Karneval

Die Termine dieser karnevalistischen Höhepunkte hängen von dem beweglichen Fest Ostern ab. Der Rosenmontag liegt immer zwei Tage vor Aschermittwoch und 48 Tage vor Ostersonntag. Im Jahr 2022 wird Rosenmontag am 28. Februar gefeiert. 

Die Karnevalszeit bezeichnet unter den verschiedenen landesüblichen Begriffen wie Karneval, Fastnacht, Fassenacht, Fasnacht, Fasnet, Fasching, Fastabend, Fastelovend, Fasteleer oder allgemein als fünfte Jahreszeit alle jene Bräuche, mit denen die Zeit vor der vierzigtägigen Fastenzeit ausgelassen gefeiert wird. Hochburgen des Karnevals im deutschsprachigen Raum sind das Rheinland und die schwäbisch-alemannische Fastnacht im Raum rund um den Bodensee.

Aus dem Ausland bekannt sind die Karnevalsumzüge in Rio de Janeiro, Venedig, Quebec oder Santa Cruz de Tenerife.

Der Martinstag am 11. November

Der Martinstag, auch Martini genannt, ist im Kirchenjahr das Fest des heiligen Martin von Tours. Er ist auf die Grablegung des Bischofs Martin von Tours am 11. November 397 abgeleitet. Zum Martinstag werden in Mitteleuropa viele Bräuche gepflegt wie das Martinsgansessen, der Martinsumzug und das Martinssingen.

Als Brauch wird heute besonders im deutschsprachigen Raum das traditionelle Martinsgansessen gepflegt. In Österreich heißt es Martinigans oder –gansl.

 Für dieses Brauchtum gibt es zwei anerkannte Erklärungen:

1. Die Fastenzeit begann

Eine Erklärung geht auf die vormalige Fastenzeit zurück. In der vom oströmischen Reich beeinflussten Christenheit dauerte die Fastenzeit bis hinein in die Neuzeit vom Martinstag bis vor Weihnachten. Das gilt für die orthodoxe Kirche zum Teil noch bis heute. Bis zum Martinstag mussten alle Lebensmittel wie Schmalz und Eier sowie alle Tiere, die nicht den ganzen Winter über durchgefüttert werden konnten, "verbraucht" sein. Nach dem Martinstag konnte wegen der Fastenzeit über einen längeren Zeitraum nicht mehr geschlemmt werden

2. Die Lehnspflicht wurde fällig

Aus historischer Sicht geht das Verzehren einer Martinsgans davon aus, dass in Zeiten des Lehnswesens am Martinstag eine Steuer mit der Bezeichnung "Martinsschoß" fällig wurde.

Unter Lehen verstand man ein Gut, das der Eigentümer einem anderen zur Nutzung gegen ein Entgelt überließ. Dieses Lehen konnte ein Gebäude mit einem Stück Land sein, aber auch das Fischereirecht oder das Jagdrecht sein. Geber des Lehnsrechts war der Landesherr oder eine hoch gestellte Persönlichkeit, die der Landesfürst mit dem Lehen ausgestattet hatte. Fällig wurde als Gegenleistung für die Nutzung eine Steuer, die oft "das Zehnte" genannt wurde.

Der Martinstag bedeutete das Ende des bäuerlichen Wirtschaftsjahres, der Termin für den Viehabtrieb und das Ende des Weidejahres sowie der traditionelle Tag, an dem die Entrichtung des Zehnten fällig war. Landpachtverträge beziehen sich noch bis heute auf Martini als Anfangs- und Endtermin, da der Zeitpunkt dem Anfang und Ende der natürlichen Bewirtschaftungsperiode entspricht. Ebenso begannen und endeten Dienstverhältnisse, Pacht-, Zins- und Besoldungsfristen am Martinstag.

 

Gänsebraten

Die Steuern wurden früher in Naturalien bezahlt, auch in Gänsen. So bildete sich der Begriff Martinsgans heraus. Weil der Martinstag traditionell mit einem Fest oder einem Tanzmusikabend gefeiert wurde, bot es sich an, die Gans zum Festessen zu machen und an diesem Abend festlich mit einem Festschmaus zu verspeisen.

Traditionell wird die Gans - auch zu Weihnachten - in Deutschland mit Rotkohl und Semmelknödeln oder Kartoffelklößen gegessen. Ein überlieferter Brauch bei der Martinsgans ist das Gänsegedicht, das während des Festmahles rezitiert wird.

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