Die Legende der Wächter: Gibt es eine Karriere nach "300"?

Mit dem Begriff "Wunderkind" wird gerade in Hollywood viel zu leichtsinnig und großzügig umgegangen. Kaum landet ein Regisseur einen überraschenden Erfolg, gilt er bereits als "Wunderkind", neuer Spielberg oder Kubrick. Zack Snyder weiß davon ein Liedchen zu trällern. Mit "300" stieg er 2007 in die Liga der Regie-Stars auf und wurde hymnisch gefeiert. Zu Recht? Sicher, denn das Schlachtenepos zählt zu den besten Genrefilmen der letzten Jahre.

Die Bestätigung dieses Erfolges fällt umso schwerer. Snyders 2009 veröffentlichter Film "Watchmen" musste sich mit einem lauen Einspielergebnis und teilweise vernichtenden Kritiken abfinden. Kann er ausgerechnet mit der Verfilmung der Fantasyreihe "Die Legende der Wächter" zum rasch verflogenen Ruhm zurückfinden?

Die Legende der Wächter: Gibt es eine Karriere nach
Trailer "Die Legende der Wächter" in HD

Handlung - Komm auf die dunkle Seite der Macht, Kludd!

Soren (Originalstimme: Jim Sturgess), sein Bruder Bruder Kludd (Originalstimme: Ryan Kwanten) und seine kleine Schwester Eglantine (Originalstimme: Adrienne DeFaria) führen ein gutes Eulen-Leben. Ihre Eltern sind liebevoll und rührend um ihren Nachwuchs besorgt. Die Zeit vertreiben sich die Geschwister durch das Nachspielen der Legende vom Sieg der guten Wächter von Ga'Hoole über die bösen Eulenmächte. Vor allem Soren ist geradezu besessen von dieser Legende.

 

Eines schönen Nachts geschieht ein Unglück: Während ihre Eltern auf Beutefang fliegen, plumpsen Soren und Kludd in ihrem Übermut aus dem Nest zu Boden. Ein verhängnisvolles Schicksal für die beiden noch fluguntüchtigen Jungspunde. Schon nähert sich ein hungriges Raubtier und schickt sich an, die wehrlosen Vögel zu verschlingen. Doch aus dem Nichts tauchen zwei riesige Eulen auf und retten das Brüderpaar. Leider nicht ganz selbstlos: Soren und Kludd werden zu einem düsteren, weit entfernten Berg gebracht, wo sie als Sklaven der bösen Königin Königin Nyra (Originalstimme: Helen Mirren) dienen müssen.

 

Soren lässt sich von den fiesen Wärtern nicht einschüchtern und hegt mit der ängstlichen Gylfie (Originalstimme: Emily Barclay) sofort Ausbruchspläne. Tatsächlich gelingt den beiden dank Hilfe von erwarteter Seite die Flucht. Kludd bleibt jedoch zurück: Ihn hat die verführerische Macht des Bösen, verkörpert von Eisenschnabel (Originalstimme: Joel Edgerton), in den Bann geschlagen. Der nach seiner Niederlage gegen die Wächter grausam entstellte Eisenschnabel bedeckt sein Gesicht mit einer Eisenmaske und träumt davon, dank der magischen "Tupfen" sämtliche Eulenreiche unterjochen zu können. Sorens Aufgabe besteht nun darin, das mythenumrankte Ga'Hoole zu finden und die Wächter von Eisenschnabels diabolischen Plänen zu unterrichten. Zwar schafft er es den legendären Ort zu finden, doch dort schenkt ihm niemand Glauben. Derweil rüstet Eisenschnabel zum entscheidenden Schlag gegen die Wächter …

Kritik

"Die Legende der Wächter" basiert auf der gleichnamigen Fantasy-Reihe der US-Autorin Kathryn Lasky. Für Fans bietet der Film somit die Möglichkeit, die Verfilmung mit der Literaturvorlage vergleichen zu können.

Zutritt nur für Fans

Freilich: Wer die Bücher nicht gelesen hat bleibt außen vor. Von Beginn weg wird der nicht eingeweihte Zuschauer mit allerlei seltsamen Namen und Konzepten bombardiert. Alleine von den merkwürdigen Namen könnte einem schwindelig werden: Gylfie, Otulissa, Eglantine (Ein Anagramm von "Gelatine"?), Ezylryb – derlei Buchstabenkombinationen kommen meist dann heraus, wenn die Katze auf der Tastatur einschläft.

Munter verwirrend geht es mit der Odyssee des – selbstverständlich auserwählten und deshalb über sich hinauswachsenden – Helden Soren weiter. Irgendwo hinter dem Hoole-Meer soll Ga'Hoole liegen, wo die Wächter weise walten. Ihnen stehen die bösen Tyto-Eulen gegenüber, die sich selbst als "Die Reinen" ansehen. Hierbei den Überblick zu bewahren ist ohne Vorkenntnisse wohl unmöglich.

