Was ist ein Vinho Verde?

Der Vinho Verde ist einzigartig in der Welt. Es ist ein portugiesischer Wein, der von Natur aus einen leichten und frischen Charakter hat. Vinho Verde wird produziert in einer für ihn ausgewiesenen Anbauregion im Nordwesten von Portugal, einer Küstenregion mit einer geographisch guten Lage um exzellente Weißweine herzustellen. Ein Vinho Verde hat einen geringen Alkoholgehalt und dementsprechend weniger Kalorien als ein herkömmlicher Wein. Es ist ein fruchtiger Wein, der einfach und am besten gut gekühlt zu trinken ist und sich gut eignet als Aperitif oder als Tischwein für leichte und ausgewogene Mahlzeiten: Salate, Fischgerichte, Meerestiere, weißes Fleisch, Tapas, Sushi.
Und nicht zu vergessen, ein Vinho Verde wird in der Regel ganz natürlich ohne irgendwelche Zusätze hergestellt, ist preisgünstig (ab 1,50 Euro bis 8 Euro), ist gut gekühlt erfrischend bei sommerlichen Temperaturen (aber nicht nur dann) und kann als junger Wein nicht gelagert werden, sondern will sofort getrunken werden.

 

 

Jeder Vinho Verde hat übrigens auf der Flasche ein Garantiesiegel von der portugiesischen Kommission für den Weinanbau in der Region der Vinhos Verdes, das ihn als solchen ausweist.

Geschichtliches über den Vinho Verde

Im 12. bis 13. Jahrhundert n. Chr. begann der beständige Weinanbau. Die Anfänge des portugiesischen Weinanbaus waren in der Region Entre-Douro-e-Minho ("zwischen dem Douro und dem Minho", gemeint sind die Flüsse) zu finden, genau da, wo heute noch immer der Vinho Verde angebaut und erzeugt wird. Geschichtlich gesehen waren die Vinhos Verdes wohl die ersten exportierten Weine aus Portugal, die auf dem europäischen Markt bekannt waren. Dieser europäische Markt wurde damals übrigens aus England, Flandern und Deutschland gebildet.
1908 wurde erstmalige das genaue Weinanbaugebiet für Vinho Verde gesetzlich festgelegt um eine gleichbleibende gute Qualität zu erhalten und die Produktion und den Handel zu regeln.

Geographisches über den Vinho Verde

Das Anbaugebiet des Vinho Verdes erstreckt sich über den ganzen Nordwesten Portugals in einer Zone, die bekannt ist unter dem Namen: Entre-Douro-e-Minho. Es wird im Norden begrenzt vom Fluss Minho (der die Grenze zu Galicien bildet), im Osten und im Süden von Gebirgsregionen, die eine natürliche Grenze bilden zwischen dem vom Atlantik beeinflussten Entre-Douro-e-Minho und den eher mediterranen Klimazonen im Inneren des Landes und dann ist da noch der atlantische Ozean, der die Grenze im Westen bildet.

Das gesamte Gebiet unterliegt dem Einfluss des Atlantiks: die Flusstäler der Hauptflüsse erstrecken sich von Osten nach Westen und gewähren deshalb den maritimen Winden leicht Zugang. Dieses Weinanbaugebiet wird eingeteilt in folgende sechs Unterregionen: Monção, Lima, Basto, Braga, Amarante und Penafiel. In diesen darf der Vinho Verde angebaut und produziert werden, "ein Wein mit unverwechselbaren Merkmalen, die hervorgebracht werden aus den geographischen Gegebenheiten und dem Zusammenspiel von natürlichen und menschlichen Faktoren", so die portugiesische Kommission für den Weinanbau in der Region der Vinhos Verdes-CVRW. Das Weinanbaugebiet des Vinho Verde erstreckt sich über eine Größe von 21.000 ha und entspricht damit 15 % der gesamten nationalen portugiesischen Weinanbaufläche.
Das Produktionsgebiet von Vinho Verde ist geographisch gesehen exakt das gleiche wie das Produktionsgebiet von einem Wein aus dem Minho. Ein Wein, der daher kommt, kann also ein Vinho Verde sein oder ein Wein aus dem Minho.

Wie wird Vinho Verde hergestellt?

