Die Rotbuche (Fagus sylvatica)

Die Rotbuche ist der häufigste Laubbaum unserer deutschen Wälder.

Im Sommer sind ihre Blätter grün, im Herbst sind sie intensiv rot-gelb gefärbt. Dass man sie Rotbuche nennt, das liegt an ihrem rötlich gefärbten Holz. Als Weißbuche wird die Hainbuche bezeichnet, deren Holz weiß ist. Sie ist jedoch (ebenso wie die Hopfenbuche) keine echte Buche, sondern ein Birkengewächs.

Die Gattungsbezeichnung "Fagus" weist darauf hin, dass die Buche zu den Buchengewächsen gehört. Zu diesen zählen auch die Eiche und die Edelkastanie.

Der Begriff "Fagus" stammt ursprünglich aus dem Griechischen und bedeutet "Essen". Vermutlich bezieht er sich auf die früher weit verbreitete Eckernmast: Mit den Samen der Buche – den Bucheckern – wurden über Jahrhunderte vor allem Schweine, aber auch andere Nutztiere gemästet.

Typische Europäerin - und fast noch "deutscher" als die Eiche

Die Rotbuche – in Deutschland meist nur als Buche bezeichnet – ist vor allem in Mitteleuropa verbreitet. Die guten natürlichen Bedingungen machen die Buche besonders widerstandsfähig gegen Parasiten, Krankheiten und Wetter.

Buchen mögen es gerne kühl und feucht, aber zu nass sollte es nicht sein. Was Boden, Standort, Klima und Schädlinge betrifft, sind Rotbuchen sehr anpassungsfähig und vital. Je nach Umweltbedingungen – ob freistehend, im Gebirge oder im geschlossenen Wald - können Buchen ganz unterschiedliche Wuchsformen entwickeln.

Im Gebirge findet man zum Beispiel immer wieder Buchen, die mehr Strauch als Baum sind, also keinen Hauptstamm und eine üppige Astkrone entwickelt haben.

Wäre der Mensch nicht, würden Buchenwälder vermutlich noch immer weite Teile Europas bedecken. Doch durch Rodung und schließende Aufforstung mit schnell wachsenden Nadelbäumen wie der Fichte wurde die Buche in den letzten Jahrhunderten mehr und mehr verdrängt. Sie macht inzwischen nur noch knapp ein Viertel des Baumbestandes deutscher Wälder aus und wird auch nur selten über 180 Jahre alt.

Mit 200 bis 300 Jahren hat die Buche im Vergleich zu anderen Bäumen ohnehin eine eher geringe Lebenserwartung. Typisch für Rotbuchen ist, dass sie bis ins hohe Alter langsam weiterwachsen.

Wie kann man Rotbuchen erkennen und von anderen Bäumen unterscheiden?

Charakteristisch für die Buche ist ihre glatte silbergraue Borke. Die Buchenblätter sind eiförmig, haben einen gewellten Rand und kurze Stiele. Die Früchte der Buche sind hart und stachelig, in ihnen verbergen sich die Samen mit ihren drei kantigen Ecken: Die sogenannten Bucheckern, manchmal auch als Bucheln bezeichnet. 

Buchen können bis zu 40 m hoch werden und bis zu 1,5 m stark. Die Krone einer Buche kann einen Durchmesser von bis zu 15 m haben.

Rotbuchen wachsen oft zu imposanten Baumriesen heran. In einem Buchenwald wirken ihre mächtigen Stamme so beeindruckend, dass man auch von einem Hallenwald oder Buchenhallenwald spricht.

Harter Kern, aber weiche Schale

Die Buche wird als typischer Mondbaum bezeichnet, sie mag es eher kühl als sonnig. Buchen werfen selbst viel Schatten und können auch viel Schatten ertragen. Weil sie keine dicke, schützende Rindenschicht und nur flache Wurzeln haben, sind sie empfindlich gegen Sonnenlicht und können sogar Sonnenbrand bekommen. Das dichte Blätterdach dient der Rotbuche als Sonnenschutz.

Ihre dünne und glatte Rinde bietet wenig Unterschlupfmöglichkeit und Angriffsfläche für Insekten. Dafür produziert die Buche reichlich Laub, sorgt so für Humus und bietet vielen Kleinlebewesen Nahrung. Mit ihren Wurzeln lockert sie den Boden auf, durch ihren Schatten sorgt sie dafür, dass er nicht so schnell austrocknet und fruchtbar bleibt. So schafft die Buche nicht nur gute Lebensbedingungen für sich selbst, sondern auch für andere Arten.

Als Schattenbaum, der oft in geschlossenen Wäldern wächst, braucht die Buche etwa 30 bis 40 Jahre, bis sie zum ersten Mal blüht bzw. ihre Mannbarkeit (Blühbarkeit) erreicht.

Das Holz der Rotbuche ist hart, es wird vor allem als Brennholz, für Spielzeug, Treppen oder Möbel genutzt. Aus Buchenholz macht man auch Kochlöffel oder Bleistifte. Früher wurde das Holz der Rotbuche häufig für die Glasproduktion verwendet. Die dabei entstehende Buchenasche nutzte man anschließend als Lauge zum Saubermachen oder als Dünger auf den Feldern.

Eines der schönsten Bücher, das es über Bäume gibt

Nüsse, Öl und die "zartesten Frühlingsblätter", die es gibt

Die Samen der Rotbuche, die Bucheckern oder Bucheln, werden vor allem durch Eichhörnchen und Mäuse verbreitet. Da es große Mengen an Bucheckern nur in unregelmäßigen Abständen gibt – man spricht dann von Mastjahren oder Samenjahren – kann sich keine Tierart auf die Bucheckern spezialisieren.

