billy The Kid von der Amnestie auszunehmen.

Am 1. Januar 1880 wurde Billys ehemaliger Freund Pat Garrett zum Sheriff gewählt. Er bot Billy an, nach Mexiko zu flüchten. Doch Billy weigerte sich, davonzulaufen. Am 22. Dezember 1880 umstellte Garrett mit einem Aufgebot die kleine Hütte, in der sich Billy The Kid, Charlie Bowdre, Dave Rudabough und Tom Picket befanden. Bowdre wurde erschossen. Die anderen ergaben sich und kamen ins Gefängnis von Santa Fé. Am 13. April 1881 wurde Billy von Richter Warren Bristol in Mesilla wegen Mordes an Sheriff Brady zum Tode verurteilt, obwohl es keinen Beweis dafür gab, dass es seine Kugel war, die den Sternträger tötete.

Am 28. April gelang Billy die Flucht, bei der er seine Wächter J. W. Bell und Bob Ollinger tötete. Dies waren die einzigen Morde, die Billy eindeutig nachzuweisen sind und die er zudem nach seiner Verurteilung verübte. Am 13. Juli 1881, nachdem Billy von Pat Garrett wieder die Gelegenheit bekommen hatte, nach Mexiko zu fliehen, lauerte der Sheriff dem jungen Mann in Pete Maxwells Haus in Fort Summer auf. Als Billy unbewaffnet durch die Tür kam, schoss Garrett ihn ohne Warnung nieder.

BerndT, am 19.11.2013
1 Kommentar Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.


Bildquelle:
KFM (Selbstjustiz im Wilden Westen)
Brigitte Werner (Banditen im Wilden Westen)
Deanna Klahey (Kopfgeldjäger im Wilden Westen)
Helmut Wegmann (Rinderherden im Wilden Westen)

Autor seit 5 Jahren
261 Seiten
Laden ...
Fehler!