Darum sind dies die besten Horrorfilme der 1970er Jahre

Jedes Kulturphänomen unterliegt gesellschaftlichen Trends. Das Horrorgenre bildet von dieser Regel keine Ausnahme, im Gegenteil: Um zu erfahren, welche Ängste und Sorgen eine bestimmte Generation plagten, genügt oft ein Blick auf die Popularität von Schauerliteratur oder Horrorfilmen. Soziale Umwälzungen oder äußere Bedrohungen des Gesellschaftsgefüges reflektieren sich in den düsteren Kunstrichtungen.

 

Entsprechend stellten die besten Horrorfilme der 1970er Jahre Schreckensszenarien in den Mittelpunkt ihrer Handlungen, die für Angst sorgten. Vor allem drei Themenkomplexe dominierten seinerzeit das Genre:


  1. Okkultismus
  2. Tierhorror
  3. Slasher-Filme

Hinter der Fassade des oberflächlichen Horrors blitzten natürlich die wahren Beweggründe für die enorme Popularität von "Exorzist", "Der weiße Hai" & Co. durch, die wir nicht unberücksichtigt lassen wollen.

Sind Sie bereit für eine Geisterbahnfahrt zurück in die Untiefen der 1970er? Hier sind die besten Horrorfilme, die jene Ära zu bieten hatte!

 

Darum sind dies die besten Horrorfilme der 1970er Jahre

Okkultismus, oder: "Hilfe! Die Jugend ist vom Teufel besessen!"

Der Exorzist

"Der Exorzist" auf blu-rayEin unschuldiges kleines Mädchen verdrehte seinen Kopf - und das Publikum schrie auf! Selbst viele Jahrzehnte später vermag der von William Friedkin inszenierte Horrorstreifen zu schockieren. Denn: Ein 12-jähriges Mädchen, das unflätige Flüche ebenso wie grüne Kotze ausstößt, sich ein Kruzifix in den eigenen Unterleib rammt und offenbar von Dämonen besessen ist, das widersprach nun wirklich allen Filmkonventionen, in denen Kinder prinzipiell sakrosankt waren.

Die Reaktionen auf den 1973 in den US-Kinos angelaufenen Film waren oftmals von entsprechender Empörung gekennzeichnet. Allerdings lag dem ganzen ein Haken inne: Um sich über "Der Exorzist" empören zu können, musste man ihn zunächst einmal gesehen haben. Alleine in den USA spülte Friedkins Werk eine Viertelmilliarde Dollar in die Kinokassen, was ihn inflationsbereinigt zu einem der erfolgreichsten Filme aller Zeiten macht.

Schiebt man den blutigen Vorhang des oberflächlichen Horrors ein Stückchen beiseite, stößt man auf den Kern der ungeheuer beliebten Okkultismus-Filme. Eine den älteren Generationen unheimliche gesellschaftliche Veränderung war zugange, die eherne Konventionen, Regeln und Sitten förmlich hinwegfegte. Was war bloß mit den jungen Leuten los? Vielleicht gar der Teufel?

Kein Wunder, dass die 1970er Jahre auch die Blütezeit von Sekten waren, sahen sich doch viele, meist junge Menschen, komplett entwurzelt und sehnten sich nach Halt in einer scheinbar verrückt gewordenen Welt, die sie einfach nicht akzeptieren wollte oder konnte. Da boten sich spirituelle Lösungen geradezu an, um simple Antworten auf komplexe Fragen zu liefern! Etwa jene, weshalb aus einem reizenden kleinen Mädchen eine wilde Furie wird.

Natürlich war "Der Exorzist" nicht der erste Film mit okkultistischem Zentralmotiv. Aber er war (und ist!) der erfolgreichste und einflussreichste der Kinogeschichte. Obwohl er kaum Gewaltszenen aufweist und sich der größte Teil der Handlung in einem einzigen Raum abspielt, erzeugt er nach wie vor Gänsehaut. Verantwortlich dafür sind neben den berühmten Szenen wie Regans 380-Grad-Drehung des Kopfes das Eindringen archaischen Grauens in die Moderne. Hier waren keine Monster aus dem Weltall oder Geister am Werk, sondern unsichtbare Mächte - oder etwa doch nicht? Vor allem in William Peter Blattys literarischer Vorlage (Blatty schrieb auch das Drehbuch zum Film) bleibt offen, welchen Ursprung Regans furcheinflößendes Verhalten hat. Ist sie tatsächlich von Dämonen besessen? Oder handelt es sich lediglich um eine psychische Erkrankung?

