Osterburg von der Stadt aus

Meine Geburtsstadt Weida in Thüringen ist seit langem durch sinkende Bevölkerungszahlen gezeichnet, was wohl vor allem wirtschaftlichen Problemen geschuldet ist. Dabei hat sie neben einer wunderbaren Umgebung eine bemerkenswerte Sehenswürdigkeit, die Osterburg.

Sie wurde vor über 800 Jahren auf einem steilen Felsen gebaut und ist von fast überall in der Stadt sichtbar. Bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts war Weida sehr viel bedeutender als heute. Von der Osterburg aus regierten die Vögte das Vogtland, eine Region die heute über Thüringen, Sachsen, Bayern und ein das tschechische Egerland verteilt ist.

Später diente die Osterburg als Gefängnis, Lazarett und Amtsgericht und wurde mehrmals umgebaut.

Der charakteristischste Teil der Osterburg ist der 54 Meter hohe Bergfried. Er ist der höchste erhaltene Bergfried in Deutschland und auch einer der ältesten. Er wurde gegen Ende des zweiten Weltkriegs durch Beschuss beschädigt, aber inzwischen rekonstruiert. Just in 2011 gab es weitere umfangreiche Sanierungen. Man kann den Turm wieder bis zur Spitze besteigen, von wo aus man einen atemberaubenden Blick auf das Umland hat.

Der Bergfried der Osterburg hat 2 Zinnen und darüber noch eine Türmerstube. Diese wurde noch bis 1917 von einem Türmer dauerhaft bewohnt, wobei dieser erstaunlicherweise in seinen letzten Lebensjahren blind gewesen sein soll. Die damalige Einrichtung der Stube kann heute wieder besichtigt werden und man spekuliert unwillkürlich, wie der alte blinde Mann sein Leben in luftiger Höhe bewältigt haben mag.

In früheren Zeiten enthielt der Bergfried eine Wendeltreppe, die aus einem einzigen massiven Eichenstamm gehauen war. Dazu gibt es eine schöne Geschichte, die auf 1970 datiert wird: ein Adliger vergriff sich in Weida an der Verlobten eines Zimmermannes, der den Zudringling im Streit erschlug. Dafür sollte er hingerichtet werden, aber die Braut flehte beim Herzog um Gnade. Der zeigte auf die Eiche, unter welcher der ursächliche Kampf stattgefunden hatte, und gab dem Zimmermann die Aufgabe, binnen eines Jahres und ohne Hilfe eine Treppe für die Osterburg zu zimmern.

Das gelang dank unermüdlicher Arbeit just bis zum gesetzten Fristende und die Hochzeitsglocken konnten läuten. 150 Jahre später wurde die Treppe dann auf Veranlassung des Herzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach abgebaut und von Weida in die heutige Anna-Amalien-Bibliothek in Weimar verbracht (der Sohn von Goethe war dafür zuständig), wo sie glücklicherweise das Feuer im Jahr 2004 überstanden hat.

Auch ohne diese Treppe hat die Osterburg viel Sehenswertes zu bieten. Am faszinierendsten ist sicherlich die Burg selbst, aber es gibt auch eine Kunstausstellungen, ein Museum und eine Gaststätte. Den Balkensaal kann man für Hochzeiten mieten.

Man will festgestellt haben, dass die Elstereiszeit vor ca. 350.000 Jahren genau bei der Osterburg ihren südlichsten Punkt erreicht hat, weshalb natürlich ein Gedenkstein auf der Burg errichtet wurde. Interessanter sind vielleicht das Gefängnis, das Gericht und der Gefängnisgarten auf der Osterburg, die heute teils schaurig, teils romantisch wirken.

Im Internet sind weitere Informationen und Ansichten der Osterburg zu finden. Falls man mal in Weida ist, sollte man auf jeden Fall den Turm erklimmen und wenn genug Zeit bleibt, kann man dort vielleicht eine Wanderung im schönen Umland planen.

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