Die Anlage des Stausees

Schon 1920 entstand ein Plan zur Anlage eines Stausees für ein Wasserkraftwerk am Reschensee. Da war ein Stauziel von 5 Metern vorgesehen.

1939 wurde diese Planung entscheidend modifiziert. Nun wurde das Stauziel auf 22 Meter hochgeschraubt. Der Reschen- und der Mittersee würden in dem Stausee aufgehen. Diese Planung wurde auf ungewöhnliche und sogar im faschistischen Italien ungesetzliche Art durchgezogen. Vor Ort wurde alles getan, damit die Betroffenen keine Einsprüche formulierten. Dann konnte die Planung des Stromerzeugers Montecatini zu einem Projekt im nationalen Interesse werden. Die betroffenen Grundbesitzer wurden zur Stärkung der nationalen Industrie zwangsweise enteignet.

Der Zweite Weltkrieg führte dazu, dass die Realisierung der Pläne von 1939 ins Stocken geriet. 1943 wurden die Arbeiten eingestellt. Die betroffenen Bewohner atmeten auf und hofften auf ein stilles Ende für das ehrgeizige Projekt.

Doch der Energieversorger grub die alten Pläne wieder aus. Zur Bestürzung der betroffenen Bevölkerung erschienen am 20. März 1947 zwei Vertreter des Energiekonzerns Montecatini in Graun und gaben bekannt, dass die Arbeiten zur Verwirklichung des Staudammprojektes wieder aufgenommen und bis 1949 abgeschlossen werden. Es begann ein Kampf gegen dieses Projekt. Den die betroffenen Menschen verloren. Die Arbeiten wurden fortgesetzt und im Sommer 1950 wurden die geräumten Gebäude auf dem zukünftigen Seegrund gesprengt Das betraf die Dörfer Graun ganz und Reschen teilweise sowie die uralten Weiler Arlund, Piz, Gorf und Stockerhöfe. Allein der aus dem 14. Jahrhundert stammende romanische Turm der Kirche von Graun, der seit 2004 unter Denkmalschutz steht, blieb stehen. Dann wurde der See angestaut. Bei maximaler Füllung nimmt seine Fläche 677 Hektar ein.

Ab 1973 wurden durch die Südtiroler Landesregierung umfangreiche Sanierungsmaßnahmen rund um den See durchgeführt. Dabei wurden rund 35 Hektar Kulturfläche zurück gewonnen worden.

Der Reschensee heute

Die Wunden, die mit der Anlage des Stausees in die Landschaft um den Reschenpass geschlagen wurde, sind bis heute nicht vollständig verheilt. Aber inzwischen gehört der angestaute Reschensee zu der touristischen Infrastruktur um den Reschenpass. So veranlasst der aus dem Wasser ragende Kirchturm viele Autofahrer zu einem Fotostopp auf dem gebührenpflichtigen Parkplatz am See.

Der Weg rund um den Reschensee ist inzwischen eine rege genutzte Strecke. Wanderer, Walker und Läufer sind hier manchmal in Massen unterwegs. Dann zieht es Angler hier hinauf. Felchen, Forellen, Barsche und Hechte sind in dem Stausee zu Haus. Am Westufer des Sees ist die Talstation einer Sechser-Gondel zum familienfreundlichen Skigebiet Schöneben mit einer breiten und flachen Piste.

Andere Besucher kommen wegen des Windes. Der bläst hier oben mit großer Zuverlässigkeit und beachtlicher Stärke. Das macht hier vom Wind abhängige Sportarten möglich. Im Sommer kommen die Kitesurfer. Im Winter ist der zugefrorene See ein Treff der Eissegler, Snowkiter und Eissurfer aus ganz Europa. So werden die Internationalen Deutschen Snowkitemeisterschaften hier oben ausgetragen.

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