Angesichts des ungeheuren Erfolges konnten Fortsetzungen nicht ausbleiben. Doch weder "Exorzist II – Der Ketzer", noch "Der Exorzist 3" vermochten an die Qualität und Resonanz des Originalfilmes anzuschließen. Auch das 2004 von Renny Harlin inszenierte Prequel "Exorzist: Der Anfang" verschwand rasch wieder aus dem öffentlichen Bewusstsein als seltsames Kuriosum.

Weniger subtil in der Interpretation, aber dennoch fesselnde Unterhaltung bot drei Jahre später eine weitere Horrorreihe.

 

Das Omen

Das OmenRegisseur Richard Donner ("Superman", "Der Tag des Falken") konnte für seine Verfilmung des gleichnamigen Romans von David Seltzer die Schauspielstars Gregory Peck, Lee Remick sowie David Warner gewinnen. Die eigentliche Hauptrolle bekleidete jedoch die enorm packende und unheimliche Story.

Nachdem Katherine Thorns (Lee Remick) Baby kurz nach der Geburt starb, entschloss sich ihr Mann Robert (Gregory Peck) zu einem drastischen Schritt: Er verheimlichte ihr das Drama und gab stattdessen ein Waisenbaby als ihren Sohn. Einige Jahre später wird Robert Thorn zum US-Botschafter in England berufen und zieht mit seiner Frau und dem vermeintlich gemeinsamen Kind Damien (Harvey Stephens) nach London. Zunächst verläuft ihr gemeinsames Leben nach Wunsch.

Doch an Damiens sechsten Geburtstag ereignet sich Schreckliches: Vor den Augen der versammelten Partygäste begeht Damiens Kindermädchen Selbstmord. Wenig später sucht ein Priester den Botschafter auf und erklärt ihm, dass sein Sohn in Wahrheit der Antichrist sei. Natürlich glaubt ihm Thorn kein Wort und hält den Geistlichen für verrückt. Aber nachdem der Priester von einem herabfallenden Kirchenkreuz aufgespießt wurde und ein geistig vernünftig wirkender Fotograf die Geschichte des Toten durch das Aufzeigen makabrer Details auf seinen Fotos untermauern kann, beginnt Thorn Damien mit anderen Augen zu sehen.

Als seine schwangere Frau bei einem häuslichen "Unfall" ihr Baby verliert, verschafft sich der Botschafter Gewissheit, ob die Worte des Priesters die Wahrheit sprachen. Sollte es sich bei Damien tatsächlich um den Antichristen handeln, befände sich auf seiner Kopfhaut die Zahl 666 - gemäß der Bibel die "Zahl des Tieres", also des Antichristen. Zu seinem blanken Entsetzen findet Thorn auf Damiens Hinterkopf exakt jene Zahl...

Auch Richard Donners "Das Omen" war weltweiter Erfolg beschieden. Die nicht allzu subtile Geschichte verknüpfte auf clevere Weise zwei besonders unheimliche Motive: Zum einen das aus "Der Exorzist" bekannte "Satanskind", zum anderen die beklemmende Vorstellung, dass die düsteren biblischen Prophezeiungen der Wahrheit entsprechen könnten. Während in "Der Exorzist" die tatsächliche Besessenheit Regans Spekulation und somit offen bleibt, bestehen an Damiens teuflischer Herkunft keinerlei Zweifel.

Zwar sträubt sich Thorn in seiner Rolle als rational denkender und agierender Mensch gegen den anfangs lächerlich scheinenden "religiösen Aberglauben". Doch als des Priesters Worte allesamt in Erfüllung gehen bzw. sich beweisen lassen, muss auch Thorn der Wahrheit unverwandt ins Auge blicken: Man hat ihm dereinst den Antichristen untergeschoben, nachdem sein echter Sohn ermordet worden war. Denn Satan hat viele Helfer auf Erden...

Wie bei einem Puzzle passen die "Unfälle", Merkwürdigkeiten sowie die Prophezeiungen der Bibel zusammen. Die geschickte Mischung aus schockierenden Szenen - Pfählung eines Priesters ausgerechnet durch ein vom Kirchenturm hinabstürzendes Kreuz, die legendäre Enthauptungsszene - und gruseliger Atmosphäre machten "Das Omen" zum Kassenhit und Klassiker, ohne den die besten Horrorfilme der 1970er Jahre um einen Meilenstein ärmer wären. Wie in kaum einem anderen Genrestreifen trug die mit einem "Oscar" prämierte Filmmusik von Jerry Goldsmith ganz wesentlich zum Erfolg bei. "Damien"-Darsteller Harvey Stephens teilte Linda Blairs (Regan in "Der Exorzist") Schicksal und konnte aus dem Erfolg kein Kapital schlagen.

