Die Auswanderung der Hunsrücker nach Brasilien

Das Leben auf den kargen Hunsrückhöhen war schwierig. Landwirtschaft prägte die Gegend und konnte die Bevölkerung mehr schlecht als recht ernähren. Seuchen, Missernten und Hungersnöte taten ihr Übriges. In drei Wellen um 1824, 1845 und um 1860 begaben sich die Hunsrücker auf die beschwerliche Reise in das gelobte Land Brasilien. Sie folgten der Anwerbung durch Agenten der brasilianischen Regierung nach der Loslösung des Landes von Portugal. Man versprach ihnen als Geschenk eigenes Land zur Bewirtschaftung, ein gesundes fast mitteleuropäisches Klima sowie die freie Überfahrt nach Rio Grande do Sul.

Quelle: Landesarchiv Koblenz

Deutsche Kolonien in Brasilien

Trotz Warnungen in der Presse verließen Scharen von Menschen die Region. Der Weg führte über die Seehäfen Bremen und Bremerhafen per Schiff in einer langen Atlantiküberquerung von bis zu drei Monaten nach Rio do Janeiro und von dort mit kleineren Schiffen nach Porto Alegre.

Deutsche Siedlungen wurden in São Leopoldo, Petrópolis, Santa Cruz, Blumenau und vielen anderen Orten gegründet. Die Zahl der deutschstämmigen Brasilianer soll bei 2 bis 5 Millionen liegen. Manche sprechen noch heute das Riograndenser Hunsrückisch, eine Mischung aus Hunsrücker Platt mit anderen deutschen Dialekten, portugiesisch und italienisch. Es findet mittlerweile ein reger Austausch statt. So reisen Brasilianer mit deutschen Wurzeln auf den Hunsrück, um die Heimat ihrer Vorfahren zu erkunden.

Der Hunsrück als Drehort

Im April drehte Edgar Reitz den vierten Teil der Anderen Heimat auf dem Hunsrück. Das kleine Örtchen Gehlweiler wurde in ein historisches Dorf im Jahre 1840 verwandelt, als die Straßen noch nicht geteert waren und aus Lehm bestanden. Um die Schmiede der Familie Simon entstand eine naturgetreue Kulisse. Die Einwohner mussten auch mit Unannehmlichkeiten leben, so wurde die Hauptstraße auf 200 Metern gesperrt. Sie durften als Laienschauspieler auftreten. Die Bürger trugen gerne in Form von Requisiten wie z.B. historischen Kleidungsstücken und alten Handwerksgeräten bei. Anreisende Besucher belagerten die Filmaufnahmen, um etwas von der weiten Welt des Films zu erhaschen.

Ein Blick hinter die Kulissen des Films

Der Fernsehsender SWR in Gehlweiler mit Interview von Edgar Reitz:

Die Story

Im ländlichen Hunsrück Mitte des 19. Jahrhunderts sind die Menschen von Hungersnot und Armut gebeutelt. Viele Nachbarn wandern nach Südamerika aus. Für die beiden Brüder Jakob und Gustav stellt sich die Frage: Auswandern oder bleiben? Der jüngere Bruder Jakob, Sohn einer Bauern- und Handwerkerfamilie, träumt sich in sein neues Leben in Brasilien. Er verschlingt Bücher über das Land, den aufregenden Urwald mit seinen Abenteuern und schmiedet Pläne. Seinem Tagebuch vertraut er seine Gedanken an.

In seine Träume werden alle Menschen, die ihm begegnen, eingebunden, seien es Familienmitglieder oder Jettchen, die junge Tochter des armen Edelsteinschleifers mit ihrer Freundin Florinchen. Gibt es ein schöneres Leben weit in der Ferne jenseits des Meeres? Naturkatastrophen, Tod und Krankheiten stellen sich ihm in den Weg. Sein älterer Bruder kommt aus dem Militär zurück. Hat das Schicksal andere Ziele für ihn oder wird er es schaffen?

Der Film zeigt in langsamen Bildschnitten, wie man es von Edgar Reitz gewohnt ist, die Geschichte der ländlichen Bevölkerung vor dieser Landschaft der Weite. Wie viel Mut war damals notwendig, um sich auf eine derart ungewisse Reise zu begeben?

Trailer 1 - Ein Vorgeschmack auf den Film DIE ANDERE HEIMAT
Trailer 2

Prof. Dr. h.c. Edgar Reitz

Der Filmemacher und Autor Edgar Reitz wurde 1932 in Morbach geboren und ist auf dem Hunsrück aufgewachsen. Sein Vater war Uhrmacher im Ort. Nach seinem Abitur in Simmern studierte Reitz Germanistik, Publizistik, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft in München. In 2006 wurde er für seine vorbildliche Filmarbeit mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Kinostart in 2013

Der Film "Die andere Heimat - Chronik" einer Sehnsucht startet am 03. Oktober 2013 in den Kinos.

  • Regie:Edgar Reitz
  • Drehbuch: Gert Heidenreich
  • Produzenten: Christian Reitz, Edgar Reitz
  • Darsteller: Jan Dieter Schneider, Marta Breuer, Antonia Bill, Maximilian Scheidt, Werner Herzog u.a.
  • Genre: Drama / Heimatfilm
  • Musik: Michael Riessler, Mark Parisotto
  • FSK: 6
  • Verleih: Concorde Film
  • Format: Schwarz-Weiss/Farbe Cinemascope
  • Laufzeit: 230 Minuten
Hinter den Kulissen des Films
Making of Heimat

Die andere Heimat auf den Filmfestspielen in Venedig, Rio und Toronto

Die andere Heimat lief bei der 70. Filmbiennale in Venedig außer Konkurrenz und erntete dort einen 20-minütigen begeisterten Applaus des Fachpublikums. Auch bei den Filmfestspielen in Rio de Janeiro und Toronto war man begeistert.

