Willkommen bei den Croods!

Irgendwann in der Steinzeit, gleich hinter der dritten Höhle von links: Die Croods leben ein urzeitliches Leben voller Angst. Kein Wunder, wurden ihre Nachbarn doch entweder von Mammuts zertrampelt, von Ungeheuern gefressen oder von Krankheiten niedergestreckt. Familienoberhaupt Grug besteht deshalb auf der eisernen Regel, dass sich kein Familienmitglied bei Anbrechen der Abenddämmerung mehr draußen befinden darf. Ebenso wenig sind Innovationsgeist oder Neugierde erlaubt. Stumpfsinnig verbringen Vater, Mutter, deren drei Kinder sowie die halb debile Großmutter die Tage mit den ewig gleichen Spielchen und die Nächte in der viel zu engen Einfamilienhöhle ohne WLAN.

Töchterchen Eep, immer aufsässig, verstößt gegen eine der ehernen Regeln und schleicht sich nachts nach draußen, als sie sonderbares Licht sieht. Wie sich herausstellt, steckt hinter dem mysteriösen Licht eine Fackel vom jungen Guy, der davon überzeugt ist, dass die Welt bald untergehen werde. Anfangs hält ihn Eep für einen Spinner.

Doch als die Höhle der Croods zusammenstürzt und die Familie gezwungen ist sich in die gefahrvolle Welt abseits des Bekannten zu begeben, erkennen sie mit der Zeit, dass der schwächliche Guy ein schlaues Bürschchen ist. Sehr zum Missfallen Grugs, der nicht nur seine Rolle als Familienoberhaupt in Gefahr sieht, sondern auch noch alle Hände und Keulen damit zu tun hat, die aufkeimende Romanze zwischen Eep und Guy zu unterbinden.

In den Fußstapfen der Feuersteins: Die Croods

Die gute Nachricht zum neuesten DreamWorks-Animationsfilm "Die Croods" lautet: Der Streifen unterhält rund anderthalb Stunden auf schmerzfreiem Niveau, bietet ein paar gute visuelle Gags und fürs 3D-Kino aufgemotzte Action.

Und hier die schlechte Nachricht: Mehr wird dem Zuschauer nicht geboten.

Kreativ hinkt DreamWorks Animations-Primus Pixar traditionell nach und "Die Croods" bildet hiervon keine Ausnahme. Bereits die Story ist von hinreißender Belanglosigkeit: Steinzeit-Clan fürchtet sich – nicht ganz zu Unrecht – vor der gefahrvollen Welt. Das rebellische Töchterlein entdeckt indes, dass das Leben, um Bill und Ted zu zitieren, "bunt und granatenstark" ist. Ihr Lektor: Ein beliebig hingeklotzter Schönling mit riesigen Augen und gerade angesagter Haarmatte. Was folgt ist so klar, wie das Aussterben der Mammuts: Der "Eindringling" wird argwöhnisch gemustert, doch als sich seine Klugheit und Freundlichkeit erweist, liegen ihm die Croods zu Füßen. Papa Crood ausgenommen, der seine Beschützerrolle (und wohl auch die Jungfräulichkeit seiner Tochter) in Gefahr sieht.

Doch selbst der Clash der Zivilisationen – hier die steinzeitliche Sippe, dort der kultivierte junge Mann – bleibt weitgehend aus und erschöpft sich in witzlosen Wiederholungen der ständig gleichen Ausgangslage: Papa Crood ist ein Hohlkopf, der an einfachsten Aufgaben scheitert, welche der kluge Guy hingegen mühelos meistert und hierfür die Bewunderung des Clans erntet. In dieser Hinsicht ähneln die Croods tatsächlich der (noch) berühmteren Steinzeitfamilie Feuerstein, deren einziger running gag darin bestand, die Gegenwart auf steinzeitliche Weise zu interpretieren.

Vorbild "Ice Age"?

Ähnlich einem der ersten ganz großen Animationsfilme "Ice Age" bildet die Verschiebung der tektonischen Platten den dramaturgischen Hintergrund und bringt die Handlung erst so richtig ins Rollen. Mit einem einzigartigen Sidekick wie Scrat, einem interessanten "Bösewicht" wie Diego oder wenigstens einem herrlich dümmlichen Charakter wie Sid kann "Die Croods" aber nicht aufwarten. Die anfangs auf Eep fokussierte Geschichte verlagert den Schwerpunkt später auf den Konflikt zwischen dem langweiligen Super-Teen Guy und Hohlbirne Grug und vernachlässigt die anderen Figuren, die lediglich als Stichwortgeber dienen – eine wiederum zufälligerweise an Sids Oma aus dem vierten "Ice Age"-Teil erinnernde, nervige Alte inklusive.

Richtige Bösewichte existieren nicht. Zwar werden die Croods mitunter von einer Art Säbelzahntiger gejagt und ein Schwarm fleischfressender Vögel sorgt an manchen Stellen für latente Bedrohung. Im Wesentlichen besteht der zentrale Konflikt jedoch zwischen dem traditionellen Familienoberhaupt Grug und dem flippigen Teenie Guy, was naturgemäß für null Spannung sorgt.

Mainstream pur: "Die Croods"

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass DreamWorks auf Nummer sicher gegangen ist und jegliches Risiko scheute. Angefangen von der Ausgangslage einer in die Steinzeit transferierten, typischen Familie mit drei Kindern, über die völlig harmlose Plotentwicklung ohne Bedrohungsszenarien bis hin zu den nicht erwähnenswerten Gags, trieft dem Animationsfilm "Croods" ideenarmes Schielen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner (3D-Effekte, putzige Tierchen, fesche Teenies, laute Oma, viel Action) aus jeder Pore. Nur am Schluss keimt die Hoffnung auf, DreamWorks könnte der Story eine unerwartet düstere Wendung geben. Doch zielsicher wird auch die letzte Chance, aus "Die Crood" etwas anderes als einen in jeglicher Hinsicht banalen Animationsfilm zu machen vergeben.

Schade eigentlich, denn aus der Geschichte hätte sich ein rotzfrecher, gegen den Mainstreamstrich gebügelter Film ergeben können. Spuren davon finden sich in einigen skurrilen, gelungenen visuellen Gags, wie einem Landwal oder einem Schwarm fleischfressender Vögel, die nach Anbruch der Dämmerung (Stichwort:  Das SF-Genre-Juwel "Pitch Black") über alles herfallen, das sich nicht in Sicherheit gebracht hat.

Diese psychedelischen, originellen Einfälle wirken aber eher wie ein Nebenprodukt, das nicht rasch genug von der Mainstreamfeile weggeschliffen werden konnte, sodass die "Croods" letzten Endes ein enttäuschend banaler Ausflug in eine potenziell schillernde Welt darstellen. Der Erfolg gibt DreamWorks aber natürlich Recht und vielleicht vermag die wohl unvermeidliche Fortsetzung mehr zu überzeugen als Teil 1, wie dies beim "Madagascar"-Franchise der Fall war.

Originaltitel: The Croods

Regie: Kirk DeMicco, Chris Sanders

Produktionsland und -jahr: USA, 2013

Filmlänge: ca. 98 Minuten

Verleih: 20th Century Fox Home Entertainment

Deutscher Kinostart: 21.3.2013

FSK: Freigegeben ab 6 Jahren

Autor seit 6 Jahren
836 Seiten
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