Drei Fortsetzungen zog "Das Omen" nach sich, die aber erwartungsgemäß von bescheidener Qualität waren und in keiner Weise an das Original heranreichen konnten. 2006 erschien ein finanziell erfolgreiches Remake, das sich sehr eng an Richard Donners Film anlehnte und lediglich geschichtliche Aktualisierungen wie den Zerfall des Ostblocks oder die Anschläge vom Elften September 2001 einflocht, ansonsten jedoch wie eine 1:1-Kopie der 1976er-Version wirkte. Obwohl John Moores Remake handwerklich und technisch tadellos sauber inszeniert war, vermochte es die ganz spezielle Atmosphäre von "Das Omen" nicht wiederholen zu können. Wenig verwunderlich: "Der Exorzist" und "Das Omen" konnten nur im nach Okkultismus verrückten Jahrzehnt der 1970er Jahre perfekt für die Leinwand adaptiert werden!

 

Amityville Horror

Amityville Horror Neben "Der Exorzist" und "Das Omen" war es vor allem der Horrorfilm "Amityville Horror", der die gruselsüchtigen Massen ins Kino zog.

Dabei bietet dieses 1979 von Stuart Rosenberg ("Brubaker") inszenierte Genrewerk auf den ersten Blick nichts Außergewöhnliches. "Amityville Horror" schildert die alptraumhaften Tage der ganz normalen amerikanischen Familie Lutz in ihrem neu bezogenen Haus, das einst Schauplatz einer blutigen Mordserie gewesen war. Nach einem Monat flüchten George (James Brolin) und Kathy Lutz (Margot Kidder) mitsamt ihren Kindern aus dem Spukhaus.

Weshalb der eher biedere Film dennoch zum Blockbuster avancierte, hatte einen ganz bestimmten Grund: Angeblich erzählte er die "wahre" Geschichte der Familie Lutz, die tatsächlich im kleinen Vorort Amityville ein ehemaliges Mordhaus bezogen hatte. Eine sensationelle Behauptung, die mittlerweile ihren festen Platz in den paranormalen Mythen eingenommen hat. Ungeachtet der Tatsache, dass der angebliche "Amityville Horror" längst als Schwindel entlarvt wurde (Lesetipp: "Amityville Horror: Echter Spuk oder Schwindel?").

Dem Publikum war es egal: Nicht weniger als 7 (!) Fortsetzungen zog der Kassenknüller nach sich. Paradoxerweise erwies sich das 2005 veröffentlichte, von Michael Bay ("Transformers") produzierte Remake "Amityville Horror – Eine wahre Geschichte" als dem Original in Spannung und Atmosphäre ebenbürtig.

Mit dem "Amityville Horror"-Film war jedoch der Zenit der Okkultismus-Welle überschritten und deutlich harmlosere Unterhaltung wie "Jäger des verlorenen Schatzes" oder "Das Imperium schlägt zurück" erwiesen sich hinkünftig als Kassenmagneten.

Tierhorror, oder: "Die Natur schlägt zurück!"

Der weiße Hai

Der weiße HaiSteven Spielbergs 1975 produzierter Blockbuster "Der weiße Hai" (Originaltitel: "Jaws) war natürlich bei weitem nicht der erste "Tierhorror"-Film. Aber er war der erste Genrestreifen, der eine durchaus berechtigte menschliche Angst aufgriff und in ein halbwegs realistisch wirkendes Szenario formte.

Die Handlung: Nachdem im Badeort Amity eine junge Frau offenbar Opfer eines tödlichen Haiangriffs geworden ist, möchte Polizeichef Martin Brody (Roy Scheider) die Strände schließen lassen. Doch sowohl die Stadtverwaltung, als auch die örtlichen Unternehmer verwehren sich gegen dieses Ansuchen, da sie völlig vom Tourismus abhängen.

Wider besseren Wissens und des Ratschlags vom hinzugezogenen Meeresbiologen Hooper (Richard Dreyfuss) bleiben die Strände für die Touristen geöffnet. Prompt folgt bereits bei der Eröffnung der Badesaison die Katastrophe: Ein Junge wird von einem Weißen Hai getötet.

