Gurken (Bild: krzys16 / Pixabay)

Gurken: Botanik und Namenssuche

Die Gurke (Cucumis sativus) gehört in die Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae). Weitere Verwandte in dieser Familie sind Kürbis, Melone, Zucchino.

Die botanische Bezeichnung: Cucumis sativus setzt sich aus lat. Cucumis=Gurke, Melone und lat. sativus=gesät zusammen. Daraus erkennt man leicht, dass es sich um die kultivierte Form einer ehemaligen Wildpflanze handelt.

Die deutsche Bezeichnung Gurke, (der Wortstamm liegt im gr. aguros =grün als Bezeichnung für eine unreife Frucht) kommt neben den guten Einlegerezepten aus dem Slawischen agurka, polnisch: ogurek.

Früher war auch noch die Bezeichnung Kukumer, fr.= concombre, engl= Cucumber geläufig.

Lesetipp: Kürbis

 

weibliche Blüte mit Frucht (Bild: hansbenn / Pixabay)

Die Gurkenpflanze ist rankend bis niederliegend, der Stiel ist borstig, die Blätter gelappt und borstig. Die Pflanzen werden je nach Sorte bis 50 cm hoch, über 2 m Ausbreitung durch die Ranken möglich.

Gurken haben von Natur her getrennt geschlechtliche Blüten, meist gelb blühend, wachsen sowohl männliche und weibliche Blüten auf der gleichen Pflanze. Ackermanns ill. Culinariumi

Die Blüten erscheinen von Juni bis August. Nur die weibl. Blüte macht die Frucht, leicht erkennbar am unterständigen Fruchtknoten. Der kurze Griffel geht in drei Narben über. Die sogenannte Trichterblume ist 5spaltig glockig, goldgelb und sitzt einzeln in den Achseln der Laubblätter. Die männl. Blüten mit den Staubblättern stehen in kleinen Gruppen zusammen. Die Bestäubung erfolgt durch Honigbienen und Grabwespen.

*Moderne Gurkensorten sind "jungfernfrüchtig" und rein weiblich, das erhöht ihren Ertrag. Dafür können sie deren Samen nicht zur Weiterzucht verwenden!

Die Gurke selbst ist als Frucht eine Beere mit verhärtender grüner Schale (sogenannte Panzerbeere) und weißlichem Fleisch.

Lesetipp: Was essen wir eigentlich?

 

Die schlaue Ranke

Ranken sind berührungsempfindlich und reagieren auf einen Berührungsreiz mit Krümmungs- und Wickelbewegungen. Sobald eine Gurkenranke eine Stütze berührt, beginnt sie sich zu krümmen. Den Reiz beantworten die darauf ausgerichteten Zellen mit Umschlingen der Stützen . Anschließend zieht sich die Ranke korkenzieherartig zusammen. Hält bombenfest. Gelernt ist eben (Herkunft subtropische Wälder mit hohen Bäumen) gelernt.

Ranke

Nimmt man die Herkunft der Gurke und ihrer Verwandten, so erkennt man wie clever Mutter Natur hier wiederum eine ökologische Lücke geschlossen hat. In tropischen Regenwäldern muss man als kleine Pflanze gegen Baumriesen um jeden Lichtstrahl kämpfen. Was also ist hierfür besser geeignet als sich rankend, sich um Bäume schlingend, nach oben zu wachsen? Durch das schnelle Wachstum ist man rasch an der Lichtquelle angelangt, das Wasser speichert man in der eigenen Frucht.

 

Wer wählt das Gemüse des Jahres aus?

Das Gemüse des Jahres wird in Deutschland seit 1999 jährlich durch den *Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) ausgerufen, um auf den Rückgang dieser Kulturpflanzen aufmerksam zu machen. Der VEN ist bestrebt, die Vielfalt der Kulturpflanzen zu erhalten. (Quelle Wikipedia)

Stichwort: Saatenvielfalt, Saatenmonopol

*Der Verein wurde 1986 vor dem Hintergrund des weltweiten Verlustes von Kulturpflanzensorten gegründet, um samenfeste Sorten von Nutzpflanzen, insbesondere von Gemüse zu erhalten. Im Gegensatz zu heute verbreiteten F1-Hybriden bleiben die Eigenschaften samenfester Sorten auch in den weiteren Generationen erhalten. Damit können sie von jedem dauerhaft kultiviert und vermehrt werden. Der Verein ist der Auffassung, dass Saatgut ein Kulturgut ist. Er tritt damit der zunehmenden Monopolisierung von Saatgut in der Hand weniger Konzerne entgegen.

Link: Nutzpflanzenvielfalt.de

Himalaya

Wo stammen die Gurken her?

Die Wildform, Urform der Gurke wächst in den subtropischen Tälern des Himalaya. Die Wildsorten sind ähnlich wie beim Kürbis, sehr bitter. Diese Bitterstoffe wurden in den Jahren der Kultivierung den heutigen Pflanzen weggezüchtet.

Die Wildform ist wahrscheinlich Cucumis hardwickii; der Bitterstoff Elaterimid soll gegen Tierfraß schützen. Die Wildformen werden durch Vögel endochor (über den Darm) verbreitet. Im Oman fressen Rinder Gurken. (Zoochorie)

Erste Spuren des Anbaus stammen aus Indien etwa 1.500 Jahre vor Christi Geburt. Über den Weg von Asien, Ostasien, China und Japan, veränderte sich nicht nur der Geschmack (Bitterstoffe) sondern auch die heute bekannte schlangenförmige Gestalt. Über Vorderasien gelangte die Gurke nach Griechenland (etwa 600 v Chr.), die Römer legten sie erstmals in Salzwasser ein . Die heute kultivierten Sorten kamen im MA über Byzanz zu den Slawen Osteuropas. Von da aus 16/17. Jhdt nach Deutschland, Holland und dann ins restliche Europa.

