Die Vorgeschichte des Krieges

Im Hundertjährigen Krieg erstarkte in beiden Ländern der Patriotismus enorm. Dennoch darf daran gezweifelt werden, dass es sich tatsächlich um eine rein nationale Auseinandersetzung handelte. Vielmehr lagen die Ursachen des Krieges im komplizierten Verhältnis der englischen und französischen Herrscherhäuser zueinander. Der englische Hochadel besaß auf dem französischen Festland enorme Ländereien. Daraus ergab sich eine paradoxe Situation: Einerseits waren englische Könige dadurch Vasallen der französischen Herrscher, andererseits standen sie staatsmännisch mit ihnen auf einer Stufe. Dieser seit Jahrhunderten ungelöste Gegensatz verschärfte sich 1328, als die direkte Linie der in Frankreich regierenden Kapetinger ausstarb. In England hatte kurz zuvor der junge Edward III. seinen Thronanspruch durchgesetzt und schielte nun auch nach Frankreichs Krone. Seine Begründung: Als Enkel eines französischen Königs habe er Anspruch darauf. Die Franzosen wiederum konnten dieser Sicht verständlicherweise wenig abgewinnen und krönten stattdessen lieber einen Vertreter der königlichen Nebenlinie Valois zum neuen Herrscher. Man könnte hinsichtlich des Hundertjährigen Krieges also durchaus auch von einem dynastischen Konflikt sprechen.

In dessen Verlauf lebten und starben einige Akteure, die unter Geschichtsinteressierten auch heute noch recht bekannt sind. Auf Seiten Englands zählen dazu Edward III., seine Söhne John of Gaunt und Edward (genannt der Schwarze Prinz) sowie der Kinderkönig Richard II.. Frankreichs populärste Persönlichkeit aus dieser Epoche ist vermutlich Jeanne d' Arc.

Der Verlauf des Hundertjährigen Krieges

Hinsichtlich des militärischen Erfolges lässt sich der Kriegsverlauf recht einfach beschreiben. Zunächst erzielten die Engländer deutliche Siege und besetzten erfolgreich große Teile des französischen Gebiets. Dies geschah unter anderem durch den Einsatz von Bogenschützen mit großer Reichweite. Jener Bestandteil englischer Militärstrategie war den in herkömmlicher Schlachtordnung kämpfenden Rittern Frankreichs deutlich überlegen, wurde von späteren Chronisten jedoch teilweise überbewertet. In den letzten beiden Jahrzehnten des Krieges gingen die eroberten Gebiete weitgehend wieder verloren, so dass schließlich beinahe die Ausgangssituation erreicht war. Englands territorialer Erfolg beschränkte sich daher letztendlich auf einige Kanalinseln sowie auf die französische Hafenstadt Calais, welche bis 1558 in britischem Besitz blieb.

Das Kriegsende 1453 markiert lediglich die endgültige Einstellung der Kampfhandlungen. Tatsächlich kam es im Verlauf des Hundertjährigen Krieges sogar mehrfach zu jahrelang anhaltenden Friedensschlüssen. Beide Königreiche hatten dies bitter nötig. Frankreich litt zeitweise unter sozialen Unruhen. Außerdem trugen das Königshaus Valois sowie die mit ihm verwandten Adelshäuser Burgund und Orleans von 1407 bis 1435 einen zusätzlichen Machtkampf aus. England wiederum wurde zwischen 1348 und 1350 von einer schweren Pestepidemie heimgesucht, welche ein Drittel der Bevölkerung hinwegraffte. Gegen Ende des 14. Jahrhundert taten zudem die Konflikte zwischen Parlament, Hochadel und Königshaus sowie ein Bauernaufstand ein Übriges, die innere Stabilität Englands zu erschüttern.

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Die Folgen für England und Frankreich

Das ursprüngliche Ziel des Hundertjährigen Krieges, die Herrschaft über Frankreich, hatte England klar verfehlt. Trotzdem trugen die englischen Herrscher unverdrossen noch bis 1801 den französischen Königstitel. Für die Innenpolitik beider Reiche hatte der Krieg jedoch deutlichere (wenngleich auch recht unterschiedliche) Folgen. Frankreich ging mit gestärktem Nationalbewusstsein und einem gefestigtem Königtum aus dem Konflikt hervor. England hingegen erlebte den beinahe nahtlosen Übergang in einen inneren Konflikt, der weitere 30 Jahre andauern sollte und unter der Bezeichnung Rosenkriege in die Geschichte einging.

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