The Spinner takes it all!

Dinner für Spinner: US-Remake

Dinner für SpinnerMan darf sich über die Gewohnheit Hollywoods wundern, europäische oder asiatische Hits zu "covern" und mit US-Schauspielern zu besetzen. Andererseits geht dieses Konzept in den meisten Fällen auf und die US-Remakes erweisen sich als weltweite Kassenschlager, die das Original zumindest finanziell weit hinter sich lassen.

 

So geschehen auch bei "Dinner für Spinner", der auf der bissigen französischen Komödie "Le Diner de cons" basiert, für die Regisseur Francis Vebers gleich dreimal den "César" kassierte. Etwas mehr als ein Jahrzehnt später verpasst Jay Roach ("Austin Powers") der sozialkritischen Komödie einen locker-flockigen Ami-Anstrich. Ob das US-Remake "Dinner für Spinner" dennoch mundet?

The Spinner takes it all!

Trailer "Dinner für Spinner"

Zutaten des "Dinner für Spinner": Steve Carell und viel Klamauk!

Tim (Paul Rudd) ist einfach ein viel zu netter Kerl, um die große Karriere zu machen. Anstatt über Leichen zu gehen, engagiert er sich für seine Mitmenschen und ist möglichst hilfsbereit. Dass seine bildhübsche Freundin Julie (Stephanie Szostak) gerade erneut einen Heiratsantrag ablehnte, zementiert Tims Unsicherheit nur noch. Doch ausgerechnet an diesem Tag bietet sich die einmalige Gelegenheit, ein paar Sprossen auf der Karriereleiter zu überspringen: Sein zynischer Boss Lance (Bruce Greenwood) sucht einen neuen Topmanager und Tim fühlt sich bemüßigt, diese Position einzunehmen. Lance ist interessiert, stellt jedoch eine Bedingung: Er müsse an seinem "Dinner für Spinner" teilnehmen, bei dem die Gäste nicht ihre Lebenspartner mitbringen, sondern jeweils einen "Spinner", über den sich Lance lustig machen kann.

 

Menschenfreund Tim gefällt dieses Angebot gar nicht. Doch dann stolpert der trottelige Barry (Steve Carell) in seinen Wagen und erweist sich als idealer Dinner-Partner. Er stopft tote Mäuse aus und rekonstruiert mit ihnen berühmte Kunstwerke wie das "Letzte Abendmahl" oder historische Ereignisse wie den ersten Flug der Gebrüder Wright. Tim freundet sich mit dem Steuerbeamten an – ein schwerer Fehler, denn dieser stellt das Leben des Yuppies fortan komplett auf den Kopf …

"Dinner für Spinner": Fast Food statt Delikatessen

Do it again! Aber wieso eigentlich?

Müsste man "Dinner für Spinner" mit einem Wort zusammenfassen, böte sich "Warum?" an. Wie bereits eingangs erwähnt basiert der Film auf der französischen Komödie "Le Diner de cons" und folgt deren Handlungsverlauf weitgehend. Genau darin liegt das große Problem solcher Remakes: Bedarf es tatsächlich eines Remakes, wenn das Original brillant und schier unerreichbar ist?

 

Regie-Veteran Jay Roach ("Austin Powers", "Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich") wagte sich dennoch an ein Remake und serviert mit "Dinner für Spinner" eine typische Hollywood-Komödie: Leichtfüßig, harmlos und rasch wieder vergessen. Von der bissigen Vorlage ist hier rein gar nichts mehr übrig geblieben. Stattdessen wurde das Original von jeglicher Sozialkritik gereinigt und aalglatt inszeniert, um ein möglichst breites Publikum anzusprechen. Der finanzielle Erfolg gibt Roach recht. Betrachtet man aber die Qualität des Filmes, sieht das Ganze schon erheblich anders aus.

 

Zumal der treffende englische Originaltitel "Dinner for Schmucks" in der deutschen Übersetzung schlichtweg zum plumpen "Dinner für Spinner" trivialisiert und somit um den einzigen subversiven Gag gebracht wird. Denn das Idiom "Schmuck" (dem jiddischen Wort "Shmok" entlehnt) steht im Amerikanischen sowohl für einen Tollpatsch, als auch einen arroganten Snob. Doch für derlei intelligente Wortwitze hält man das deutschsprachige Publikum offenbar nicht für clever genug. Vielleicht sogar zu recht …

 

Steve Carell dominiert das "Dinner für Spinner"

Ein weiteres Problem des Streifens sind die Rollenbesetzungen. Steve Carell spielt seinen Konterpart Paul Rudd förmlich an die Wand. Ein charismatischer Sympathieträger an Carells Seite hätte zumindest dieses Ungleichgewicht aufheben können. Denn es soll für Rudd noch schlimmer kommen: "The Hangover"-Star Zach Galifianakis verkörpert Carells irren Boss und liefert sich in den leider viel zu raren Szenen mit ihm ein Psychoduell, das tatsächlich zum Brüllen komisch ist und nicht so recht in den ansonsten harmlosen Mainstreamfilm passen will.

 

Über den Rest des Streifens, wie auch die Darsteller, sollte man besser den Mantel des betretenen Schweigens breiten. Stephanie Szostak, die Tims Freundin spielt, hätte auch von einer sprechenden Gummipuppe verkörpert werden können und Bruce Greenwood hat zumindest in "Dinner für Spinner" außer seinem breiten Grinsen nichts zu bieten.

 

Können wenigstens die Gags überzeugen? Leider nein: Diese sind denkbar harmlos und oftmals sogar meilenweit vorhersehbar. Würde Steve Carell seine Trottel-Rolle nicht mit dermaßen viel Hingabe füllen, könnte man sich wohl das eine oder andere Mal ein Gähnen nicht verkneifen. Allein dem US-Starkomiker sind die wenigen Lacher zu verdanken. Mehr noch: Er vermag seiner Figur szenenweise sogar einen Hauch tragischer Würde zu verleihen.

 

Schade, dass Regisseur Jay Roach das potenziell bissige Werk dermaßen salopp und nichtssagend verfilmte. Vor allem in Hinblick auf die mit ungeheurer Liebe zum Detail gestalteten Dioramen des "Spinners" Steve Carell.

 

Am insgesamt dürftigen und viel harmlosen Eindruck vermag auch der Gastauftritt von Bauchredner Jeff Dunham nichts zu ändern. Bezeichnenderweise lässt er seine beliebteste Puppe, den toten Terroristen Achmed ("Silence! I kill you!"), zu Hause. Schließlich hätte sich ja jemand darüber aufregen können …

Daten & Fakten

Originaltitel: "Dinner for Schmucks"

Regie: Jay Roach

Produktionsland und -jahr: USA, 2010

Filmlänge: ca. 114 Minuten

FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Verleih: Paramount Pictures Germany

Deutscher Kinostart: 23.09.2010

Autor seit 7 Jahren
823 Seiten
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