Verbreitung, Aussehen und Lebensweise

Der Wolf (lateinisch Canis lupus) gehört zur Familie der Hundeartigen (Canidae). Neben dem Wolf gehören u.a. auch Fuchs, Kojote und natürlich unserer Haushund - der ja vom Wolf abstammt - zur gleichen Familie. Forscher vermuten heute ca. 13 Unterarten des Wolfes. Dazu gehören zum Beispiel der Polarwolf oder der nordamerikanische Timberwolf. In Europa finden wir den europäischen / eurasischen Wolf. Während vor allem die Polarwölfe sehr groß und schwer werden können, zeichnet sich der europäische Wolf durch eine geringere Körpergröße aus. So beträgt zwar das höchste jemals verbürgte Gewicht eines Wolfes 79kg, europäische Wölfe liegen aber mit ca. 40-50kg weit unter diesem Wert. Dabei sind die Weibchen ca. ein Viertel leichter als die Männchen. Die Schulterhöhe der Rüden beträgt 70-90cm, die der Weibchen 60-80cm.

Ursprünglich waren Wölfe auf der gesamten Nordhalbkugel flächendeckend verbreitet. Sie gehören daher zusammen mit dem Mensch gemessen an ihrer Verbreitung zu den erfolgreichsten Säugetieren. Durch intensive Verfolgung wurde der Wolf in den vergangenen Jahrhunderten aber in vielen Teilen seines ursprünglichen Verbreitungsgebietes stark dezimiert. In vielen Ländern wurde der Wolf auch komplett ausgerottet. In Deutschlandwurde der letzte Wolf 1872 erschossen. Im Jahre1904 wurde noch ein weiterer Wolf bei Hoyerswerda erschossen, bei dem es aber unklar ist, ob es sich um ein ausgebrochenes Zootier gehandelt hat.

Wölfe leben in Rudeln mit durchschnittlich 5-12 Mitgliedern. Die Größe der Rudel kann jedoch stark variieren. Sie hängt vor allem vom Angebot an Beutetieren ab. Ein Rudel besteht immer aus den Elterntieren, deren Nachwuchs sowie dem Nachwuchs des vorangegangenen Jahres. Letzterer hilft dem Elternpaar bei der Aufzucht der Jungen. Mit Erreichen der Geschlechtsreife bzw. bei Überschreitung einer gewissen Größe, wandern die Jungtiere ab und versuchen eigene Rudel zu gründen. Die Einteilung der Rangordnung in Alpha-, Beta- bis hin zum Omega-Wolf findet man in der Natur kaum, sie stammt aus Beobachtungen an Gefangenschaftswölfen, in denen ältere Tiere nicht abwandern können. In der Natur hat i.d.R. das Elternpaar die unangefochtene Autorität.

Polarwolf (Bild: 35030 / Pixabay)

Wolfsrudel besetzen feste Reviere (Territorien), die sie gegen Artgenossen und fremde Rudel vehement verteidigen. Die Größe dieser Reviere ist unterschiedlich, sie hängt wiederum vom Angebot an Beutetieren ab. Im Durchschnitt beträgt die Größe eines Reviers in Deutschland ca. 100-450 km² (Quelle: NABU Deutschland). Die Größe der Reviere schwankt aber erheblich und richtet sich v.a. nach dem Angebot an Beutetieren. Die nordamerikanischen Polarwölfe haben dagegen keine festen Reviere, da sie mit den wandernden Karibus ziehen.

Wölfe jagen ihre Beute - in Europa vor allem Rehe, Hirsche und kleinere Wildschweine sowie Frischlinge - im Rudel. Die gemeinsame Jagd ist auch der Grund für das Leben im Rudel. Meist jagen die Rudel in den Morgen- oder Abendstunden, tagsüber ziehen die Wölfe sich in der Regel zurück und ruhen. Bei der Jagd gilt: Je einfacher die Beute zu erlegen ist, desto besser. Daher suchen Wölfe sich gezielt vor allem alte, kranke und schwache Tiere als Beute aus. Wölfe werden daher auch als Gesundheitspolizei des Waldes bezeichnet.

Wölfe kommunizieren durch ausgeprägte Mimik und verschiedene Körperhaltungen miteinander. Daneben spielen aber auch Duftmarken und Lautäußerungen eine wichtige Rolle für die Verständigung der Wölfe untereinander. Die bekannteste Art von Lautäußerung dürfte das Heulen der Wölfe sein. Anders als allgemein angenommen heulen Wölfe allerdings nicht den Mond an. Das Heulen dient vielmehr dem Zusammenhalt des Rudels sowie der Abgrenzung des Reviers gegenüber fremden Rudeln.

