Mars - Der rote Morgenstern (Bild: WikiImages / Pixabay)

Das geraubte Mädchen sollte den Abendstern verkörpern

Die oberste Gottheit der Pawnee-Indianer war Tirawa, der Vater. Ihm zur Seite standen Wind, Regen, Blitz und Donner. Der Morgen- und der Abendstern symbolisierten das weibliche und männliche Element und wachten über alles Leben auf der Erde. Die Reise der Himmelskörper wurde mit zahlreichen Zeremonien begleitet, deren Mittelpunkt heilige Bündel mit religiösen Gegenständen bildeten. Sie schufen die Verbindung zwischen der übergeordneten und der hiesigen Welt. Zu den blutigsten Zeremonien gehörte das Menschenopfer für den Morgenstern. Sie wurde nur praktiziert, wenn ein Krieger über die Notwendigkeit träumte, diese Zeremonie in voller Länge durchzuführen.

Dazu ging er zum Hüter des heiligen Morgensternbündels und bekam von ihm die Kleidung des Kriegers, die in dem Bündel lag. Mit einigen anderen Kriegern raubte er von einem verfeindeten Stamm ein Mädchen und übergab es dem Priester des Morgensterns. Das Mädchen wurde mit Respekt behandelt. Meistens wusste sie nicht einmal, dass sie geopfert werden sollte. Während einer fünftägigen Zeremonie wurde die Gefangene gereinigt und in einen Zustand gebracht, der sie befähigen sollte, den heiligen Abendstern zu verkörpern. Am Tag des Opfers legte man sie auf ein Gerüst, das im "Garten Eden, der Quelle allen Lebens" lag.

Das Blut sicherte den Fortbestand des Lebens

Der Priester entkleidete das Mädchen und sang heilige Lieder. Erst wenn der Morgenstern am Himmel erschien, vollzogen sie das Opfer. Vier Krieger berührten die Gefangene mit Fackeln, dann schoss ihr einer den Pfeil aus dem heiligen Bündel ins Herz, während ein anderer ihren Kopf mit der Kriegskeule zerschlug, die ebenfalls in dem Bündel enthalten war. Anschließend öffnete der Priester ihre Brust, beschmierte sich das Gesicht mit ihrem Blut und ließ es auf den Boden tropfen. Dadurch befruchtete es die Erde und sicherte den Fortbestand des Lebens.

Nun schossen alle Männer Pfeile in das tote Opfer und taten so, als würden sie sich mit ihr paaren, so wie es der Morgenstern mit dem Abendstern in der Schöpfungsgeschichte getan hatte. Ihrem Glauben zufolge begehrte der rote Morgenstern (Mars) den weißen Abendstern (Venus) und eroberte erst nach ausführlichem Werben ihr Herz. Beide zeugten den ersten Menschen, eine Tochter. Um sie am Leben zu erhalten, ließ es der Morgenstern auf den "Himmelsgarten" des Abendsterns regnen. Dieser Himmelsgarten wird während der Opferung durch eine Grube unter dem Gerüst dargestellt, in den das Blut des Opfers hineintropft.

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