Um zu retten was noch retten is,t heuert die Stadtverwaltung den rauen Haifänger Quint (Robert Shaw) an, jenes Tier zu erlegen, das für die Todesfälle verantwortlich ist. Gemeinsam mit dem eigentlich wasserscheuen Brody und dem Besserwisser Hooper bricht Quint zum Showdown mit dem ebenso riesigen, wie listigen Weißen Hai auf …

"Der weiße Hai" schrieb nicht nur auf Grund seines gigantischen Erfolges Kinogeschichte. Wohl kein anderer Film zuvor oder danach wirkte stärker auf die Psyche seiner Zuschauer ein und verstärkte eine bereits vorhandene Angst in irrationalem Maße. Plötzlich fürchteten sich Millionen Menschen vor Haiangriffen und argwöhnten den bislang unbeschwerten Meeresurlauben. Eine unbegründete Angst? Nicht ganz: Jedes Jahr ereignen sich Haiangriffe auf Schwimmer, Taucher oder Surfer, von denen manche sogar tödlich enden. Setzt man dies aber in Relation zu sonstigen Gefahren des Alltags oder der Freizeit wird deutlich, wie extrem gering die Gefahr ist, jemals von einem Hai attackiert zu werden.

Peter Benchley, der die literarische Vorlage lieferte, berief sich auf eine Serie tödlich endender Haiangriffe im Jahr 1916 vor der Küste New Jerseys. Allerdings wurden diese Angriffe von mehreren Tieren begangen, was in "Der weiße Hai" ins fiktive Szenario eines territorial veranlagten TIeres abgeändert wurde.

Im Film selbst ist der "große Weiße" nur wenige Male im Bild zu sehen. Meist wird die Spannung über bedrohliche Einstellungen oder gar bloße Erzählungen von Haiangriffen erzeugt. Geradezu legendär wurde Robert Shaws Schilderung massiver Haiangriffe auf die im Wasser treibenden Überlebenden des Kriegsschiffs USS Indianapolis, das am 30. Juli 1945 von einem japanischen U-Boot versenkt worden war. Auch wenn wohl die meisten der Opfer nicht von den Haien getötet worden waren, grub sich das Bild der hilflos im Wasser Treibenden, von Haien zerfetzten Matrosen tief ins populärkulturelle Bewusstsein ein.

Ungewöhnlich mutet an "Der weiße Hai" an, dass das Verhalten des mörderischen Tieres nicht direkt von Umweltverschmutzung oder durch anderes Einwirken des "sündhaften" Menschen hervorgerufen wurde. Kaum ein "TIerhorror"-Film vor oder nach "Der weiße Hai" verzichtete darauf, die grausamen Tierangriffe als Rache der Natur und somit zumindest teilweise gerechtfertigt hervorzustreichen. Als Beispiel seien die Ameisen aus "Formicula" (1954) genannt, die auf Grund atomarer Verseuchung zu gigantisch großen Bestien mutierten oder der vergnügliche Horrortrash "Arac Attack - Angriff der achtbeinigen Monster" (2002), der harmlose, kleine Spinnen dank einer versehentlich in einen Fluss geleiteten chemischen Giftbrühe zu imposanter Größe heranwachsen ließ.

Neben drei direkten Fortsetzungen war Steven Spielbergs "Der weiße Hai" Vorbild für eine ganze Armada oft dreister filmischer Kopien, die allesamt nicht annähernd an dessen Qualität heranreichten. Auch deshalb gehört dieser Meilenstein des Tierhorrors in jede Liste mit den besten Horrorfilmen der 1970er Jahre.

 

Mörderspinnen

MörderspinnenBedeutend höher erhob "Mörderspinnen" (auch bekannt unter dem Originaltitel: "Kingdom of the Spiders") den ökologischen Zeigefinger. Im 1977 gedrehten Tierhorrorfilm wird der Tierarzt Robert Hansen (William "Captain Kirk" Shatner) vom einem Farmer zu Hilfe gerufen, dessen bestes Kalb plötzlich erkrankte. Hansen kann das Tier nicht retten, sendet aber eine Blutprobe ans Labor der Universität. Wie sich herausstellen soll starb das Kalb an einer enormen Menge Spinnengift. Es soll nicht das einzige Opfer bleiben: Ein Hund und später sogar ein Stier werden ebenfalls von Spinnen getötet, deren Gift ungleich stärker geworden ist. Zudem leben die einzelgängerischen Krabbeltiere plötzlich in riesigen Verbänden.

