Warum Gärten für den Naturschutz so wichtig sind

Das Bundesamt für Naturschutz schreibt über Gärten:

"Als Trittsteine im Biotopverbund sowie als Lebensraum und Nahrungsquelle kommen ihnen wichtige Funktionen für den Artenschutz im Siedlungsraum zu."

(Bundesamt für Naturschutz → "Naturschutz heute" 1/16)

Natur ist immer Vorbild!

Darauf kommt es an: Einen tierfreundlichen Garten sollte man möglichst naturnah gestalten. Das bedeutet: Er orientiert sich am natürlichen Lebensraum der Tier- und Pflanzenarten, denen man im Garten eine neue Heimat schaffen möchte.

Deshalb lautet die wichtigste Regel: Heimische Pflanzen bevorzugen, denn nur an diese sind unsere Wildtiere auch angepasst. Sie stehen zu diesen Pflanzen in einer Beziehung, die sich über viele Jahre hinweg entwickelt hat. Mit Exoten und Zierpflanzen können Tiere meist wenig anfangen. Auch besteht hier die Gefahr, dass Schädlinge und Krankheiten aus fremden Ländern eingeschleppt werden, gegen die unsere heimischen Tier- und Pflanzenarten keine Abwehrmechanismen entwickelt haben.

Praktische Tipps und Maßnahmen für die Gestaltung eines tierfreundlichen Gartens

  • Sinnvoll nicht nur für Vögel, sondern auch für Insekten und so manche Kleinsäugerart: Vogelfreundliche Sträucher pflanzen

  • Im Garten, auf dem Balkon oder am Dach entsprechende Nisthilfen anbringen (wer eine Streuobstwiese besitzt, der kann vielleicht auch dem Vogel des Jahres 2017, dem Waldkauz, etwas Gutes tun)

  • Im naturnahen Garten gilt: Immer ohne Pestizide bzw. chemische Unkrautbekämpfungsmittel arbeiten, Nistkästen nicht mit Insektenspray reinigen, auch sollten diese ohne Holzschutzmittel imprägniert sein.

  • "Barrierefreiheit" schaffen: Tierischen Gästen den Weg in den Garten nicht durch unüberwindbare Hürden wie engmaschige Zäune oder Betonsockel versperren

Wichtig: An die Wildbienen und Schmetterlinge denken ...

... denn sie brauchen unsere Hilfe besonders dringend!

Nur ein Drittel aller Tagfalterarten ist noch ungefährdet, bei den Nachtfaltern ist es die Hälfte. Auch viele Wildbienenarten sind inzwischen vom Aussterben bedroht. Der Bestand an Wildbienen ist sogar so drastisch gesunken, dass – so vermuten Experten - Wildbienen schon in weniger als 10 Jahren ausgestorben sein könnten. Sie brauchen einen Lebensraum ohne Insektengifte, einen strengeren Schutzstatus und eine Verbesserung des Blütenangebots.

Wildbienen-Experte Paul Westrich erklärt, was wichtig ist, um Wildbienen solche Nisthilfen anzubieten, die von den Insekten auch gerne angenommen werden:

  • keine Glasröhrchen verwenden

  • sind Nisthilfen aus Holz, so sollte das Holz keine Risse haben (diese werden von den Wildbienen gemieden)

  • statt Loch- oder Hohlziegeln empfiehlt der Wildbienenexperte, lieber Strangfalzziegel zu nutzen

  • anstelle der Bündelung horizontaler Stängel ist es sinnvoller – weil dem natürlichen Lebensraum der Insekten angepasst – vertikale Strukturen zu bevorzugen, z.B. dürre Brombeerranken oder abgestorbene Stängel der Königskerze, von Beifuß oder Disteln im Garten stehen zu lassen

  • Wildbienen-Nisthilfen sollte man fest anbringen, sie dürfen nicht baumeln oder nah am Boden sein. Wichtig ist ein sonniger, vor Regen und Wind geschützter Standort

  • auch im Herbst und Winter sollte man die Wildbienen-Nisthilfe am gleichen Standort belassen wie im Frühjahr und Sommer

  • darauf achten, dass die Insekten eine möglichst freie Flugbahn haben

Nicht vergessen: Bienen brauchen nicht nur Unterkunft, sondern auch Nahrung, also ein entsprechendes Nektar- und Pollenangebot im Garten!

So entsteht ein bienenfreundlicher Garten

So pflanzen Sie einen Schmetterlingsgarten

Wanted! Die Wildbiene des Jahres 2017: Die Knautien-Sandbiene

Wer hat sie gesehen?

Die Knautien-Sandbiene - ihr Markenzeichen sind die roten "Hosen" - steht als Wildbiene des Jahres 2017 stellvertretend für die 124 Wildbienenarten in Deutschland, bei denen die Weibchen nur den Pollen einer bestimmten Pflanzenart sammeln, um damit ihre Larven zu ernähren.

