Zeitgenössischer Soldat (Hoplit) der griechischen Stadtstaaten (Bild: Wikimedia)

Imperiale Bestrebungen auf der Peloponnes

Doch dieser Einfluss genügte den lakedämonischen Machthabern nicht. Durch sein erdrückendes ökonomisches und militärisches Gewicht konnte Sparta zahlreiche peloponnesische Poleis auf die eigene Seite ziehen. Als Mittel dienten "bilaterale" Verträge. Aus einem noch erhaltenen Dokument aus dieser Zeit geht hervor, dass in den Abkommen sogenannte "ewige Freundschaftsbündnisse" festgestzt wurden.

Daneben schien es Sparta möglich gewesen zu sein, durch geschickte Diplomatie die außenpolitische Handlungsfähigkeit der anderen Poleis in entscheidendem Maße einzuschränken. Auch militärische Bestimmungen wurden ausgehandelt. Durch die einzigartige Stellung Spartas in diesem Bündnissystem spricht die moderne Geschichtswissenschaft von den "Lakedämoniern und ihren Bundesgenossen", da die Bezeichnung "Peloponnesischer Bund" eine Gleichheit unter den Beteiligten implizieren würde, die schlichtweg nicht gegeben war.

Sparta fordert die Herrschaft über Griechenland

Die Jahrhunderwende vom sechsten zum fünften Jahrhundert vor Christus bot der spartanischen Polis eine einmalige Gelegenheit, um die Hegemonie über alle griechischen Territorien einzufordern. So wurden die Lakedämonier von dem äußerst fähigen König Kleomenes (ca. 522-488 v. Chr.) regiert, während in Spartas Hauptkonkurrenten Athen um 510 v. Chr. bürgerkriegsähnliche Zustände herrschten. Kleomenes gelang es, den großen Widersacher Argos auf der Peloponnes zeitweilig als Gegenpol zu eliminieren und anschließend ein Heer gen Attika auszusenden.

Dennoch konnten die außenpolitischen Erfolge nicht durch eine innenpolitische Basis untermauert werden. Das spartanische Gemeinwesen war ein fragiles Gebäude, welches durch das Eigenstreben Einzelner jeden Moment einzustürzen drohte. Territoriale Erweiterungen wurden nicht als Gemeinleistung angesehen, sondern wurde von aristokratischen Führern genutzt, um das eigene Ansehen zu erhöhen.

Somit scheiterte Sparta mit dem Griff nach der Macht über Griechenland letztendlich an der Schwäche seines inneren Systems. Das Schwinden der lakedämonischen Vollbürger durch Krieg, Krankheit und Fehden schwächte die Hauptpolis der Peloponnes zusätzlich, wodurch Athen trotz eigener innerer Querelen als Führungsmacht weiterhin unangefochten blieb. Schlussendlich sah sich Sparta zudem gezwungen, ein Arrangement mit den Athenern zu treffen, um die Invasion der Perser abwehren zu können.

Der Vergleich mit der modernen Institution der NATO ist insbesondere daher zutreffend, als dass alle teilnehmenden Stadtstaaten im Peloponnesischen Bund de jure weiterhin unabhängig blieben, während de facto Sparta zur machthabenden Polis aufstieg und durch geschickte Politik unbemerkt sein Militär um zusätzliche Heeresteile zu erweitern. Der Peloponnesische Bund stellt zudem eine der wenigen komplexen militärischen und zwischenstaatlichen Organisationen der Antike dar und ist insoweit von besonderer Bedeutung für Historiker.

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