Steckbriefe (Bild: Brigitte Werner)

Fremde erregten im Westen höchste Aufmerksamkeit

Banditen achteten menschliches Leben gering, genauso wie ihr eigenes. Die meisten befanden sich nur zeitweilig auf der Seite des Gesetzes, wenn es sich gerade ergab oder lohnte. Dieselben Männer, die noch heute einen Stern trugen, konnten morgen schon mit gezogener Waffe vor einem Bankschalter stehen. Häufig waren es Zufälle, die einen Banditen zum Sheriff, dann wieder zum Räuber und wieder zum Sheriff machten. So waren beispielsweise die Daltons vor ihrer kriminellen Karriere gefürchtete Verbrecherjäger.

Die meisten Kriminellen hatten im Wilden Westen kaum eine Chance. Das lag vor allem daran, das in einem so dünn besiedelten Gebiet jeder Fremde sofort höchste Aufmerksamkeit erregte. Man achtete auf die Farbe seines Pferdes, auf den Schnitt seines Bartes, die Art wie er sich bewegte und sprach. Man erinnerte sich an seine Fragen nach dem Weg. Ein Mann, der Begegnungen mit Menschen scheute, fiel noch mehr auf. Ein Tausend-Meilen-Ritt beinhaltete für einen Banditen im Wilden Westen mehr Fallstricke, als heute ein einziger Häuserblock für einen modernen Gangster.

Wurde ein Bandit in die Enge getrieben, verteidigte er sich mit aller Kraft

In einer Massengesellschaft schenkt ein Mensch dem anderen nicht mehr die geringste Aufmerksamkeit. Und in Großstädten mit ihren Amüsierlokalen und Nachtclubs, Bahnhöfen und Hochhäusern unterzutauchen, ist heute viel leichter, als es früher für einen Banditen war, sich auch nur einen Tag in irgendeinem Canyon zu verbergen.

Burton Mossman, ein Captain der Arizona Rangers, fasste seine Erfahrungen mit Banditen folgendermaßen zusammen: "Mit gewalttätigen Männern ist es wie mit allen einfältigen Leuten. Wenn sie Angst haben, beginnen sie zu kämpfen. Und je mehr Angst sie haben, um so weniger wird sie aufhalten. Es hat keinen Sinn, solch einen Mann überrumpeln zu wollen. Man muss ihn töten. Wenn man ihn stellt, kämpft er wie eine umzingelte Ratte oder wie ein Tiger in der Falle. Wenn man einem Tiger die Chance gibt, davonzukommen, so veranlasst ihn ein Wurf mit einer Erdnuss zur Flucht. Aber wenn man ihn in die Enge treibt und ihn angreift, so verteidigt er sich mit aller Kraft und Todesverachtung."

BerndT, am 26.10.2013
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Bildquelle:
Stephen Romero (Die Raubzüge der Dalton-Bande im Wilden Westen)
Paul Lowry (Der Gesetzlose Billy The Kid)
U. S. Army Corps of Engineers (Jesse James - Der berüchtigste Bandenführer des Westens)
Ed Bierman (Wyatt Earp - Berufsspieler und Bandit)

Autor seit 5 Jahren
284 Seiten
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