Der Templer-Schatz in Portugal?

Obwohl die Tempelritter von der plötzlichen Zerschlagung ihres Ordens völlig überrascht schienen, fanden sie anscheinend dennoch Gelegenheit, ihre wertvollsten und heiligsten Besitztümer in Sicherheit zu bringen. Offenbar hatten sie selbst für den scheinbar absurden Fall ihrer Vernichtung Vorsorge getroffen.

Das Rätsel des verschwundenen, sagenumwobenen Templer-Schatzes schlug bereits ganze Generationen Interessierter in seinen Bann. Wünschelruten und Pendel kamen bei der bisher vergeblichen Suche ebenso zum Einsatz wie astronomische Berechnungen oder die Analyse zahlreicher Dokumente. Eine gern verfolgte Spur aus doppeldeutigen Worten, Zahlenmystik, geografischen Besonderheiten und historischen Umständen führt beispielsweise nach Portugal zur ehemaligen Templerfestung Tomar. Selbst bei streng nüchterner Betrachtungsweise spricht einiges für diese komplizierte Theorie: Die portugiesischen Templer blieben nahezu unangetastet, denn auf der iberischen Halbinsel gab es damals noch islamisch beherrschte Gebiete, was zu entsprechenden Konflikten führte. Auf die darin erprobten Tempelritter konnte man somit schlichtweg nicht verzichten. Deshalb kam es zur Gründung des Christusordens, welcher faktisch die inoffizielle Fortsetzung des Templerordens darstellte. Sicherer hätte das Templervermögen also gar nicht versteckt werden können. Allerdings setzt dies voraus, dass der Schatz unbemerkt aus Frankreich heraus gelangen konnte. Der Franzose Gerard de Sede bezweifelte genau dies und kam 1962 zu völlig anderen Schlussfolgerungen.

Das Gold der Templer und die rätselhafte Burg Gisors

In seinem Buch "Die Templer sind unter uns" stellt der 2004 verstorbene Autor die rätselhafte Burg von Gisors in den Mittelpunkt seiner Schatz-Theorie. Die Ruine in der oberen Normandie bietet übrigens bereits ohne den Tempelritter-Schatz historisch spannende Geschichten, unter anderem über einen Geheimgang.

Während ihrer jahrzehntelangen Erbauung sollen außerdem jeweils am Heiligabend die Sternbilder Kleiner Wagen und Großer Wagen am Nachthimmel sichtbar gewesen sein. Das Sternbild Wagen der Meere stand gleichzeitig dazu in Opposition.

De Sede behauptet nun, ein Ordensbruder habe dem Papst später persönlich gebeichtet, dass der Schatz der Tempelritter am Vorabend der Verhaftungswelle durch drei Wagen abtransportiert wurde. Der Autor wertet dies als Hinweis auf Burg Gisors und benennt sogar ein entsprechendes Protokoll inklusive Signaturnummer, welches der Vatikan angeblich unter Verschluss halten soll...

Man könnte diese Theorie getrost dem üblichen Mystery -Unfug zurechnen, gäbe es da nicht die Erlebnisse eines gewissen Roger Lhomoy. Dieser will 1944 heimlich in der Burgruine gegraben haben und zwei Jahre darauf den erwähnten Geheimgang, eine unterirdische Kapelle sowie einen Schatz gefunden haben. Als er die Behörden informierte, habe seltsamerweise niemand seine Angaben überprüft. Stattdessen ließ der Bürgermeister das Grabungsgelände von deutschen Kriegsgefangenen (welche ja nichts ausplaudern konnten...) zuschütten. 16 Jahre später grub Lhomoy erneut - diesmal legal - und fand angeblich die unterirdische Kapelle komplett leer vor. Danach wurde das Gelände militärisches Sperrgebiet. Befürworter der Theorie von Gerard de Sede sehen darin den Beweis, dass der Templerorden heimlich immer noch existiert und seinen Schatz nun erneut versteckte.

So logisch diese These auch klingen mag: Auch sie ist nicht in allen Punkten stichhaltig.

  • Woher will de Sede beispielsweise die Signatur eines geheimen Dokuments im Vatikan erfahren haben?
  • Warum zog aus der Formulierung "drei Wagen" im Rätsel liebenden Mittelalter niemand die gleiche Schlussfolgerung wie de Sede?
  • Weshalb sollten die überlebenden Templer ihren Schatz eigentlich dauerhaft vergraben, statt ihn nach einiger Zeit heimlich ins Ausland zu bringen?
  • Wieso konnte Lhomoy kein Beweisstück seiner Grabungen vorlegen?

Der heutige Schatz der Tempelritter

Es gibt neben diesen populären Theorien noch zahlreiche weitere Ideen. Oftmals dürfen dabei die üblichen Mystery-Zutaten nicht fehlen: Berengere de Saunier, die Gralslegende, das Turiner Grabtuch, die Prieure de Sion, Leonardo da Vinci und dergleichen mehr...

Die meisten Theorien rund um den Templerschatz lassen allerdings eine sehr wichtige Frage außer Acht: Gab es den legendären Schatz der Tempelritter überhaupt? Immerhin kannte ja außer den Templern selbst niemand genau die Finanzlage des Ordens. Möglicherweise bestand dessen Reichtum vor allem aus den beschlagnahmten Ländereien sowie ideellen Gütern, beispielsweise Reliquien.

Sollte ein wirklich existenter Schatz jedoch tatsächlich noch rechtzeitig versteckt worden sein, könnten seine Hüter ihn ebenso den zahlreichen adligen Sympathisanten der Templer anvertraut haben, wodurch das Vermögen nach dem offiziellen Exitus des Ordens einfach zerstreut wurde.

In heutiger Zeit gibt es allerdings dennoch einen "Tempelritter-Schatz": Die unzähligen Vermarkter dieses interessanten Themas erzielten mit Sachbüchern, Romanen, Filmdokumentationen und anderen Publikationen bisher recht beträchtliche Einnahmen...

Autor seit 5 Jahren
97 Seiten
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