Premiere in Simmern

Die Uraufführung fand am 28. September 2013 im Pro-Winz Kino in Simmern, Hunsrück statt. 

Die Weltpremiere des Filmes wurde durch ein Fest umrahmt. Um 10 Uhr morgens zeigte man zur Einstimmung die Dokumentation von Reitz: Geschichten aus den Hunsrückdörfern. Das Hunsrückmuseum bietet eine Ausstellung über die Lebensverhältnisse in der Mitte des 19. Jahrhunderts an.

Um 12 Uhr war offizielle Eröffnung durch den Bürgermeister der Stadt Simmern. Der Regisseur Edgar Reitz war anwesend, ebenso der Hauptdarsteller Jan Dieter Schneider, der den Jakob spielt. Der Medizinstudent wurde als Laienschauspieler entdeckt und blüht in dem Film so richtig auf. Hunderte Darsteller, Prominente und ca. 2000 Besucher erlebten den ausverkauften Film.

Selbst der Bürgermeister der Stadt Igrejinha, Rio Grande del Sul, Brasilien nahm persönlich die Partnerschaftsurkunde entgegen. Volkstanzgruppen begleiteten das Fest. Die Rhein-Zeitung berichtete.

Autogrammstunde mit Jan D. Schneider

Der sympathische Hauptdarsteller, Jan Dieter Schneider, der den Jakob Simon spielt, ist neben unserem Hotte Schneider zu einem kleinen Star des Hunsrücks geworden. Der Medizinstudent wurde aus über 800 Bewerbern beim Casting ausgewählt. Sein Vorlesen des Tagebuches hat den Regisseur überzeugt, da auch Simons Tagebuch eine tragende Rolle im Film spielt. Er hat bereits Autogramme in Kastellaun gegeben. Wer dieses verpasst hat, sollte am 14.12.13 zwischen 14.30 und 16.30 Uhr zu Müller Büro & Buch, Bahnhofstraße 16, 56288 Kastellaun kommen. Jan Schneider wird an diesem Tag seine 2. Signierstunde in der Buchhandlung halten. Sein Studium will er jedoch beenden und in die Forschung gehen. Seine Mitschüler hat er dazu bewogen, sich den Film anzuschauen. Im Interview erzählt er, wie der den Filmdreh erlebt hat und wie die Reaktionen der Zuschauer in den einzelnen Städten in Europa waren.

Hier einige Impressionen:

Resümee

Die Filmserie Heimat ist kein Actionfilm. Wer schnelle Bildschnitte gewohnt ist, tut sich vielleicht schwer. Die ersten drei Teile der Serie Heimat waren früher ein Straßenfeger, trotz ihrer Länge und der ruhigen Erzählweise. Der Film ist bewusst in Schwarz-Weiss mit einigen malerischen Farbklecksen gehalten, um die Historie der damaligen Zeit authentisch zu verdeutlichen. Der Film ist authentisch im Hunsrücker Dialekt gehalten. Sitzfleisch sollte man bei der Länge von knapp 4 Stunden mitbringen. In der Regel ist von den Kinos eine Pause vorgesehen, bei der man sich die Beine vertreten kann. Wem das trotzdem zu lange ist, der sollte auf die DVD warten.

Die Andere Heimat wurde von der deutschen Film- und Medienbewertung (FBW) mit dem Prädikat "Besonders wertvoll" ausgezeichnet. Die Jury lobt "die fantastische Bildsprache mit überragend schönen Panoramen des Hunsrücks."

Läuft der Film in meinem Kino?

Wer prüfen möchte, in welchem Kino der Film zu sehen ist, findet eine Auflistung unter Kino.de .

Die DVD zu dem Film soll am 30. April 2014 erscheinen.

Reitz-Film für den Kritikerpreis nominiert

"Die andere Heimat" ist nicht nur beim Publikum sehr gut angekommen, sie wurde vom Verband der deutschen Filmkritik auch für den Kritikerpreis nominiert und zwar in den Sparten:

  • Spielfilm
  • Darstellerin Spielfilm - Antonia Bill
  • Darsteller Spielfilm - Jan Dieter Schneider
  • Drehbuch Spielfilm - Edgar Reitz
  • Kamera - Gernot Roll 
  • Schnitt - Uwe Klimmeck

Edgar Reitz erhielt den Preis für den besten Film des Jahres 2013 und sein Bildgestalter Gernot Roll den Preis für die beste Kameraarbeit.

Filmpreis Goldenen Lola für den besten deutschen Film

Am 09. Mai 2014 wurde "Die andere Heimat" von der Deutschen Filmakademie mit der Goldenen Lola für den besten deutschen Film ausgezeichnet. Damit rangiert das Werk von Edgar Reitz noch vor "Fack ju Göhte" von Bora Dagtekin.

Reisefieber, am 25.07.2013
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Bildquelle:
http://www.amazon.de (Horrorfilme: Nach wahrer Begebenheit oder frei erfunden?)

Autor seit 4 Jahren
165 Seiten
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