Der Koloss von Rhodos – eins der Sieben Weltwunder

Rhodos-Stadt bildet die Nordspitze der griechischen Insel Rhodos. An der Ostküste der Inselhauptstadt stehen am Hafeneingang Statuen von Hirsch und Hirschkuh, den Wappentieren der Insel. Die Hirschkuh war vorübergehend in Reparatur, steht aber seit 2010 wieder an ihrem Platz.

Angeblich stand hier in der Antike seit 292 v.Chr. eine über 30 Meter hohe Sonnengott-Statue, die gleichzeitig als Leuchtturm diente. Diese Bronzefigur war als Koloss von Rhodos bekannt und galt als eins der Sieben Weltwunder. Es steht fest, dass es den Koloss tatsächlich gab und dass er schon 227 v.Chr. wieder einstürzte. Damals vernichtete ein verheerendes Erdbeben die Städte Ialyssos, Lindos und Kameiros. Von den ersten beiden blieben nur Dörfer übrig, die erst im 20. Jahrhundert im Zuge des modernen Tourismus wieder zu kleinen Städten wurden – in Ialyssos ist heute der internationale Flughafen, Lindos ist wegen der Überreste der beim Erdbeben zerstörten Akropolis berühmt. Von der antiken Stadt Kameiros sind nur Grundmauern als Ruinenlandschaft übrig.

Rhodos-Stadt hatte ebenfalls viele Zerstörungen, aber nicht so viele Todesopfer zu beklagen. Deshalb wurde es wieder aufgebaut. Der Koloss jedoch war eingestürzt. Die meisten heutigen Forscher vermuten, dass er in Wirklichkeit nicht am heutigen Hafeneingang stand. Am wahrscheinlichsten ist, dass er sich ein Stückchen weiter südlich erhob, wo eine kleine Halbinsel in den Hafen hineinragt. Die Johanniter-Ritter bezogen diese Halbinsel später in den Bau ihrer Befestigungsanlagen mit ein, die heute die große Altstadt von Rhodos umgeben, und benannten die Halbinsel nach dem Apostel Paulus.

Blick zur Sankt-Paulus-Halbinsel ...

Blick zur Sankt-Paulus-Halbinsel mit Festung (Bild: Autor (Copyright))

Hirsch und Hirschkuh im Wappen von Rhodos

Zur Begründung der Wappentiere von Rhodos wurde schon im Altertum eine Geschichte erzählt, deren Wahrheitsgehalt sich nicht überprüfen lässt. Aber sie klingt zumindest glaubhaft. In damaliger Zeit war es in allen griechischen Städten, Regionen und Inseln üblich, von Zeit zu Zeit eine Delegation zum Apollon-Heiligtum nach Delphi zu entsenden. Man brachte dem dortigen Tempel Spendengelder und erhoffte sich einen Orakelspruch von der Seherin des Heiligtums.

Was das Orakel für die Zukunft ihrer Insel vorhersagte, machte die Leute aus Rhodos einigermaßen ratlos: "Der Hirsch und seine Frau werden eure Feinde vernichten." Nun gut, aber da gab es zwei Probleme: Rhodos hatte damals gar keine Feinde, und Hirsche gab es auch nicht auf der Insel. Die Priester beharrten jedoch darauf, dass sich das Orakel nie irrt, und empfahlen, vorsichtshalber einen Hirsch und eine Hirschkuh einzufangen und auf die Insel zu bringen. So wurde es gemacht.

Das Orakel von Delphi wurde wahr

Der Hirsch und seine Frau wurden auf Rhodos ausgesetzt und vermehrten sich prächtig. 20 Jahre später lebten viele Hirsche in den Wäldern der Insel. Da wurde aus den Dörfern etwas Eigenartiges berichtet: Die Zahl der Schlangen ging zurück. Viele Generationen lang hatten die Bauern unter ihnen gelitten. Auf die Felder im Osten der Insel konnten sie sich nur in langen Stiefeln trauen, im Westen versuchten sie, die Gemüsepflanzungen mit scharfkantigen Scherben vor den Schlangen zu schützen. Oft hatten giftige Schlangen Kinder bedroht, das Vieh angegriffen, die Küken des Geflügels gefressen.

Jetzt beobachtete man, was auf dem Festland natürlich bekannt war, aber für Rhodos eine sensationelle Neuigkeit darstellte: Wenn Hirsche Schlangen begegnen, weichen sie nicht aus und ergreifen nicht die Flucht, sondern treten die Schlangen tot. So bewahrheitete sich der Orakelspruch: Der Hirsch und seine Frau hatten durch ihren zahlreichen Nachwuchs dafür gesorgt, dass die Feinde der Menschen vernichtet und die Schlangenplage beseitigt wurde.

Der Hirsch und seine Frau am ...

Der Hirsch und seine Frau am Hafeneingang (Bild: Autor (Copyright))

Heilig zu halten für alle Zeiten

Die von den Schlangen erlösten Bauern setzten durch, dass amtlich verkündet wurde: "Der Hirsch und seine Frau sollen heilig gehalten werden für alle Zeiten!" Die Tötung eines Hirsches galt damals als Mord und wurde mit dem Tod bestraft.

Auch in christlicher Zeit hielt sich der Brauch, die Hirsche besonders zu schützen. Mehrfach starben sie im Verlauf der Geschichte auf der Insel aus; stets wurden jedoch wieder neue Tiere beschafft und in den Wäldern ausgesetzt. Das geschah auch unter der türkischen Besetzung und 1920 unter der italienischen Besetzung der Insel. Vor ein paar Jahren ging der Tierbestand erneut zurück, sodass wieder Hirsche vom griechischen Festland geholt wurden. Auch heute ist die Jagd von Hirschen unter Androhung hoher Strafen auf Rhodos verboten.

Kleobulos, am 05.10.2011
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Bildquelle:
Heidelberger (Was macht die Speicherstadt Hamburg zum Weltkulturerbe?)
Eigenwerk (Wo ist es am Bodensee am schönsten? – Lieblingsplätze am "schwäbisc...)

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