Henry Ford: zentrale Figur der frühen US-Autoindustrie

 

 

 

 

 

 

Es war einmal ein gewisser Henry Ford. Dieser amerikanische Farmersohn zeigte erhebliches technisches Interesse. Er erlernte das Uhrmacherhandwerk, arbeitete in Detroiter Maschinenfabriken, bastelte an landwirtschaftlichen Geräten und wurde Ingenieur einer Elektrizitätsgesellschaft. 1892/93 und 1896, zu einer Zeit, als Amerikas frühe Autobauer nur äußerst bescheidene Markterfolge verbuchten, entwarf Henry Ford erste eigene Fahrzeugmodelle. Er trat bald auch als Rennfahrer in Erscheinung. 1899 begründete Henry Ford schließlich gemeinsam mit einigen Finanziers die "Detroit Automobile Company", welche nach kurzer Zeit zahlungsunfähig war. Fords finanziell einträgliche Erfolge als Rennfahrer halfen jedoch mit, das Unternehmen 1901 unter der Bezeichnung "Henry Ford Company" zu reorganisieren. Meinungsverschiedenheiten mit den anderen Geldgebern führten allerdings dazu, dass Ford die Firma bereits 1902 verließ und ein Jahr später die "Ford Motor Company" gründete, den späteren Weltkonzern. Die Henry Ford Company jedoch firmierte fortan unter dem Namen Cadillac. Ford entwickelte sich bald zur zentralen Figur im verwirrenden Geflecht der US-Autoindustrie. Noch viele weitere Marken amerikanischer Automobilgeschichte sollten von nun an seinen unternehmerischen Lebensweg tangieren: GM, Chrysler, Buick, Dodge, Lincoln ...

Henry Fords Strategie war es, das Ungewöhnliche zu tun, selbst dann, wenn sich der Erfolg erst spät einstellt. So perfektionierte er beispielsweise die von Oldsmobile eingeführte Fließbandproduktion, um erschwingliche Massenfahrzeuge zu produzieren. Dennoch erhöhte Ford die Löhne der Arbeiter. Das Kalkül ging auf: Bald konnten sich auch viele Ford-Mitarbeiter ein Auto leisten und trugen so zum Verkaufserfolg des Modells Tin Lizzy bei ...

Die Entstehung des Giganten GM

Die Gründung von General Motors geschah zunächst auf dem Papier und steht wiederum im Zusammenhang mit Henry Ford. Ende des 19. Jahrhunderts sicherte sich ein trickreicher Anwalt namens George B. Selden ein Monopol-Patent. Vereinfacht ausgedrückt, handelte es sich dabei um das Recht auf "Tribut-Zahlungen" für jegliches bestehende und zukünftige Automobil. Im Gegensatz zu anderen Herstellern zahlte Ford jedoch nicht und gründete mit anderen Unternehmern ein "Anti-Selden-Syndikat". Den mehrjährigen Gerichtsprozess verlor das Syndikat 1909 allerdings und durfte nun theoretisch keine eigenen Autos mehr bauen. In dieser dunklen Stunde hätte Ford beinahe sein Unternehmen an die Herren Durant und Buick verkauft. Das Geschäft platzte jedoch. Dennoch hatte Durant, ein ehemaliger Handwagenhersteller, im Jahr zuvor bereits vorsorglich die General Motors Company gegründet.

1911 gewann Ford die Berufungsverhandlung. Der amerikanischen Autoindustrie lagen nun keine Hindernisse mehr im Weg. Die Wirren der zurückliegenden Jahre hatten jedoch zu einer Reihe von Fusionen und Übernahmen geführt. Unter dem Dach von GM fanden sich nun unter anderem die Marken Buick, Oldsmobile, Cadillac sowie Oakland (der spätere Pontiac) wieder. 1918 wurde auch die Traditionsmarke Chevrolet in den Konzern eingegliedert. Markenvielfalt blieb fortan ein Kennzeichen von GM, welches unaufhaltsam wuchs, erfolgreich expandierte und schließlich jahrzehntelang als größtes Unternehmen der Welt galt.

Chrysler: amerikanische Marke mit deutschen Wurzeln

Im Windschatten der beiden Giganten Ford und GM startete ein cleverer Unternehmer durch. Walter P. Chrysler, Nachkomme deutscher Einwanderer, machte sich selbstständig. Der Buick-Firmenchef und Vizepräsident von General Motors kündigte 1919 seine Anstellung und betätigte sich fortan bei den wirtschaftlich angeschlagenen Fahrzeugherstellern Willis Overland und Maxwell. 1925 gründete Chrysler sein eigenes Unternehmen, in welchem die Firma Maxwell aufging. Bereits 1928 konnte Chrysler zudem die Hersteller Dodge und Plymouth übernehmen. Einige Jahre lang war Chrysler sogar zweitgrößter Autohersteller der USA.

Die Firmenhistorie kennt allerdings auch mehrfach existenziell bedrohliche Zeiten für Chrysler. In einer dieser Phasen half dem Unternehmen ungewollt die Konkurrenz: Henry Ford II. entließ 1978 wegen persönlicher Differenzen seinen Top-Manager Lee Iacocca. Dieser übernahm nun bei Chrysler das Ruder. Er sanierte das Unternehmen erfolgreich, so dass Chrysler 1987 sogar die Firma AMC inklusive der Marke Jeep aufkaufen konnte. Diese wiederum entstammt ursprünglich dem Unternehmen Willis Overland, jenem Hersteller also, bei welchem einst auch Firmengründer Walter P. Chrysler tätig war...

Quellen:

  • "PS auf allen Straßen der Welt", H.-H- Wille, Urania-Verlag, 1964
  • Vom Faustkeil zum Laserstrahl, Verlag Das Beste GmbH, 1991
  • Deutschsprachige Chrysler-Website mit Firmenhistorie
  • Chrysler Werbeprospekt mit Informationen zum Firmengründer, 1990
  • Spiegel Online
  • Focus Money
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