3D-Hype ohne Ende

Selbst ganze Handlungsstränge erschließen sich dem Beobachter nicht, wie etwa die Aufdeckung eines (nicht sonderlich überraschenden) Verrats. Egal: Der Verräter erhält seine gerechte Strafe und der Kinobesucher wurde bereits zuvor bestraft, nämlich an der Kasse. Wie mittlerweile geschätzt jeder zweite andere Film auch kommt "Die Legende der Wächter" in 3D daher, was mit einer geschmalzenen Preiserhöhung einhergeht. Nur in seltenen Fällen, etwa in "Avatar" oder "Oben", wird 3D dermaßen effizient eingesetzt, dass die präsentierte Welt tatsächlich greifbar nahe und realistisch erscheint.

"Die Legende der Wächter" zählt zum Gros jener Filme, die ein paar nette dreidimensionale Effekte aufweisen können, die aber nicht mehr als ein optischer Gag sind. Schade, denn optisch glänzt "Die Legende der Wächter" auf höchstem Niveau und hätte es nicht nötig gehabt, noch rasch auf den fahrenden 3D-Zug aufzuspringen.

Flügellahme Story mit allen gängigen Klischees

Der für die Umsetzung betriebene Aufwand war sichtlich gewaltig. Photorealistisch schwingen sich die Eulen durch die Lüfte, gucken traurig mit riesigen Kulleraugen oder ergehen sich in schrulligen Tiraden und albernen Kämpfen mit Flügeln und Krallen. Wäre es nicht dermaßen politisch unkorrekt könnte man die Kampfszenen - beißen, kratzen und an den Federn ziehen - auch als "Catfights" bezeichnen.

An Klischees wird bei der flügellahmen Story nicht gespart. Der Auserwählte muss den Guten zum Sieg gegen die Bösen verhelfen. Unterstützt wird der brave Soren von zwei nervigen Sidekicks in Form zweier Eulen, von denen die eine miese Witze erzählt und die andere schlechte Lieder grölt. Beinahe fühlt man sich ans Abendprogramm von RTL erinnert. Was fehlt ist hingegen die für gewöhnlich obligatorische Liebesgeschichte. Eine solche wird zwar in Form des Auftauchens einer an Soren sichtlich interessierten Eulendame angedeutet, aber nicht weiter verfolgt. Ob Snyder angesichts der Begeisterung für sein technisch opulentes Werk auf diesen Handlungsstrang vergessen hat?

Sozialdarwinismus für die Kleinen

Übel stößt aber vor allem die mit dem Holzhammer eingetrichterte Botschaft auf. Der unverhohlen propagierte Sozialdarwinismus von Eisenschnabel spielt mit den üblichen Schlagworten des Starken, der über den Schwachen triumphieren muss. Das wirkt denn doch skurril, angesichts der Zusammensetzung der Sklaven, die größtenteils aus kleinen, schwächlichen, nicht einmal flugfähigen Eulen bestehen.

Für Charakterisierungen bleibt weder Zeit, noch Raum. Die Guten sind gut, die Bösen böse, Punkt. Nicht einmal Kludds Wandlung vom pragmatischen Jungspund zum fanatischen Krieger für die "Reinsten" wird einigermaßen glaubwürdig abgewickelt. Unmittelbar nach der Entführung entscheidet sich Kludd für die Bösen und gegen seinen eigenen Bruder. Man muss kein Hellseher sein um zu ahnen, zwischen welchen Kontrahenten der finale Kampf entbrennen wird. Dies alles hat man in sehr ähnlicher Form bereits zig Male auf der Leinwand gesehen und gehört. Mitunter weitaus fesselnder und überzeugender als in "Die Legende der Wächter". Für Spannung sorgt eigentlich nur die leider unbeantwortet bleibende Frage, woher die Eulen ihr Eisen beziehen …

Fazit

Die technische Perfektion von "Die Legende der Wächter" kann über den schwachen Plot nicht hinwegtäuschen. Dass Eulen die Rollen von Menschen übernehmen rechtfertigt weder die langweilige Hintergrundgeschichte, noch die nervigen SIdekicks.

In Deutschland erschien der Film nur in geschnittener Film in den Kinos. Dadurch konnte eine FSK-Freigabe ab 6 Jahren erwirkt werden. Darüber, ob "Die Legende der Wächter" nicht trotz der Schnitte eine Spur zu düster und grausam für Sechsjährige geraten ist, lässt sich streiten. Für Erwachsene könnte sich der knapp eineinhalb Stunden lange Fantasyfilm als quälend langweilig erweisen. Immerhin lassen sich hinter einer 3D-Brille unbemerkt die Augen schließen und ein wenig dahindösen...

Daten & Fakten

Originaltitel: "Legend of the Guardians: The Owls of Ga'Hoole"

Regie: Zack Snyder

Produktionsland und -jahr: USA, Australien 2010

Filmlänge: ca. 93 Minuten (geschnittene deutsche Fassung)

Verleih: Warner Brothers

Deutscher Kinostart: 14.10.2010

FSK: ab 6 Jahren

Offizielle Website:www.dielegendederwaechter.de
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Autor seit 6 Jahren
836 Seiten
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