Die Burgruine Rauenstein

Die ersten Anzeichen der Burg erblickt man bereits von weitem. Zwei riesige Mauerfragmente des Bergfrieds überragen die Baumwipfel und erinnern ein wenig an die Reste eines schlechten Gebisses. Dorthin zu gelangen ist allerdings nicht ganz einfach. Vom Neuen Schloss aus führt ein steiler Anstieg nahezu sofort in dichten, gebirgigen Wald. Immer dann, wenn der Ortsfremde meint, er sei nun völlig allein zwischen unendlich vielen Bäumen, tauchen plötzlich Zeichen von Zivilisation auf: Bänke, ein Grillplatz, ein Fischzuchtteich, ja, sogar Häuser, von welchen mehr oder weniger befestigte Wege zur nächsten Straße führen. Einer der Waldwege führt zunächst zu einem Metallrohrgeländer. Plötzlich scheinen die zwischenzeitlich aus dem Gesichtskreis verschwundenen Mauerstücke ganz nah zu sein. Doch das täuscht. Nur ein schmaler, steiniger Pfad schlängelt sich am Geländer vorbei. Der aufmerksame Wanderer bemerkt nun, dass er sich bereits inmitten des Burgareals befindet. Steinerne Fragmente im Boden, schließlich sogar Mauerreste tauchen auf. Nach weiteren unebenen Metern trübt sich das wildromantische Panorama jedoch schnell wieder. Zunächst erscheint ein banaler Geräteschuppen, ehe sich der Trampelpfad schließlich sogar zu einer kleinen Lichtung erweitert, auf der eine moderne Holzhütte samt überdachten Sitzgelegenheiten steht! Von hier aus blickt man auf ein zum Greifen nahes Kirchendach und stellt fest: Trotz des langen Weges durch den Wald liegt die Burgruine Rauenstein beinahe vis a vis des Neuen Schlosses – nur eben etliche Meter oberhalb des Ortes.

 Ein Blick in die entgegengesetzte Richtung jedoch lässt die modernen Bauten des Areals vergessen und richtet die Aufmerksamkeit wieder auf die markanten Turmreste. Wer jene erreichen will, muss allerdings noch ein wenig höher klettern – "gehen" wäre angesichts der nichtungefährlichen Aufstiegsmöglichkeiten ein unpassendes Wort….

Am Ende der Kraxelei steht man schließlich vor den beiden riesigen, "steinernen" Zähnen, staunt über ihre Höhe und bemerkt noch etwas: Jene beindruckenden Zeugnisse der Vergangenheit stehen nur noch, weil ihnen moderne Baustoffe dabei helfen. Dieser Umstand wiederum hat gute Gründe:

Die Geschichte von Burg Rauenstein

Drei Faktoren sorgten dafür, dass in Rauenstein heute keines der unzähligen Burgmuseen Deutschlands zu finden ist, sondern dass eben "nur" eine wildromantische Ruine Wald und Ortschaft überragt: Ein Krieg, ein Neubau und schließlich Desinteresse.

Wie bei vielen Burgen, die heute nur noch Ruinen sind, lässt sich das Jahr der Erbauung nicht genau ermitteln. Eine erste urkundliche Erwähnung datiert jedoch auf das Jahr 1349. Bereits dieses Dokument offenbart ein kompliziertes Geflecht an Eigentums-, Anspruchs- und Lehensrechten. Faktisch jedoch residierten in der Festung rund 300 Jahre lang die Herren aus dem Geschlecht der Schaumberger.

Von den Wirren des 30jährigen Krieges blieb auch Burg Rauenstein nicht verschont. In den 1630er Jahren verließen die Schaumberger die Burg, welche zu dieser Zeit mehrfach Opfer marodierender Söldner wurde. Trotz erheblicher Beschädigungen blieb das Bauwerk anschließend noch ungefähr ein halbes Jahrhundert lang bewohnt. Ein missglückter Verkauf der weiterhin mit schwierigen Eigentumsverhältnissen behafteten Burg führte Ende des 17. Jahrhunderts schließlich zum Bau des Neuen Schlosses in unmittelbarer Nähe. Das alte Gemäuer stand nun völlig leer und verfiel. Erst rund 200 Jahre später, im Jahr 1892, begannen bis 1954 anhaltende, gelegentliche "Verschönerungsarbeiten". Diese gut gemeinten Eingriffe in die marode Bausubstanz erwiesen sich als eher kontraproduktiv.

Mittlerweile gehörte Thüringen zum kommunistischen Machtbereich. Die roten Herrscher, denen feudale Hinterlassenschaften von Natur aus suspekt waren, legten die dringend notwendige Sanierung des Gemäuers 1967 schließlich auf Eis. Vermutlich gab es im Bausektor andere Prioritäten – beispielsweise der nahe gelegene, innerdeutsche Todesstreifen…

Doch auch, als die DDR (unter Hinterlassung neuzeitlicher Ruinen) untergegangen war, schien der Fortbestand der Rauensteiner Burggemäuer keineswegs gesichert. Ein erster Sanierungsversuch der inzwischen stark verwitterten und einsturzgefährdeten Turmreste scheiterte im Jahr 2000. Schlimmer noch: Die zur Notsicherung eingesetzten Folien und Schaumstoffplatten sahen nicht nur hässlich aus. Eigentlich für den kurzfristigen Wetterschutz gedacht, schädigten sie die Bausubstanz durch ihren jahrelangen Verbleib zusätzlich. Es drohte die notwendige Sprengung des historischen Wahrzeichens.

Ein eigens gegründeter Verein, die Kommunalbehörde sowie der Denkmalschutz Thüringens schafften es schließlich, der Gemeinde die Eigentumsrechte zu sichern. Nun stand der Sanierung des alten Burggeländes nichts mehr im Wege. Begonnen wurde 2006 mit den markanten Turmresten. Sie wurden zwar etwas eingekürzt, konnten aber durch eine Spritzbetonbehandlung und andere Maßnahmen stabilisiert werden. Seitdem sorgen fleißige und engagierte Menschen dafür, dass dieses historische Areal auch weiterhin für Wanderer und Touristen zugänglich bleibt.

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