Warum sich die gesetzliche Krankenkasse für Selbstständige in der Regel nicht lohnt

Grundsätzlich hat jeder, der vor seiner Selbstständigkeit entweder zwölf Monate durchgehend oder in den letzten fünf Jahren für mindestens 24 Monate Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung war, die Möglichkeit, sich freiwillig gesetzlich zu versichern. Diese Option ist jedoch für die meisten Selbstständigen finanziell nicht interessant. Natürlich zahlen Selbstständige den vollen Krankenkassenbeitrag, da der Arbeitgeberanteil wegfällt. Ebenso entfällt die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall durch den Arbeitgeber. Der Beitrag für die gesetzliche Krankenversicherung richtet sich nach dem Einkommen. Prinzipiell wäre die gesetzliche Krankenkasse für Selbstständige, die als Geringverdiener eingestuft werden, günstiger als eine private Krankenversicherung. Für Jungunternehmer, die sich gerade erst selbstständig gemacht haben, ist die Situation jedoch paradox. Sie haben möglicherweise am Anfang ihrer Selbstständigkeit ein geringes Einkommen, von der gesetzlichen Krankenkasse wird jedoch automatisch ein Bruttoeinkommen oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze festgelegt. Die Beitragsbemessungsgrenze lag im Jahre 2010 bei 49.950 € pro Jahr. Damit werden Selbstständige zunächst sehr hoch eingestuft. Um günstiger versichert zu werden, muss der Selbstständige anhand des Steuerbescheides nachweisen, dass er weniger verdient. Dies ist jedoch im ersten Jahr der Selbstständigkeit praktisch sehr schwierig.

Im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenversicherung richten sich die Beiträge der privaten Krankenversicherungen nicht nach dem Gehalt, sondern nach dem Einstiegsalter, Geschlecht und eventuellen Vorerkrankungen. Wer jung und gesund ist, zahlt in der Regel bei einer privaten Krankenversicherung deutlich weniger, als bei der gesetzlichen.

Private Krankenversicherung für Selbstständige mit geringem Einkommen

Wie beschrieben, müssen Selbstständige mit geringem Einkommen dieses über den Steuerbescheid nachweisen. Das ist erfahrungsgemäß im ersten Jahr nicht einfach, da die Steuererklärung normalerweise bei Kleinunternehmern, die von der Umsatzsteuerpflicht befreit sind, nicht vierteljährlich, sondern einmal im Jahr erfolgt. Kann das geringe Einkommen nachgewiesen werden, entscheiden verschiedene Faktoren darüber, ob die gesetzliche Krankenversicherung für den Selbstständigen die günstigere Wahl ist. Als Faustregel gilt, dass die private Krankenversicherung für Selbstständige dann günstiger ist, wenn ein Basistarif ohne Zusatzleistungen gewählt wird und der Selbstständige nicht älter als 30 Jahre ist. Zudem sollte der Gesundheitszustand als gut eingestuft werden, Vorerkrankungen und chronische Krankheiten machen die private Krankenversicherung teurer.

Allerdings sollten Selbstständige wissen, dass sie in der gesetzlichen Krankenversicherung stets einen Mindestbeitrag als freiwillig Versicherte zahlen. Der Mindestbeitrag liegt derzeit bei ca. 280 € pro Monat, auch wenn das Einkommen sehr gering ist.

private Krankenversicherung - oft gibt es mehr Leistung fürs Geld

 

Letztlich ist es nicht nur der günstigere Beitrag, der darüber bestimmt, für welche Krankenkasse sich Selbstständige entscheiden. Oft bieten private Krankenversicherungen ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis, ganz besonders für Selbstständige. Selbst wenn die private Krankenversicherung geringfügig teurer sein sollte als die gesetzliche, kann sie sich dennoch lohnen. Zusatzleistungen wie das Aufkommen für Brillen, Zahnersatz, den Heilpraktiker, Massagen, Vorsorgeuntersuchungen und einiges mehr machen die private Krankenkasse für viele Selbstständige attraktiv. Zudem entfällt die Praxisgebühr, was bei der Berechnung der Beitragssätze bedacht werden sollte.

Angela Michel

 

Autor seit 7 Jahren
1045 Seiten
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