Viele Banditen beendeten ihr Leben am Galgen (Bild: KFM)

Die übelsten Banditen der Stadt wurden von den Vigilanten gelyncht

Vor allem in Großstädten wie San Francisco, dessen Bevölkerung sich innerhalb von drei Jahren (1847 - 1850) von 800 Einwohnern auf 50.000 erhöhte, nahm die Kriminalität kaum noch zu ertragende Ausmaße an. Innerhalb eines Monats wurden mehr als 100 Menschen ermordet. Polizei und Gerichte schienen machtlos. Eine gut organisierte Bande Australier (die sogenannten "Sydney Ducks") beraubte sogar am helllichten Tag die Bewohner des mexikanischen Viertels, erschlug Männer und setzte Häuser in Brand. Samuel Brannan, der Herausgeber der ersten Zeitung von San Francisco, wollte dem Morden ein Ende bereiten. Deshalb berief er ein Vigilanz-Komitee ein. Man gab sich eine Verfassung und Notgesetze, wählte offizielle Führungskräfte und beschloss, die Versammlung durch das Läuten einer weithin schallenden Glocke einzuberufen.

Einige Nächte später musste San Francisco erkennen, das es die 200 Vigilanten ernst meinten. Der Australier John Jenkins war dabei erwischt worden, wie er einen Safe ausraubte. Man brachte ihn zum Hauptquartier der Vigilanten, verurteilte ihn zum Tode und hängte ihn vor den Augen einer jubelden Menschenmenge auf. Einen Monat später wurde James Stuart wegen Mordes an einem Goldsucher zum Tode verurteilt. 900 Vigilanten brachten ihn zu einem Hebekran im Hafen und hängten ihn auf. Am 22. August ertönte die Vigilantenglocke erneut. Sam Whittaker und Robert McKenzie, zwei der übelsten Banditen der Stadt, wurden an Holzbalken, die aus einem Fenster des Vigilanten-Hauptquartiers ragten, aufgehängt. Gleichzeitig verlas Sam Brannan vor der Menschenmenge ein Kommuniqué der Vigilanten, in dem den "Sydney Ducks" Gelegenheit gegeben wurde, die Stadt zu verlassen. Und das taten die Banditen auch innerhalb der nächsten Tage. Nachdem die Polizei die öffentliche Ordnung wieder gewährleisten konnte, löste sich das Vigilanten-Kommitee auf.

Bestochene Geschworene sorgten für einen Freispruch

Am 17. November 1855 erschoss Charles Cora den unbewaffneten US-Marshal William H. Richardson vor dem Cosmopolitan Saloon. Eine mit 40.000 Dollar bestochene Jury sorgte dafür, dass er das Gericht als freier Mann verlassen konnte. Am 14. Mai 1856 erschoss James P. Casey, ein Journalist, der früher einmal im New Yorker Sing-Sing-Gefängnis saß, den Verleger des Bulletin, der ihm Bestechung der Cora-Geschworenen vorgeworfen hatte. Als das Gericht den Mörder gegen eine Kaution freilassen wollte, ertönte vier Tage später, nach viereinhalbjähriger Pause, wieder die Vigilantenglocke über der Stadt.

5500 Vigilanten marschierten zum Gefängnis und holten Casey raus. Cora wurde von einer anderen Gruppe herangeschafft. Bis zum 22. Mai dauerte der Prozess gegen die beiden Mörder, dann verkündete William T. Coleman, der Anführer des Vigilanten-Komitees, das Todesurteil. Wenig später starben die beiden am Galgen. In den folgenden Monaten bekamen viele Kriminelle von den Vigilanten Einwegfahrkarten nach Australien. Am 29. Juli fand die letzte Doppelhinrichtung (Joseph Hetherington und Philander Brace) statt. Im August verkündete das Komitee, das die Arbeit getan sei, und löste sich auf.

BerndT, am 02.11.2013
1 Kommentar Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.


Bildquelle:
Brigitte Werner (Banditen im Wilden Westen)
Paul Lowry (Der Gesetzlose Billy The Kid)

Autor seit 5 Jahren
261 Seiten
Laden ...
Fehler!