Der Untersuchungskeller

Unter den zahlreichen sächsischen Orten, an denen Kommunisten folterten, mordeten und Seelen zerstörten, gibt es einige wenige, die keiner staatlichen oder zivilen Nachnutzung ausgesetzt waren. Sie blieben daher weitgehend authentisch erhalten. Dazu gehört auch die Haftanstalt in der Bautzener Straße in Dresden. Das grauenvolle Ergebnis linker Politik kann hier recht anschaulich besichtigt werden: 1945 hielt die sowjetische Besatzungsmacht Einzug auf dem bis dahin als Heidehof bekannten Gelände. Fortan befand sich hier der Eingang zur Hölle. Ein langer, sehr schmaler und sehr dunkler Gang führte in die Unterwelt. Die Ansammlung der dortigen Verließe hieß offiziell "Untersuchungskeller". Bekannter war der traurige Ort unter dem Begriff "Fuchsbau". Stalins Geheimpolizei pferchte hier ein, wen immer sie bei ihren willkürlichen Verhaftungsstreifzügen zu fassen bekam.

Linke Ideologie in Bildern

Blick in den so genannten Fuchsbau

Kellerzelle für mehrere Häftlinge

Hunger, mangelnde Hygiene und Folter zu überleben, bedeutete aber zunächst nur einen Aufschub. Die berüchtigten Schnellverfahren des NKDW endeten nicht selten mit einer Hinrichtung. Die langsame Art der Todesstrafe hingegen bestand aus Zwangsarbeit im sowjetischen GULAG-System oder in den Speziallagern auf deutschem Boden. Warum Stalins Schergen trotzdem bis heute "Befreier" genannt werden, muss man als vernünftig denkender Mensch nicht verstehen…

Die Geschichte der Stasi-Haftanstalt in der Bautzener Straße

1952, im dritten Jahr ihres Bestehens, war die DDR immer noch nicht in der Lage, allen Bürgern ausreichend Nahrung und Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Dennoch leistete sich der selbst ernannte Arbeiter- und Bauernstaat auf dem Gelände an der Bautzener Straße eine riesige Betonburg (inklusive Schutzmauer) für die Staatssicherheit. Nach zwei Jahren war der Bau vollendet. Deutsche Kommunisten setzten nun fort, was ihre sowjetischen Lehrmeister begonnen hatten. Der Komplex erfuhr eine doppelte Nutzung. Ein Teil der Anlage diente als Verwaltungssitz der Stasi im Bezirk Dresden. Das waren die Räume mit den richtigen Fenstern und den auch von innen zu öffnenden Türen.

Das eigentliche Hafthaus hingegen bestand vornehmlich aus lichtlosen, schalldichten Zellen – vielleicht hatten die davor befindlichen Schergen ja einen arbeitsrechtlichen Anspruch auf lärmgeminderte Arbeitsplätze…

Das Treppenhaus zwischen den Zellen wies neben vielen Gittern auch eine Ampelanlage auf, wie sie in anderen Stasi-Haftanstalten ebenfalls üblich war: Sie stellte sicher, dass sich Opfer auf dem Weg zum Verhör niemals begegneten. Zwischen 12000 und 15000 Häftlinge durchlitten diesen schaurigen Ort. Mit ausgeklügelten Methoden rückte ihnen die Stasi zu Leibe. Bei manchen genügte nackte Gewalt, andere sollten durch Entwürdigung, Psychoterror oder gegenseitige Bespitzelung gebrochen werden. Man nennt diese Opfer linker Politik heute Regimekritiker, Dissidenten, politische Häftlinge oder DDR-Flüchtlinge. Vor allem aber waren es Menschen.

Vom Aktenlager zur Gedenkstätte

Es scheint ein weltweites Phänomen zu sein: Geheimdienste wähnen sich offenbar in ihren eigenen Niederlassungen in Sicherheit. Die Stasi unterlag selbst nach dem Wendeherbst noch diesem Irrtum. Im Dezember 1989 besetzten Bürgerrechtler kurzerhand den Gebäudekomplex an der Bautzener Straße. Sie stoppten damit die bereits begonnene Vernichtung der Stasi-Unterlagen. Die sichergestellten Akten wurden kurzerhand in den mittlerweile leeren Gefängniszellen eingelagert…

Heute ist das Gelände eine Gedenkstätte. Die letztendlich zwecklose Mauer um den Komplex existiert nicht mehr. Lediglich ein kurzes Stück wurde zu Erinnerungszwecken nachgebaut. Zeitzeugen führen durch die heute öffentlich zugänglichen Gebäude, erklären Details und berichten ihre Erlebnisse. Einer von ihnen ist Michael Schlosser. Er versuchte einst, die DDR mit einem selbst gebastelten Flugzeug zu verlassen. Der Probeflug gelang unbemerkt. Doch trotz aller Vorsichtsmaßnahmen wurde Michael Schlosser das Opfer von Verrat. "Kollegen" hatten ihn ausspioniert. In der so genannten "Garage" des Untersuchungsgefängnisses ist heute ein Nachbau des Flugzeugs zu besichtigen. Inmitten der Betonwände und Gitter symbolisiert es, dass der Freiheitswille über die menschenverachtende, linke Politik gesiegt hat.

Autor seit 7 Jahren
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