Heulender Wolf (Bild: By Retron (self-made now))

Aktuelle Situation in Deutschland

In den letzten Jahrzehnten kam es immer wieder zu Sichtungen einzelner Wölfe in Deutschland, seit dem Jahr 2000 allerdings gibt es erstmals seit 150 Jahren wieder freilebene Wölfe mit eigenem Revier und Nachwuchs in Deutschland. Aus Polen eingewanderte Wölfe hatten in der Muskauer Heide in Sachsen erfolgreich ein Rudel gegründet. Handelte es sich zunächst noch um ein einziges Rudel, mehrte sich bald die Hinweise, dass die Wölfe sich erfolgreich weiter ausbreiteten. So findet man heute in Deutschland ca. 20 Rudel sowie diverse Einzelwölfe, die auf der Suche nach einem Partner sind. Insgesamt wird der Wolfsbestand in Deutschland heute auf ca. 240 Tiere geschätzt (Stand April 2014).

Die meisten dieser Wölfe sind Nachkommen der aus Polen eingewanderten Wölfe bzw. sind selbst aus Osteuropa nach Deutschland eingewandert. Allerdings wurde kürzlich in Bayern eine Wolfssichtung bestätigt, bei der man davon ausgeht, dass es sich um einen Wolf aus Italien handelt. Anders als in Deutschland wurden Wölfe in Italien niemals vollständig ausgerottet. Deutschland kommt hier eine besondere Verantwortung zu, da hier bei uns die osteuropäische und die italienische Population aufeinandertreffen könnten. Der damit verbundene genetische Austausch wäre für die Zukunft des Wolfs ein wichtiger Baustein.

Wölfe tatsächlich zu beobachten ist sehr schwierig. Die Tiere sind sehr scheu und suchen i.d.R. das Weite, lange bevor ein Mensch überhaupt in ihre Nähe kommt (Wölfe haben eine Fluchtdistanz von ca. 1000m). Nur selten kommt es daher zu realen Begegnungen mit Wölfen. Der Nachweis erfolgt daher meist über die Spuren (unsicher, da teilweise sehr ähnlich mit streunenden Hunden), Kot oder über Beuterisse.

Charakteristisch für die Spur eines Wolfes ist, dass die Abdrücke der Hinterpfoten in die Abdrücke der Vorderpfoten gesetzt werden (der Wolf "schnürt" ähnlich wie ein Fuchs). Die Größe der vorderen Abdrücke beträgt ca. 8-9cm, die hinteren Abdrücke sind etwas kleiner. Vorder- und Hinterabdrücke weisen jeweils vier Zehen auf (die 5. Zehe an den Vorderläufen ist verkümmert und nicht im Abdruck zu sehen), die Krallen sind deutlich erkennbar.

Der Kot eines Wolfes unterscheidet sich von dem des Hundes v.a. darin, dass er meist Haare und/oder Knochensplitter enthält. Häufig wird der Kot an exponierten Plätzen bzw. Wegen abgesetzt und dient dann auch der Reviermarkierung.

Sind Wölfe gefährlich?

Das Bild des Wolfs in Europa ist ein sehr düsteres Bild. Der Wolf erscheint als blutrünstige Bestie, eine Ausgeburt des Bösen. Das war allerdings auch in Europa nicht immer so. So wurden der Legende nach die Gründer der Stadt Rom - Romulus und Remus - von einer Wölfin aufgezogen. Auch Germanen und Kelten bewunderten den Wolf für seinen Mut, seine Stärke und Ausdauer und auch für seinen Familiensinn. Ein ähnlich positiv geprägtes Bild des Wolfs findet sich auch bei den Indianern Nordamerikas. Erst mit dem Einzug des Christentums in Europa bekam der Wolf den Stempel des Bösen. Mit realen Tatsachen hat dieses Bild allerdings nichts zu tun.

Dies vorausgeschickt, wie sollte man sich verhalten, wenn man einem Wolf oder sogar einem ganzen Rudel Wölfe begegnet? Der wahrscheinlich beste Tipp für diese Situation wäre vermutlich: "Ein Foto machen, so ein Glück hat man nur einmal im Leben!"