Der Vinho Verde kann mit einigem Recht als ein natürliches Produkt angesehen werden. Seine Weinmoste haben einen mittleren Gehalt an Zucker, aber viel Säure, einen niedrigen ph-Wert mit einem ausreichenden Stickstoff-Gehalt. Das bedingt eine leichte und vollständige Gärung. Während der Gärung steigt die Temperatur des Mostes an. Dadurch kann präzise bestimmt werden, wann der Wein fertig ist. Voraussetzung für diese natürliche Gärung ist eine totale Hygiene auf dem Weingut und den eingebrachten Weintrauben und allem was dazugehört. Es ist weder ratsam, noch wünschenswert, noch nötig die Weinsäure zu korrigieren oder den Most zu entsäuern. Nach EU-Richtlinien muss der Most übrigens aus diesem regionalen Vinho Verde-Weinanbaugebiet stammen.

 Die Weinlese: Der genaue Zeitpunkt der Weinlese macht viel von der Charakteristik eines Weines aus. An dieser Stelle kann schon der Säuregehalt vorausgesagt werden. Weine mit höherem Alkoholgehalt gehen aus späten Weinlesen hervor. Jede Traubensorte hat ihren eigenen Reife-Zeitpunkt, an dem sie ausgewogene Geschmackseigenschaften liefert und jeder Weinproduzent wird darauf große Aufmerksamkeit legen. Wenn die Weinlese begonnen hat, muss große Sorgfalt auf die Transportbedingungen der Weintrauben zu der Weinkellerei gelegt werden. Die Weintrauben sollen im Ganzen und nicht beschädigt oder gar zermatscht ankommen. Auch die Außentemperatur bei Beginn der Weinlese sollte beachtet werden, ist es zu heiß, kann die Gärung ungewollt vorab beginnen. In der Weinkellerei angekommen, werden die Trauben in eine Weinpresse gefüllt, ohne vorher zerkleinert zu werden. Eine gängige Methode um weißen Wein herzustellen ist es, die Trauben gären zu lassen, nachdem sie gepresst wurden ohne Zugabe irgendeines anderen Zusatzes. Diese Methode hat den Namen "bica aberta"(wörtlich übersetzt: offener Schnabel). Bei Rotweinen dagegen werden vor dem Gärprozess die Trauben zerkleinert. Diese Methode nennt sich dann "curtimenta" (wörtlich übersetzt: Gärung).
Die alkoholische Gärung: Nachdem sich die schwereren Substanzen auf den Boden abgesetzt haben, wird der Most für weiße Weine in einen anderen Behälter zum Gären umgefüllt. Die alkoholische Gärung ist ein chemischer Prozess, in dem Zucker in Alkohol umgewandelt wird. Das geschieht aufgrund von Hefebakterien, die sich dabei bilden und manchmal als Gärungs-Starterhilfe am Anfang zugegeben werden. Wichtig ist die Gärungstemperatur. Während des Gärungsprozesses setzt der Most Wärme frei und erhöht dadurch seine Temperatur. Als Faustregel gilt: ein Grad Temperaturerhöhung des Mostes entspricht einem Prozent Alkohol desselben. Ein Most mit einer Anfangstemperatur von 15 Grad wird also 10 % Alkohol enthalten, wenn er 25 Grad erreicht hat.
Die Temperatur beeinflusst die Entwicklung der Gärung. Unter 12 Grad Temperatur findet keine Gärung statt und umso höher die Temperatur ist, umso schneller gärt der Most. Zu hohe Temperaturen allerdings killen die Hefebakterien und deshalb ist es wichtig, deren Vorhandensein genau zu kontrollieren, denn die Hefebakterien sind verantwortlich für das spätere Aroma des Weines und seinem Säuregehalt.
In einer zweiten Gärung wird Milchsäure gebildet, die einen festen Säuregehalt der Weine hervorbringt und außerdem Kohlensäure produziert, ein Charakteristikum von Vinho Verde, der oft im Mund prickelt. Allerdings wird durch diese zweite Gärung wieder etwas von dem Weinaroma, das aus der ersten Gärung gewonnen wurde zerstört, so dass schon manche Produzenten von weißem Vinho Verde darauf verzichten und dafür einen Wein auf dem Markt bringen, der gleichzeitig erfrischend, jung und aromatisch schmeckt. Bei roten Vinho Verdes wird aber gern auf diese zweite Gärung zurückgegriffen, denn diese bestechen eher durch ihre geschmackliche Komplexität, als durch die Intensität ihres Aromas.

Autor seit 5 Jahren
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