Eine nützliche Nacktschnecke?

Stimmt, er gehört zu den Nacktschnecken. Doch Gärtner müssen den Tigerschnegel nicht fürchten, denn er vergreift sich kaum an frischen Pflanzen. Stattdessen bevorzugt er welkende Pflanzenteile, Pilze, Flechten und Algen. Er frisst Aas und Kot und macht sich so als "Gesundheitspolizei" im Garten verdient.

Da er die Gelege anderer Nacktschnecken verspeist und hin und wieder sogar erwachsene Nacktschnecken überwältigt, zählt man ihn zu den Nützlingen im Garten.

Außerdem kommt der Tigerschnegel nur in so geringer Zahl vor, dass er im Gemüsegarten schon aus diesem Grund kaum zur Gefahr werden könnte.

Tigerschnegel (Limax maximus)

Tigerschnegel (Limax maximus) (Bild: Doornroosje - Pixabay)

Tigerschnegel oder "Leopardenschnecke"

Der Tigerschnegel (Limax maximus) gehört neben dem Schwarzen Schnegel zu den größten Schnegelarten Europas und kann bis zu 20 Zentimeter lang werden. Bekannt ist er auch unter den Namen Großer Schnegel, Große Egelschnecke oder Tigerschnecke.

Sein lateinischer Name bedeutet ins Deutsche übersetzt "die größte Schnecke". Allerdings ist sein dunkler Vetter, der Schwarze Schnegel, noch etwas größer als der Tigerschnegel. (Als größte Landschnecke der Welt gilt die Achatschnecke, die bis zu 30 Zentimeter lang werden kann.)

Wie seine Namensgeberin, die Raubkatze, ist auch der Tigerschnegel ein räuberischer Artgenosse. Selbst mit seinem größeren Verwandten, dem Schwarzen Schnegel, macht er bei Gelegenheit kurzen Prozess ...

Tigerschnegel oder Tigerschnecke nennt man die Nacktschnecke wegen ihrer auffälligen Färbung. Durch das charakteristische Muster aus Bändern und Streifen kann man den Tigerschnegel gut von anderen Nacktschnecken unterscheiden. Auch getupfte Exemplare kommen vor. Im Englischen trägt der Tigerschnegel deshalb die Bezeichnung "leopard slug", Leopardenschnecke.

Wo man dem Tigerschnegel begegnen kann

Tigerschnegel gehören wie die Weinbergschnecken oder die Schnirkelschnecken zu den Landlungenschnecken – den dauerhaft an Land lebenden Lungenschnecken. Sie sind in gemäßigten Zonen fast weltweit verbreitet. Ursprünglich stammen die Tigerschnecken vermutlich aus Südwesteuropa.

Der Tigerschnegel ist ein Kulturfolger, besiedelt also gerne Gärten, Städte, Parks oder Friedhöfe. Doch auch in anderen Lebensräumen, in Wäldern oder Hecken, fühlt er sich wohl.

Wer einem Tigerschnegel auf die Spur kommen möchte, sollte sich nachts mit der Taschenlampe auf die Suche machen. Tigerschnegel sind nachtaktiv, nur selten bei bedecktem Himmel auch tagsüber unterwegs. Sie lieben es feucht, sind deshalb besonders häufig unter Mauern, Holzstapeln, in Ruinen oder Kellern zu finden.

Unter Holz oder Steinen legen Tigerschnegel auch ihre 100 bis 200 Eier ab. Die großen Schnecken sind Zwitter, besitzen als sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane.

Beim Tigerschnegel hängt alles am schleimigen Faden ...

Der Tigerschnegel ist für seinen spektakulären Paarungsakt bekannt. Nach einer zufälligen Begegnung zweier Schnecken und einem ausführlichen Vorspiel kommt es zum ganz besonderen Höhepunkt: Beide Partner seilen sich gemeinsam an einem Schleimfaden ab!

Fast schon poetisch beschrieben hat Ute Woltron diesen "akrobatischen" Paarungsakt der Schnegel, der in einer Frühsommernacht stattfindet: "Beide Tiere bilden, an einem langen Schleimfaden baumelnd, eine korkenzieherartige Vereinigung, eine Art geometrischer Schneckenlocke, in sich verschlungen und von flüchtiger Erscheinung."

Der Schleim, den die Tigerschnecke bei der Fortpflanzung und zur Fortbewegung produziert, hat auch das Interesse der Wissenschaft geweckt. Wissenschaftler vermuten, dass der Schneckenschleim Wirkstoffe zur Bekämpfung von Warzen oder Gastritis enthalten könnte. Außerdem ist er sehr reißfest und ein ausgezeichneter Klebstoff.

In freier Wildbahn kann der Tigerschnegel ein Alter von etwa 2-3 Jahren erreichen.

2005 wurde er zum "Weichtier des Jahres" gewählt.

Ist der Tigerschnegel eine Wunderwaffe gegen lästige Nacktschnecken?

Cornelia Schneider, die Tigerschnegel züchtet und verkauft, warnt vor überhöhten Erwartungen: Tigerschnegel zählen zwar zu den Feinden anderer Nacktschnecken, ernähren sich aber hauptsächlich von Pflanzenmaterial, Aas und Kot.

Trotzdem: Im Kampf gegen die lästigen Nacktschnecken könne man den Tigerschnegel als "ebenso interessanten wie eleganten Alliierten" betrachten!

Michaela, am 10.11.2018
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