Büffelherde im Yellowstone Nationalpark (Bild: Bernd Teuber)

Birkenrinden-Kanus waren sehr schnell und wogen nur etwa 15 kg

Um ihrer Beute immer auf der Spur zu sein, reisten sie mit extrem leichtem Gepäck. Alles Hab und Gut konnte auf kleinstem Raum verstaut werden und war im Notfall auch von einem Menschen zu tragen. Da es keine Straßen gab, verzichteten Indianer auf Wagen. Statt dessen benutzten sie eine Art Schleppbahre, das Travois (sprich: "Trawoa"). Dazu banden sie zwei Tipi-Stangen über Kreuz auf den Rücken eines Pferdes, spannten zwischen die Stangen Matten oder Felle und banden darauf die Lasten fest. Sobald man das Travois nicht mehr brauchte, wurde es auseinandergenommen. Mussten Seen oder Flüsse überquert werden, bauten die Männer auch ohne Bäume stabile Boote.

Die Mandan fertigten sogenannte Bull-Boats, die wie aufgespannte Regenschirme aussahen. Noch schneller und noch leichter waren hingegen die Birkenrinden-Kanus, auf die sich die Sioux-Stämme des Nordens verstanden. Zwei Mann brauchten nur etwa acht Stunden, um ein solches Boot zu bauen. Sie schälten die Rinde einer Birke ab, weichten sie in Wasser ein und nähten sie über ein vorbereitetes Holzgestell. Sämtliche Nähte wurden wie beim Bull-Boat mit heißem Tannenharz abgedichtet. So ein Rinden-Kanu wog nur etwa 15 kg, konnte aber die zehnfache Last tragen.

Aus großen Tierhäuten wurden Zeltbahnen für Tipis genäht

Die Büffeljagd erforderte viel Mut, Geschick und Schnelligkeit. Ein kräftiger Bulle war gut drei Meter lang und 1000 kg schwer. Die Indianer jagten ihre Beute zu Pferd, schlichen sich zu Fuß an und benutzten im Winter Schneeschuhe. Ein erlegter Büffel wurde bis zum letzten Haar verarbeitet. Sein Fleisch war die Hauptnahrung. Die Haut wurde getrocknet und von den Frauen weiterverarbeitet. Aus großen Tierhäuten nähten sie Zeltbahnen für die charakteristischen Spitzzelte oder Tipis. Kleinere Häute wurden zu Mokassins, Hosen oder mit Stickereien verzierten Jacken verarbeitet.

Die Winterfelle mit dem viel dickeren Haar dienten zum Schutz gegen die Bodenkälte und als warme Unterlage zum Schlafen. Aus den Knochen schnitzte man Sattelgestelle, Werkzeuge und Kriegskeulen. Die Sehnen wurden zu Bogensehnen oder Nähgarn verarbeitet. Jeder Bison erbrachte zehnmal soviel Fleisch wie ein Hirsch. Es wurde in Streifen geschnitten, getrocknet, zu Pulver zerstoßen und dann mit Büffelschmalz, Knochenmark oder getrockneten Beeren vermischt und in Ledertaschen aufbewahrt. Dieser Pemmikan war zwar nahrhaft, enthielt aber keine Vitamine, weshalb man von einem frisch erlegten Tier sofort die vitaminreiche rohe Leber aß.

"Wenn der letzte Bison verschwunden ist, wird auch der rote Mann untergehen", lautete ein altes Sprichwort der Sioux. Als sich die Indianer weigerten, den Siedlern ihr Land zu überlassen, hatten sie nicht nur die US-Armee als Gegner. Mithilfe der Eisenbahn rotteten weiße Jäger in nur zehn Jahren (von 1868 - 1878) fast alle Büffel aus. 1880 gab es in Amerika keine tausend Tiere mehr. Die Indianer verloren nicht nur ihr Land, sondern auch ihre wichtigste Überlebensgrundlage. Heute leben viele von ihnen in Reservationen und sind auf die Hilfe der Regierung angewiesen.

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