Die Knautien-Sandbiene benötigt Pollen und Nektar der Knautie, die wir auch als Wiesenwitwenblume (Knautia arvensis) kennen. Nimmt die Vielfalt unserer blühenden Wiesen ab, verschwinden Ackerpflanzen und Wildblumen, dann kommen auch Nahrungsspezialisten wie die Knautien-Sandbiene in Bedrängnis.

Naturforscher möchten gerne wissen, an welchen Orten Deutschlands die Wildbiene des Jahres 2017 noch zu finden.

Wer also meint, eine Knautien-Sandbiene gesehen zu haben: Bitte melden!

Komposthaufen und Gartenteich anlegen – es lohnt sich!

Wer Platz und Lust hat, der möchte vielleicht im Garten einen Komposthaufen und einen Gartenteich anlegen.

Der Komposthaufen sorgt nicht nur für ausgezeichneten natürlichen Dünger und kommt so der eigenen Ernte zugute, er bietet auch vielen Tierarten Nahrung und einen Rückzugsort.

Wer keinen Gartenteich anlegen kann oder möchte, der sollte darauf achten, eine Vogeltränke im Garten zu haben, damit die gefiederten Besucher trinken, baden und sich putzen können.

Wichtig dabei: Die Vogeltränke bzw. das Vogelbad immer sauber halten und das Wasser täglich wechseln. Es empfiehlt sich, die Tränke dabei mit heißem Wasser auszuwaschen, um Keime und Krankheitserreger abzutöten.

Auch sollte darauf geachtet werden, die Vogeltränke möglichst so aufzuhängen (in ca. 1-1,5 m Höhe), dass Katzen keine Chance haben, den Vögeln aufzulauern.

Erhöhte Sitzwarten anbieten

Beutejagd, Beobachtungsposten oder Balzgesang: Viele Vogelarten sitzen gerne auf dem Dach oder einem hohen Baum, um von dort einen guten Überblick zu haben, Feinde rechtzeitig zu erkennen und ihren Reviergesang vorzutragen. Von Amseln z.B. kennt man dieses Verhalten gut.

Sind im Garten kaum erhöhte Singplätze vorhanden, kann es eventuell sinnvoll sein, Stangen zu montieren, die von Vögeln als Sitzwarte genutzt werden können.

… und was machen die Tiere eigentlich im Winter?

Nicht vergessen: Rechtzeitig auch an die kalte Jahreszeit denken und im Garten Rückzugsorte zur Überwinterung schaffen, z.B. für Igel, Eichhörnchen, Kröte oder Blindschleiche.

Das können zum Beispiel sein:

  • eine unvermörtelte Trockenmauer

  • ein Reisighaufen (Rotkehlchen)

  • ein Holzstapel

  • ein Laubhaufen (z.B. für Igel oder Erdkröte)

Also bitte nicht zu ordentlich und "aufgeräumt": Im Garten oder auf der Streuobstwiese Fallobst liegen lassen (Amseln und Wacholderdrosseln lieben es!), verblühte Blumen oder dürre Brombeerranken stehen lassen (für Vögel oder Wildbienen).

Insekten im Winter - wie und wo überleben sie?

Wie können wir den Tieren im Winter helfen?

Tierrätsel: Was machen eigentlich die Tiere im Winter?

Welche Tiere kann man als Gäste im eigenen Garten erwarten?

Eine Vielzahl an kleineren Singvögel wie zum Beispiel Amseln, Meisen, Rotkehlchen, Zaunkönig, Sperlinge oder Finken, aber auch Rabenvögel wie Elster, Krähe oder Eichelhäher, außerdem Spechte wie den Grünspecht oder den Buntspecht.

Greifvögel wagen sich eher selten in die Nähe menschlicher Siedlungen, jedoch: Den Sperber zieht es im Winter häufig ans Futterhaus, dort findet der wendige Singvogeljäger leichte Beute.

Eulen suchen Rückzugsorte in oder an Gebäuden wie z.B. Scheunen.

Und außerdem?

Mögliche Gartenbesucher sind natürlich auch Insekten jeder Art, Schmetterlinge, Kröten, Molche, Eidechsen (Blindschleichen), Igel, Eichhörnchen, Mäuse, Bilche, Spinnen, Schlangen wie zum Beispiel die harmlose Ringelnatter, Marder und Fledermäuse.

Kein eigener Garten?

Und wer keinen eigenen Garten oder auch nur Balkon sein eigen nennt, der muss nicht verzagen: Wie wäre es, ein Schrebergartengrundstück oder vielleicht sogar eine Streuobstwiese zu pachten?

Michaela, am 13.06.2017
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Bildquelle:
M. Steininger - Die Persönliche Note (Streuobstwiesen erhalten = aktiver Tier- und Pflanzenschutz)
Claudia Steininger (Blühende Wiesen und frisches Obst: Vom Schutz der Wildbienen profit...)

Autor seit 7 Jahren
327 Seiten
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