Was man auf jeden Fall nicht haben muss ist Angst. Anders als Hunde sind Wölfe extrem scheu. Wölfe machen einen großen Bogen um Menschen, jahrhundertelange Verfolgung hat dazu geführt, dass die Angst vor Menschen mittlerweile genetisch verankert ist. Für den Wolf ist der Mensch zudem weder Artgenosse noch Beutetier. Selbst wenn Wölfe keine Scheu vor dem Menschen hätten, bestünde daher keinerlei Gefahr für den Menschen bei einer Begegnung mit Wölfen. Wie die Begegnung zwischen Mensch und Wolf in diesem Fall aussehen könnte zeigt wunderbar die Doku "Auf der Spur der Küstenwölfe".

Im Yellowstone-Nationalpark in den USA wurden Mitte der 90er-Jahre wieder Wölfe angesiedelt. Mittlerweile gibt es in dem Park wieder eine stabile Wolfspopulation. Obwohl jedes Jahr mehrere Millionen Touristen den Park besuchen und dort Wanderungen unternehmen, ist es bis heute zu keiner einzigen Begegnung zwischen Mensch und Wolf gekommen, in der Wölfe sich aggressiv gegenüber Menschen verhalten haben.

Vereinzelt wurden Fälle in Europa berichtet, in denen Wölfe Menschen angegriffen haben, dabei handelte es sich aber stets um an Tollwut erkrankte oder angefütterte Tiere. Unter diesen Umständen wird aber jedes Tier aggressiv auf Menschen reagieren. Demgegenüber stehen aber z.B. alleine in Deutschland jährlich 10 Todesfälle durch Angriffe von Wildschweinen auf Menschen. Hier sehe ich die eigentliche Gefahr. Eine stabile Wolfspopulation könnte die Bestände von Wildschwein und Reh regulieren helfen. Beide Bestände sind in Deutschland nahezu explodiert, im Falle der Wildschweine kommt es mittlerweile sogar in Städten (v.a. Berlin) regelmäßig zu Begegnungen zwischen Wildschweinen und Menschen.

Obwohl von Wölfen keinerlei Gefahr für den Menschen ausgeht, sollte man natürlich trotzdem einige Verhaltensweisen beachten. Wölfe sind Wildtiere, man sollte also auf keinen Fall versuchen, sie zu streicheln (das würde sowieso nicht funktionieren, da die Wölfe sofort das Weite suchen würden) oder anzufüttern. Auch sollte man nicht vor ihnen weglaufen. Wenn man sich entfernen will, dann sollte man sich langsam rückwärts entfernen. Ein lautes Klatschen in die Hände und/oder lautes Rufen reicht, um den Wolf zu verscheuchen.

Als Hundebesitzer (bin ich selbst ebf.) sollte man seinen Hund im Wald nicht frei laufen lassen. Das sollte sowieso selbstverständlich sein. Trifft ein freilaufender Hund auf territoriale Wölfe, so werden die Wölfe ihn sehr wahrscheinlich als Eindringling betrachten und töten. Allerdings kommt es z.B. in Italien auch regelmäßig vor, dass sich streundende Hunde mit Wölfen paaren. Dies stellt für die Wolfspopulationen eine ernstzunehmende Gefahr dar, da sich das Genmaterial der Wölfe mit denen der Hunde mischt. Solange der Hund in der Nähe seines Besitzers bleibt, besteht aber keine Gefahr.

Ein Problem bei der Rückkehr des Wolfs nach Deutschland ist die Haltung von Nutztieren auf Wiesen, v.a. Schafe sind hier gefährdet. Wölfe sind als Wildtiere stets bemüht, ihre Beute auf die einfachste Art und Weise zu erlegen. im Freien gehaltene Schafe stellen daher für die Wölfe eine großer Versuchung dar. Zum einen Verfügen die Schafe über keine funktionierende Verteidigungsstrategie gegen Wölfe. Zum anderen können die Schafe auch nicht fliehen, da sie ja eingezäunt sind. Allerdings gibt es einfache und zuverlässige Schutzmaßnahmen. Hier ist der Mensch gefragt, seine Strategien an die neue Situation anzupassen. Es gibt einfach aufzubauende Elektrozäune, die einen wirksamen Schutz vor den Wölfen darstellen. Eine andere Möglichkeit ist der Einsatz von Herdenschutzhunden, die bei den Schafen leben. Im Falle eines Wolfangriffs auf die Schafe verteiben die Hunde wirksam die Wölfe. Sollte es dennoch zu Tötungen von Schafen durch Wölfe kommen, werden die entstehenden Verluste i.d.R. durch die öffentliche Hand ausgeglichen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es keinerlei Gründe gibt, die gegen die Rückkehr des Wolfs nach Deutschland sprechen, aber dass es sehr viele Gründe dafür gibt.

Willkommen Wolf!

Willkommen Wolf (Bild: werner22brigitte / Pixabay)

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