Früher wurden die Bucheckern nicht nur zur Eckernmast genutzt, sondern auch als Nahrungsmittel in Notzeiten. Bucheckern geben außerdem ein gutes Speiseöl.

Dass man Bucheckern in der Küche vielseitig einsetzen kann, beschreibt der NABU (Naturschutzbund):

Bucheckern - nussig und nahrhaft

Als Salat, Pesto, im Brot, Kuchen oder in Keksen schmecken Bucheckern gut. Wer Lust hat, ein Bucheckernbrot zu backen, der findet hier ein Rezept:

Bucheckern - vielseitiger Genuss aus heimischen Wäldern

Besonders delikat sollen im Frühjahr auch die zarten Buchenblätter schmecken, man kann einen Salat oder Gemüse aus ihnen zubereiten.

Auch frisch ausgetriebene Buchenblätter auf dem Butterbrot galten früher als Delikatesse.

Susanne Fischer-Rizzi beschreibt es in ihrem Buch "Blätter von Bäumen" (siehe oben) besonders schön:

"Es gibt keine zarteren Frühlingsblätter als die der Buche. Sie sind mit seidigen, glänzenden Wimpern bedeckt und scheinen in der Sonne so hellgrün, als wären sie aus venezianischem Glas."

Nach altem Rezept lässt sich aus Buchenblättern auch ein Buchenlikör machen. 

Die Buche: Sie tröstet uns, spendet Rat und Mitgefühl

Obwohl die Buche sich besonders gut gegen Konkurrenten behaupten kann, bleibt im Buchenwald doch auch Platz für andere Baumarten.

Die Buche gilt als weise Frau, als "Mutter des Waldes".

Tatsächlich soll sie ausgesprochen sozial eingestellt sein. Es kommt vor, dass Buchen regelrechte Freundschaften mit anderen Bäumen schließen, Nährstoffe austauschen und Hilfe in Notzeiten bieten. Baumstümpfe gefällter Buchen können sogar von einem anderen Baum versorgt werden, der seinerseits nicht von dieser Partnerschaft profitiert. Wird ein Baum gefällt, kann es auch passieren, der der eigentliche gesunde Partnerbaum mit ihm stirbt.

Im Buchenwald herrscht ein besonderer Zusammenhalt, eine angenehme Temperatur und Atmosphäre. Typisch sind Bäume verschiedener Altersgruppen und Höhen (Stockwerke).

Selbst bei Stürmen verhalten sich die Bäume einander gegenüber solidarisch, stützen sich durch Pendelbewegungen gegenseitig ab.

Doch nicht nur unter ihresgleichen kann die Rotbuche viel Gutes bewirken: In "Mythologie, Bedeutung und Wesen unserer Bäume" beschreibt Elmar Woelm, wie auch wir Menschen von der fürsorglichen Ausstrahlung der Waldmutter Buche profitieren können.

Die Rotbuche bietet uns Trost, Rat, Ruhe und Mitgefühl. In Krisenzeiten tut es gut, sich an ihren Stamm zu lehnen, den Stamm zu umarmen oder sich zu Füßen einer Rotbuche zu setzen.

Für eine Kommunikation mit uns Menschen sei die Buche jederzeit offen. Und etwas kann sie besonders gut: Zuhören

Peter Wohlleben weiß viel Spannendes über die Buche zu erzählen:
Das geheime Leben der Bäume

Die Buche als Bachblütenessenz: Beech

Dr. Edward Bach hat die Rotbuche ebenfalls in sein Blütenrepertoire integriert. Hier ist sie meist unter dem englischen Begriff Beech bekannt.

Als Bachblütenessenz sorgt sie für Kühle und Klarheit, erfrischt und macht den Kopf frei. Vor allem für Menschen, die viel lesen oder sehr verstandesbetont arbeiten, ist die Buche gut geeignet. Sie stabilisiert die Zusammenarbeit von Herz und Kopf, verleiht mehr Bodenkontakt.

Hilfreich sein soll die Blütenessenz auch bei Migräne und Kopfschmerzen, Augenflimmern und Halsbeschwerden.

Kritischen Menschen hilft Beech dabei, wieder toleranter und nachsichtiger zu sein – auch mit sich selbst.

Das Bild einer Buche passt gut in Büroräume, soll die Teamfähigkeit fördern.

Vom Buchstaben ...

Auch das Wort Buchstabe hat mit der Rotbuche zu tun. Mit Runen beschriebene Buchenstäbe wurden früher als Orakel verwendet.

Bei den Kelten galt die Buche als Wunschbaum und man erzählte sich, dass Feen in den Zweigen der Buche Wünsche sammeln und sie anschließend ihrer Königin bringen würden.

Auch von den Griechen und Römern wurde die Rotbuche als heiliger Baum verehrt.

... bis zum Buchfink

Auch der Buchfink - manchmal als Buchenfink oder Edelfink bezeichnet - soll seinen Namen der Buche bzw. seiner Vorliebe für Bucheckern verdanken.

Die Familie der Buchen

Neben der Rotbuche kann man in Deutschland gelegentlich auch die Orientbuche (Fagus orientalis) antreffen. Ebenso wie die Hänge-Buche (Fagus sylvatica f. pendula) oder die Blutbuche (Fagus sylvatica f. Purpurea), die Zierformen der Rotbuche sind. Beide wachsen vor allem in Parks und Gartenanlagen.

Eine Besonderheit sind die Süntelbuchen mit ihren verdrehten Ästen und drehwüchsigen Stämmen.

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