Die Traditionen der Azteken...

Ein gänzlich anderer Umgang mit dem Tod als wir ihn im Allgemeinen in Europa kennen, wird alljährlich vom 31. Oktober bis zum 2. November in Mexiko ausgiebig und ausgelassen zelebriert. Mit einem wahrhaft farbenfrohen Fest für die gesamte Familie gedenkt man den verstorbenen Verwandten in dieser Zeit nicht etwa tief traurig und allen Ernstes, sondern feiert ihr Andenken fröhlich mit bunt geschmückten Schaufenstern, Wohnungen, Straßen und Friedhöfen.

Der Tod wird gefeiert, nicht gefürchtet

Basierend auf dem alten Glauben der Azteken, dass die Toten einmal pro Jahr aus dem Jenseits wiederkehren, um sich mit ihren Familienangehörigen und Freunden bei gutem Essen, reichlich Alkohol, lauter Musik und wildem Tanz zu amüsieren, hat sich der "Dia de los Muertos" in ganz Mexiko von einem ursprünglich rein familiären Treffen über die Jahrhunderte zu einem wichtigen gesellschaftlichen Ereignis entwickelt, bei dem mitunter die gesamte Nachbarschaft bzw. das jeweilige "Barrio" (Viertel) gemeinsam feiert.

Besonders charakteristische Dekorationselemente an den landesweiten "Totentagen" sind Schädel und Skelette aus allen möglichen Materialien und in jeder nur denkbaren Ausführung, die sich neben typischen aztekischen Darstellungen zumeist an den tendenziell morbiden bis skurrilen Todesfiguren des in seiner Heimat sehr geschätzten und mittlerweile auch weltweit berühmten mexikanischen Künstlers und Karikaturisten José Guadalupe Posada (1854 bis 1913) orientieren. Speziell die Figur "La Catrina", die auch sonst für den Spott über die abgehobene Oberschicht steht, sieht man fast an jeder Ecke.

Schädel und Knochen als Kuchen

Totenköpfe, Knochen und Särge als detailliert geformte Süßigkeiten in allen Farben, Formen und Verkleidungen aus Marzipan, Zuckerguss sowie Schokolade werden schon einige Zeit vorher in den Bäckereien und Konditoreien massenhaft zur Schau gestellt, angeboten und verkauft, das klassische und typische "Pan de Muerto" (Totenbrot), ein mit Anis gewürztes süßes Hefebrot darf selbstverständlich ebenso wenig bei keiner Zusammenkunft fehlen.

Der wohl jedoch wichtigste Bestandteil der Feiern sind die schon in vorkolonialer Zeit bei den Azteken unter dem Namen "Tzompantli" weit verbreiteten Totenaltare. Die heutigen "Ofrendas" werden in Häusern, Wohnungen und auch öffentlich aufgestellt sowie mit Fotos der Toten, Bildern von Heiligen, Kerzen, Girlanden und vor allem den gelben Blüten der Cempasúchil (Ringelblume) und weiteren gelben wie orange farbigen Blumen geschmückt, da diese Farben gemäß der Überlieferung den Toten die beste Orientierung von ihren Gräbern bis in ihr ehemaliges Heim bieten.

Leuchtende Farben statt Trauerschwarz

Während dem Glauben zufolge früh verstorbene Kinder und ungetaufte Tote bereits am 31. Oktober für lediglich einen Tag eintreffen und deshalb als erste geehrt werden, kommen die anderen vorübergehend Auferstandenen am darauf folgenden 1. November bei ihren Familien zu Besuch, wo sie bis zum Abend des 2. November verbleiben, um dann von den Angehörigen mit Liedern und Gebeten zurück zum Friedhof geleitet werden. Dort werden sie dann zeremoniell für die Dauer eines Jahres bis Mitternacht feierlich, aber keineswegs trauernd gebührend verabschiedet.

Schreibomat, am 13.11.2012
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Bildquelle:
a.sansone (Lechweg - Wie es ist an einem Wildfluss zu wandern)
Heidelberger (Was macht die Speicherstadt Hamburg zum Weltkulturerbe?)

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