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Die Erfolgsgeschichte von „Tim und Struppi“ - Tintin wird zu „Tim und Struppi“

1929  begann der Zeichner und Autor Hergé, dessen richtiger Name eigentlich Georges Rémi lautete, eine Comic-Reihe ins Leben zu rufen, die im Bereich der Unterhaltung eine neue Epoche in Europa einleitete. Entstanden sind mehr als 80 Geschichten und der Comic, dessen Originaltitel "Les aventures de Tintin" lautete, wurde millionenfach und weltweit verkauft. Ganze Generationen haben die Publikationen regelrecht verschlungen.

Den Reporter mit knabenhaftem Aussehen und rotbrauner Haartolle der mit seinem treuen Foxterrier unterwegs ist, kennt man in Deutschland seit Ende des Zweiten Weltkrieges – hierzulande als Tim und Struppi. Beim Betrachten der Comics überkommt einen auch heute noch ein "heimelig nostalgisches" Gefühl, schließlich wurde die Darstellung der Figuren nicht unsinnig modernisiert, wie dies bei zahlreichen anderen Comics der Fall war und in Grausamkeiten gipfelt, die heute auf einschlägigen Fernsehkanälen mit Kinderprogrammen in die Wohnzimmer drängen.

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Tim und Struppi werden animiert - Steven Spielberg und Peter Jackson wagen sich an den zeitlosen Klassiker

Dass ausgerechnet ein Steven Spielberg und ein Peter Jackson sich an "Tim und Struppi" heranwagt mag daran liegen, dass ihm selbst das imponiert, was anderen, auch von ihm verfilmten, Stoffen häufig fehlt: ein gewisses Maß an Beständigkeit bzw. Zeitlosigkeit und sicherlich eine gute Portion Nostalgie, die bei den Geschichten immer mitschwingt. Nun wurde jedoch keine Realverfilmung vorgenommen und der klassische Zeichentrickfilm gehört heute auch eher zu den Raritäten. Stattdessen entstand ein Animationsfilm dessen Figuren im Performance-Capture-Verfahren animiert wurden. Für die Bewegungen und die Mimik zeichnen ebenfalls Schauspiel-Größen verantwortlich. Der Film setzt sich nun zusammen aus vielen Einzelteilen, die den einzelnen Publikationen entnommen wurden und könnte so in etwa als ein animiertes "Best of" bezeichnet werden. Dass hierbei, um alles miteinander schlüssig zu verbinden, teilweise deutlich von den Originalen abgewichen werden muss steht außer Frage. Eingefleischten Fans dürfte dies sicherlich missfallen.

 

Die Handlung von „Tim und Struppi“ (Film)

Der Film beginnt mit dem Besuch von Tim, animiert von Jamie Bell, auf einem Flohmarkt, auf dem er sich das Modell eines Segelschiffes kauft. Im Mast des Schiffes versteckt findet Tim den Teil einer Schatzkarte, hinter der Sakharin, eine etwas dubiose Gestalt, animiert von Daniel Craig, her ist. Daher veranlasst Sakharin die Entführung von Tim und Struppi auf das Frachtschiff Karaboudjan, von wo die beiden allerdings gemeinsam mit dem gerne angetrunkenen Kapitän Haddock wieder fliehen können. Nach verschiedenen Abenteuern, lösen sie das Rätsel des Schatzes das zudem eine Verbindung zu Familienchronik Haddocks hat und es kommt zur endgültigen Auseinandersetzung mit Sakharin.

„Tim und Struppi“ der Film - verschiedene Charaktere unterschiedlich gut getroffen

Sicherlich sollte man nicht den Fehler machen und diesen Film wirklich direkt mit den Comics vergleichen, gewisse Abweichungen sind einfach unumgänglich. Dennoch sind einige Charaktere sicherlich besser getroffen als andere. Tim gehört eindeutig zu den Personen, die dem Comic direkt entsprungen zu sein scheint. Obwohl dem stets betrunkene Haddock von einem absoluten Animationsprofi, Andy Serkis, Leben eingehaucht wurde, wirkt er eher harmlos, ja geradezu brav, selbst dann, wenn er einen Whisky nach dem anderen in sich hineinschüttet und lauthals zu schimpfen beginnt. Damit wird der Unterschied, von Tim und Haddock, von dem der Comic ein Stück weit lebt, stark vermindert. Dem Vorwurf, der Film würde sich zu viele Freiheiten heraus nehmen, muss aber gegebenenfalls entschieden entgegengetreten werden. Die Anfänglichen Bände von Tim und Struppi entstanden in einer Zeit in der die Weltsicht noch stark kolonial geprägt war und auch mit rassistischen und kulturellen Stereotypen gespielt wird. Dass dies von einem Steven Spielberg im Jahre 2011 so nicht getragen werden kann ist verständlich und natürlich auch nur richtig.

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Tim und Struppi werden dreidimensional - Der 3D-Wahn geht weiter

Wie schon in verschiedenen anderen Filmkritiken auf Pagewizz bemängelt, scheint es heute einfach unvermeidbar zu sein, einen neuen Film in 3D zu präsentieren. Leider ist dies auch bei Tim und Struppi der Fall, obwohl es der Film nicht im Geringsten nötig hätte. Im Gegenteil, der "Modeeffekt" irritiert an vielen Stellen und wirkt doch eher störend. Dies mag vielleicht mit daran liegen, dass es sich eben um animierte Figuren und keine realen Schauspieler handelt, was es im Übrigen unter Umständen sogar noch reizvoller gemacht hätte (man denke nur an die großartigen Asterix-Verfilmungen).

Fazit

Alle Fans von Tim und Struppi-Abenteuern, alle die den Charme der Nostalgie lieben, alle die einen insgesamt schönen und unterhaltsamen Film sehen möchten und alle Fans von Animationsfilmen sowieso, bleibt eigentlich nichts anderes übrig, als ins Kino zu gehen und Steven Spielbergs Version von Tim und Struppi anzusehen.

Filmdaten

Filmstart: Oktober 2011 
FSK: ab 6
Genre: Abenteuer, Animation
Länge: 106 min
Land: USA, Neuseeland 

Darsteller: Jamie Bell, Andy Serkis, Simon Pegg, Daniel Craig, Toby Jones, Gad Elmaleh, Nick Frost, Eric Stoltz 

Drehbuch: Steven Moffat, Edgar Wright
Regie: Steven Spielberg 

 

Autor seit 5 Jahren
358 Seiten
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