Entführung ist ihr Hobby: Außerirdische Spacenapper!

Nachdem ihr Mann ermordet wurde, ist es um das Seelenheil der aparten Psychologin Dr. Abbey Tyler (Milla Jovovich) nicht allzu gut bestellt. Dennoch gibt sie ihren Beruf nicht auf und widmet sich vollen Eifers mysteriösen Vorgängen in der Stadt Nome. Dort leiden zahlreiche Einwohner unter scheinbar grundlosen Angstzuständen.

Abbey setzt deshalb Hypnose ein, um die aus Nome stammenden Patienten dazu zu bringen, sich ihren Ängsten zu stellen. Seltsamerweise berichten alle von ihrer Furcht vor einer an sich harmlosen Eule. Unter ihnen der sanftmütige Familienvater Tommy Fisher (Corey Johnson). Ausgerechnet dieser flippt während einer Hypnosesitzung völlig aus, fährt nach Hause und bedroht seine Frau und seine Kinder mit einer Schusswaffe.

Abbey gelingt es zwar, Tommy zu einem kurzen Gespräch zu überreden. Doch nachdem er einige unverständliche Worte ins Telefon gerufen hat, tötet er seine Familie und begeht Selbstmord. Die geschockte Psychologin erfährt später durch Zufall, dass es sich bei Tommys Worten um Sumerisch, eine antike Sprache, gehandelt habe. Allmählich dämmert ihr, wer hinter den unerklärlichen Vorfällen steckt: Außerirdische, die es beileibe nicht gut mit den Menschen meinen …

Vorbild "Amityville Horror"

Es ist nicht schwer, das Vorbild für "Die vierte Art" zu erkennen. Der geniale Schwindel rund um den "Amityville Horror" stand unverkennbar Pate für eine bei weitem nicht dermaßen reibungslos gelungene Marketingmasche. Während es viele Jahre dauerte, bis der angebliche "Amityville Horror" als bei vielen Flaschen Wein eingefädelte Legende entlarvt wurde, blieb Osunsanmis Streifen ähnlicher Erfolg verwehrt. Das im Film verstreute, angeblich authentische Video- und Audiomaterial erweist sich dafür als zu offensichtlicher Fake.

Vertrauen Sie niemandem! Auch nicht Milla Jovovich …

Den Reigen des filmischen Debakels leitet gleich zu Beginn ausgerechnet Milla Jovovich persönlich ein. Wie in einem Werbespot schreitet das ehemalige Model elegant auf die Kamera zu, nennt seinen Namen und behauptet, das nun Folgende sei die Verfilmung realer Ereignisse, die erschreckend seien. Erschreckend ist indes lediglich die Dreistigkeit, mit der Zuschauer in die Irre geleitet werden sollen. Denn nur äußerst naive Gemüter können die hölzernen "echten" Videoaufnahmen, die Mrs. Jovovichs Behauptungen folgen, mit authentischem Material verwechseln.

Interessant ist allenfalls die hierbei verwendete Methode des Split Screen, also das Aufteilen des Bildschirms in zwei Hälften mit unterschiedlichen Szenen. Während in der linken Hälfte eine Schauspielerin die "echte" Dr. Abbey Tyler darstellt, verkörpert in der rechten Bildschirmhälfte das Ex-Model die Akteurin zu ihrer Linken. So wahnwitzig es auch klingen mag: Eine Schauspielerin verkörpert eine andere Schauspielerin, die eine angeblich reale Person darstelle!

Spannend und anspruchsvoll wie eine Doku-Soap

Es stellt schon fast ein Kunststück dar, einen Film rund um Entführungen durch Außerirdische dermaßen spannungsfrei und belanglos zu inszenieren. Blasse Darsteller bewegen sich, wenn sie nicht gerade kreischend auf einem Sofa sitzen, durch billige Kulissen und sondern nichtssagende Dialoge ab. Ähnlich anspruchsvolle Unterhaltung kennt man von den Doku-Soaps aus dem Fernsehen.

Der Unterschied liegt hierbei im Detail: Im Gegensatz zu Doku-Soaps liefert "Die vierte Art" keinen befriedigenden Schlusspunkt. Offene Handlungsfäden werden nicht verknüpft, sondern offen gelassen und dem Zuschauer überreicht, auf dass er sich daraus knüpfen möge, wonach immer ihm der Sinn stehe. Denn anscheinend reicht es nach Meinung der Produzenten dieses Streifens aus, allerlei bewährte Themenbereiche wie Entführungen durch Außerirdische, Hypnosesitzungen oder Levitation in eine Kiste zu werfen, das Ganze hübsch zu verpacken, und fertig ist der Filmhit!

Unheimliche Begegnung der öden Art

Als Fazit nach knapp hundert Minuten lässt sich ziehen, dass Filmemacher offenbar vor überhaupt nichts mehr Halt machen, um ihr Elaborat mit möglichst lautstarkem Getöse zu vermarkten und dabei auf die Neugierde der Massen zu setzen. Selten war die Phrase: "Don't believe the hype!" angebrachter, als in diesem Fall. Milla Jovovich mag es einerlei sein: Im vierten Teil der "Resident Evil"-Serie wird sie ohnehin wieder in ihrer Paraderolle als Kampfamazone zu bewundern sein. Die Sumerer können sich über die freche Zweckentfremdung ihrer Sprache nicht mehr wehren und etwaige Außerirdische werden das angekratzte Image gewiss überstehen.

Der eine oder andere Zuschauer dürfte sich aber fragen, ob ihm eine Rektaluntersuchung durch Aliens nicht ungleich mehr Unterhaltungswert, denn dieser Film bereitet hätte.

Nikakoi, am 26.11.2013
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Bildquelle:
http://www.amazon.de (Horrorfilme: Nach wahrer Begebenheit oder frei erfunden?)

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