 

Gurke ist gleich Gurke, oder doch nicht?

Bei den Gurken werden dem Gebrauch nach zwei Sortengruppen unterschieden: die Salatgurke (oder Schlangengurke) und die Einlege- oder Gewürzgurke. Es gibt eine Vielzahl von Gurkensorten. Bei den Gurken gibt es neben grünen auch weiße, gelbe oder braun genetzte Arten. Diese hören auf Namen wie "White Wonder", "Zitronengurke" oder "De Sikkim". Egal ob als Salatgurke, als Schmorgurke, geschält oder eingelegt, die Sorte bestimmt den Verwendungszweck.

 Eine kleine Übersicht:

Snackgurke "Picolino" (Bild) bei Baldur

Russische Gurke, Cucumis sativus var. sikkimensis

Inkagurke, Cyclanthera pedata

Horngurke, Cucumis metuliferus

Schlangenhaargurke, Trichosanthes cucumerina

Zitronengurke, Cucumis sativus Sorte

Pappelchen, Cucumis sativus Sorte

Weiße aus Gargano, Cucumis Sorte

Mexikanische Minigurke, Melothria scabra

Mehr dazu: Gurken und ihre Verwendung

Die Gurken im eigenen Garten

(Bild: AndyTBP / Pixabay)

Wie ziehe und pflanze ich Gurken im eigenen Garten?

Gurken sind Wärmeliebhaber und vertragen keinen Frost. Auch Regen ist nicht so unbedingt beliebt. Deshalb wachsen sie im eigenen Garten am besten an wind- und regengeschützten Stellen, ähnlich wie Tomaten.
Der beste Zeitpunkt, um Gurken- und Kürbisgewächse, aber auch Chili auszusäen, ist Anfang April. Lichtmenge und -intensität reichen nun, um kräftige Jungpflanzen am Fensterbrett vorzuziehen. Nicht zu früh vorziehen, denn sonst bilden sich nur lange Geiltriebe, die beim Auspflanzen dann oft umfallen oder verkümmern.

Man kann Gurken also im Haus

  1. vorziehen und nach den Eisheiligen auspflanzen oder
  2. man kauft bereits topffertige Pflanzen.
  3. Man kann sie aber auch Mitte Mai an Ort und Stelle ins Freiland oder in einen Pflanztopf setzen. Zwei, drei Gurkenkerne in den gut gelockerten Boden, Marmeladeglas drüber, als Wärmeschutz. Das kann man täglich ein wenig anheben, um zu lüften. Der Pflanztopf hat den Vorteil, dass man sie tagsüber raus stellt und abends (in kühlen Maitagen) wieder hereinholen kann.

Gießen mit lauem Wasser, nie direkt. Auch die Rankgerüste nicht vergessen. Die Triebspitzen abzwicken, sobald die Pflanze die nötige Höhe erzielt hat; so bilden sich Verzweiger. Mehr dazu Gurke, Anbau

Andere Länder, andere Gurkenrezepte

Andre Länder, andere Gelüste, kann man nur sagen.

  • In Indien kocht man Chutneys mit Gurken.
  • Die Slawen lieben die Gurken unreif und sauer oder salzig eingelegt.
  • Der Rest der Menschheit bevorzugt die unreife grüne, kalorienarme Frucht als Salat. Seit Smoothies in aller Munde sind, ist die Gurke unverzichtbarer Bestandteil dafür.

Aber auch als Knabbersticks mit Dip, als Tsatsiki, Saft oder Suppe (Kaltschale) und geschmort (dafür die reifere Frucht verwenden) ist die Gurke ein wunderbares Gemüse.

Tipp: Eine alte Küchenregel empfiehlt, Gurken von der Blüte zum Stiel hin zu schälen, da sich die Bitterstoffe vom Stielansatz her anreichern. Häufig sind nur die ersten Zentimeter bitter, besonders in heißen Sommern.

Am 14. Juni ist übrigens - Fanfare -Welt-Gurken-Tag

Spreewälder Gurken - und die Sauregurkenzeit

Noch im Mittelalter wurde die Gurke in Osteuropa und in weiten Teilen Deutschlands bereits vermehrt angebaut. Da sind wir thematisch bereits im Spreewald gelandet; denn die dort angesiedelte, von den Slawen abstammende Minderheit der Sorben pflegte die Tradition des Gurkenanbaus und hat sie auch erhalten. Im 19. Jhdt. galt der Spreewald als Gurkenkammer der Berliner.

Die in Salzwasser eingelegten sauren Gurken kommen übrigens ohne einen Tropfen Essig aus; die Säuerung erfolgt durch Milchsäuregärung!

Der Begriff: Sauregurkenzeit (Sommer) geht darauf zurück!

Spreewälder Gurken (Bild: hrohmann / Pixabay)

Quellen

  • Das Gemüsebuch, Karen Meyer-Rebenitsch; blv, 2012 München
  • Hagebutte & Co, Angelika Lüttig, Juliane Kasten; FAUNA Verlag, 2003 Nottuln
  • Die Weltgeschichte der Pflanzen, Seidel; Eichborn, 2012 Köln
  • Der Bio Garten, Kreuter; BLV, 1991 München
Adele_Sansone, am 13.01.2019
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Bildquelle:
adele sansone (Natur des Jahres 2019)
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Das sollten Sie alles über den Kürbis wissen)
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Wie kocht man mit Kürbis? 5 einfache Rezepte)

Autor seit 8 Jahren
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