Am 12. Oktober 1492 betrat Christoph Columbus eine kleine Insel der Neuen Welt und traf dort auf "Indianer". Er hatte sie deshalb so genannt, weil er glaubte, nach Überquerung des Ozeans Indien entdeckt zu haben. Die Eingeborenen empfingen die Ankömmlinge mit Ehrfurcht. Neugierig betasteten sie deren weiße Haut und verglichen sie mit dem Kupferton der eigenen. Auch die Waffen, Helme und Eisenpanzer weckten ihr Interesse. Sie selbst verfügten nur über hölzerne Bögen und Steinäxte. Als eins der drei Schiffe des Columbus einen Kanonenschuss abfeuerte, warfen sie sich anbetend zu Boden. Menschen, die den Donner beherrschten, mussten Götter sein und somit unbesiegbar. Die Weißen beschenkten die Indianer mit Stoffen und bunten Glasperlen.

So vergingen Jahre. Am 6. September 1620 verließ ein kleines unbedeutendes Segelschiff mit 78 Männern und 24 Frauen an Bord den Hafen der südenglischen Stadt Plymouth. Der Name des Schiffes war "Mayflower", und die Passagiere gottesfürchtige Puritaner. Bereits 13 Jahre zuvor brachten drei englische Segler die ersten weißen Siedler nach Virginia. Sir Walter Raleigh hatte dem Land zu Ehren der jungfräulichen Königin Elizabeth I. diesen Namen gegeben. Weiter nördlich, im heutigen Kanada, gründete der Franzose Samuel Champlain 1608 die Stadt Quebec. Ein wildes, schwer zugängliches Land blieb für ihn zu entdecken. Er verbündete sich mit dem Stamm der Huronen, um gegen die kriegerischen Irokesen ins Feld zu ziehen. Seine französischen Landsleute waren jedoch bei weitem nicht so auswanderungsfreudig wie die Engländer. Fünfzig Jahre nach der Gründung Quebecs lebten erst 800 Menschen in der Stadt und 2000 in ganz Kanada.

Die Welt der Indianer war dem Untergang geweiht (Bild: Edward Sheriff Curtis / Museum of Photographic Arts Collections)

Für die Einwanderer war die Neue Welt eine Quelle unendlicher Reichtümer

1626 erlebte der holländische Seemann Pieter Minuit eine Sternstunde. Für 24 Dollar kaufte er von den Indianern ganz Manhattan und gründete auf der Insel Neu Amsterdam. Er umgab die Stadt mit einem schützenden Holzwall, an den noch heute die berühmte "Wall Street" in New York erinnert. 13 Neuengland-Staaten wurden von den Siedlern nach und nach an der amerikanischen Ostküste gegründet. Immer mehr Weiße folgten. An der Küste entstanden Handelskontore. Für die Engländer, Franzosen, Spanier und Holländer war die Neue Welt eine Quelle unendlicher Reichtümer. Hier gab es Holz, Gewürze und Pelze im Überfluss. Und natürlich Gold!

Neue Staaten schossen wie Pilze aus dem Boden: Louisiana, Florida, Texas, Oregon, Kalifornien, Nevada, Utah und Arizona. Aus aller Herren Länder wanderten euroräische Siedler ein und ließen die Bevölkerung bald von 3 auf 25 Millionen anwachsen. Die Städte an der Ostküste drohten zu explodieren, Arbeitsplätze und Lebensraum wurden knapp. So brachen zahlreiche Wagentrecks nach Westen auf, bis die Pioniere endlich ihr Gelobtes Land in den fruchtbaren Gebirgstälern und weiten Prärien gefunden hatten.

Die US-Armee bezeichnete ihr Vorgehen als Verteidigungskrieg

Schritt für Schritt mussten die Indianer zurückweichen. Und wenn sie es nicht freiwillig taten, wurden sie dazu gezwungen. In einem langen blutigen Kampf vertrieben die Weißen die roten Krieger aus den Wäldern und Wüsten Nordamerikas. Göttliche Wesen waren die Eindringlinge nun nicht mehr und der Hass auf die Fremden wuchs, Nur vierhundert Jahre, nachdem Columbus zum ersten Mal seinen Fuß auf die "Neue Welt" gesetzt hatte, kam das Volkszählungsbüro der USA zu dem Ergebnis, dass die bis dahin in diesem Erdteil lebenden Ureinwohner von geschätzten 125 Millionen um etwa 90% reduziert worden waren. Die US-Armee bezeichnete ihr Vorgehen als Verteidigungskrieg. Für die Indianer war es kalkulierter Völkermord.

BerndT, am 06.11.2011
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Bildquelle:
Brigitte Werner (Cowboy - Der härteste Beruf im Wilden Westen)
State Library of Queensland (Goldrausch im Wilden Westen)

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