Hansen findet den Grund für die Verhaltensänderungen heraus: Durch den übermäßigen Einsatz von Insektenvernichtungsmitteln wurden die Spinnen ihrer Nahrungsgrundlage beraubt und sind gezwungen auf weitaus größere Beute zurückzugreifen: Farm- und Haustiere, später auch Menschen...

Wie kaum ein anderer Film dieser Ära trägt "Möderspinnen" seine ökologische Botschaft reichlich dick auf. Trotzdem handelt es sich um einen spannenden Film, der freilich bei der Produktion selbst nicht gerade zimperlich mit den animalischen Darstellern umging. Rund fünftausend Spinnen wurden während der Dreharbeiten "verbraucht". Angesichts der Betonung, mit unserer Fauna und Flora etwas freundlicher umzugehen, eine diskussionswürdige Ambivalenz.

 

Slasherfilme, oder: "Wieso trägt der Typ 'ne Maske und hat eine Kettensäge?"

Blutgericht in Texas (auch bekannt als:The Texas Chain Saw Massacre)

The Texas Chainsaw Massacre - Blutgericht in Texas Mittlerweile bildet er das vielleicht beliebteste Subgenre des Horrorfilms: Der Slasherfilm! Zahlreiche Streifen handeln lediglich von der Flucht meist attraktiver junger Menschen vor mörderischen Wahnsinnigen, die abseits der Zivilisation ihren oftmals kannibalistischen Gelüsten nachgehen. Anders als etwa der Tierhorror oder gar okkultistische Horrorthriller erscheinen derartige Werke weitaus realistischer und deshalb beängstigender.

Zwar zählten und zählen Psychopathen wie Ed Gein (das Vorbild für "Psycho") zu einer glücklicherweise extrem seltenen Spezies Mensch. Doch was könnte mehr Unbehagen verursachen als die Furcht, einem derartigen Monster in Menschengestalt plötzlich gegenüberzustehen?

Der US-Regisseur Tobe Hooper fackelte nicht lange und schuf 1974 mit geringem Budget den wohl ersten richtigen Slasherfilm der Geschichte: "The Texas Chain Saw Massacre", das in Deutschland auch unter dem Titel "Blutgericht in Texas" angeboten wurde.

DIe wenig komplexe Handlung: Fünf junge Männer und Frauen verirren sich in Texas fernab der Zivilisation. Zufällig stoßen sie auf das Anwesen einer Familie, die sich als komplett wahnsinnige Sippe herausstellt. Einer von ihnen hat sich eine Maske aus Menschenhaut angefertigt und liebt es, seine Opfer mit der Kettensäge zu zerstückeln...

Ungewöhnlicherweise setzt "The Texas Chain Saw Massacre" weniger auf Splattereffekte (was angesichts des kaum vorhandenen Budgets auch keine gute Idee dargestellt hätte), als vielmehr auf Atmosphäre und den "Horror im Kopf", etwa, wenn ein noch lebendes Opfer nicht genüsslich vor der Kamera zerstückelt, sondern in eine Kammer gezerrt und hinter verschlossenen Türen getötet wird. Nun kann man darüber diskutieren, ob dieser Film unter die besten Horrorfilme der 1970er Jahre gehört. Doch der ausgeübte Einfluss, der noch Jahrzehnte später beispielsweise in der "Wrong Turn"-Serie erkennbar ist, macht Hoopers Klassiker zumindest zu einem der wichtigsten Horrorfilme dieses Jahrzehnts.

 

The Hills Have Eyes - Hügel der blutigen Augen

Hills Have Eyes - Hügel der blutigen Augen

1977 schlug die Stunde eines weiteren Genreklassikers. Dabei beginnt Wes Cravens Schocker harmlos. Eine Familie befindet sich mit ihrem Wohnmobil auf dem Weg ins sonnige Kalifornien, wo Urlaub gemacht werden soll. Eine Autopanne erweist sich als Verhägnis, denn während sich das männliche Familienoberhaupt zur nächsten Tankstelle aufmacht. Derweil werden die zurückgelassenen Familienmitglieder genauestens beobachtet...

Dieser Slasherfilm basiert auf der Legende rund um den schottischen Kannibalen Sawney Bean (Lesetipp: "Sawney Bean und seine Kannibalenfamilie: Wahrheit oder gruselige Legende?"), die allerdings ins moderne Texas verlagert wurde. Wes Cravens Meisterwerk zog nicht nur zwei Fortsetzungen, sondern auch Remakes der ersten beiden Teile nach sich.

Ähnlich dem "Texas Chain Saw Massacre" wird die Familie nicht als Hort der Sicherheit und des Schutzes, sondern als Brutstätte des Bösen geschildert. Eine gerade in den USA sehr verstörend wirkende Parabel, gilt doch die Familie nach wie vor als die wichtigste und schützenswerteste Institution. Umso beunruhigender wirkt deshalb die Schilderung einer mörderischen Sippe, die vor keiner Schandtat - Mord, Kannibalismus, Inzest, Vergewaltigung - zurückschreckt und keinerlei Tabus kennt. Das Triumvirat der einflussreichsten Slasherfilme wäre natürlich nicht vollständig ohne jenen Film, der geradezu als Synonym für das gesamte Genre steht.

 

Halloween – Die Nacht des Grauens

Halloween - Die Nacht des Grauens Mit nur wenigen hunderttausend Dollar schuf John Carpenter 1978 den Slasherfilm schlechthin: "Halloween"! Dabei ist auch dessen Handlung wenig komplex und ist rasch erzählt:

Nachdem er als Sechsjähriger am Halloween-Abend seine eigene Schwester ermordete, verbüßt der mittlerweile erwachsene Michael Myers (Nick Castle) seine Haftstrafe in einem Institut für geistig abnorme Rechtsbrecher. Jahrelang starrt er regungslos in der Gegend herum und spricht kein einziges Wort. Ausgerechnet am Vorabend zu Halloween gelingt dem inzwischen 21-Jährigen die Flucht.

Er kehrt zurück in seine Heimatstadt Haddonfield, vom Psychiater Dr. Loomis (Donald Pleasance) verfolgt, der vergebens die Stadtbewohner vor Myers Gefährlichkeit warnt. Mit seiner eigenen Halloween-Maske fällt der großgewachsene Psychopath nicht weiter auf. Mehrere Teenager fallen ihm zum Opfer und auch die tugendhafte Laurie (Jamie Lee Curtis) scheint seiner unerbittlichen Kaltblütigkeit nicht gewachsen zu sein. Doch als Beschützerin zweier ihr anvertrauter Kinder wächst sie über sich hinaus und nimmt den ungleichen Kampf auf...

Der gruseligste Tag des Jahres, Halloween, als Kulisse für einen Horrorfilm - kann man sich eine bessere Steilvorlage für einen zünftigen Slasher erhoffen? Auch wenn die Handlung banal ist und sich im Grunde nur um das hedonistische Treiben vergnügungssüchtiger Teenager treibt, die vom "Schwarzen Mann" entsprechend bestraft werden, während die brave und tugendhafte Laurie überlebt, fesselt das Konzept noch heute. Denn Michael Myers ist eine unaufhaltsame Killermaschine ohne irgendwelche Skrupel oder gar ein Leitmotiv seiner Handlungen. Weshalb er seine Schwester ermordete und später den Altersschnitt von Haddonfield drastisch erhöht, bleibt völlig unklar. Dr. Loomis - glänzend verkörpert von Donald Pleasance - nennt ihn unwissenschaftlich "einfach böse" und spricht ihm sogar die Zugehörigkeit zur menschlichen Spezies ab.

Kennt man "Halloween", so kennt man dutzende ähnlicher Slasherfilme, die sich der berühmten Vorlage bedienen. Nicht weniger als sieben Fortsetzungen zog der Horrorerfolg aus 1978 nach sich. Musiker und Regisseur Rob Zombie drehte 2007 ein finanziell höchst erfolgreiches Remake. Dabei verlagerte er den Fokus auf die Frage, wie Michael Myers zu dem uns bekannten Monster in Menschengestalt wurde. Ein schwerer Fehler, denn gerade die Mystifizierung des Killers in Carpenters Originalversion machte ihn umso unheimlicher. In Rob Zombies "Halloween" erfährt der Zuschauer, dass Meyers jun. Opfer von Misshandlungen wurde und sich dafür rächte. Das mag psychologisch plausibel sein, lässt jedoch den ganzen Mythos wirkungslos verpuffen. Handwerklich sauber, aber durch die unnötigen, ja, kontraproduktiven Erklärungen jeglicher Spannung beraubt. 

Es bleibt dabei: John Carpenters "Halloween" gehört selbstverständlich unter die besten Horrorfilme der 1970er Jahre und ist schlichtweg der ultimative Film zum Kürbisfest!

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Autor seit 6 Jahren
837 Seiten
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