Der Unterschied zwischen Stecklingen und Steckhölzern

Im Allgemeinen wird im Sprachgebrauch nicht zwischen Stecklingen und Steckhölzern unterschieden; vielmehr halten viele Menschen, auch Gartenbesitzer, beide Begriffe für ein und dasselbe. Sie irren!

Stecklinge tragen noch Blätter, sind meist schon etwas verholzt und werden während der Vegetationszeit geschnitten, um Pflanzen zu vermehren.

Steckhölzer hingegen tragen keine Blätter mehr, sind komplett verholzt und werden dann geschnitten, wenn die Pflanzen ruhen, also im Winter. Heckenpflanzen und Sträucher werden durch Steckhölzer vermehrt.

Steckhölzer zur richtigen Zeit herstellen

Steckhölzer kann man aus Sträuchern und Hecken am besten in der Zeit von Mitte bis Ende November und Anfang Januar gewinnen. Eigentlich steht dafür ein längerer Zeitraum zur Verfügung, aber bei den Wetterkapriolen der letzten Jahre sollte der beschriebene sichere Zeitraum der Vegetationspause genutzt werden, um sicher zu stellen, dass sich die Pflanzen in absoluter Ruhephase befinden. Wenn nämlich schon wieder Saft in die Sträucher geschossen ist, würden die Steckhölzer "verbluten" und damit die neuen Pflanzen eingehen.

Nach dem Bundesnaturschutzgesetz dürfen zwischen dem 1. März und 30. September "lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze" zum Schutz der Vögel nicht stark zurückgeschnitten werden. Nutzen Sie also den in der übrigen Zeit sowieso anstehenden Strauchschnitt zur Herstellung von Steckhölzern.

Steckhölzer herstellen

Steckhölzer schneidet man von kräftigen, gesunden Trieben aus dem letzten Jahr im oberen Viertel eines Strauches. Steckhölzer sollten mindestens 20 Zentimeter lang sein. Spitzen von Trieben eignen sich nicht. Ein Steckholz sollte mehrere Blattknoten besitzen; aus ihnen wachsen oberhalb der Erde Triebe, unterhalb Wurzeln. Geschnitten wird mit einem geraden Schnitt oberhalb eines Knotens und unten mit einem schrägen Schnitt.

Nach dem Schneiden sortieren Sie die Steckhölzer ganz penibel, zum Beispiel alle geraden Schnitte nach oben legen; damit weisen die schrägen Schnitte automatisch nach unten. Das Sortieren ist ganz wichtig, denn wenn Sie die Hölzer wegen des gefrorenen Bodens noch zwischenlagern müssen und später falsch herum in den Boden stecken, werden oben die Wurzeln wachsen, während unter der Erde vergeblich Blätter wachsen wollen.

Einpflanzen der Steckhölzer

Ist der Gartenboden noch nicht gefroren, können die Steckhölzer sofort in den gelockerten und unkrautfreien Boden gesteckt werden: Die schräg abgeschnittene Seite kommt in den Boden, und ein Viertel des Steckholzes schaut dabei aus dem Boden heraus. So kann die Pflanze sofort damit beginnen, möglichst umgehend Wurzeln bilden.

Ist der Boden schon gefroren, muss man mit dem Einstecken bis zum Frühjahr warten und die Steckhölzer bis dahin zwischenlagern. Das geht am besten, wenn man sie senkrecht in einen mit Sand gefüllten Eimer steckt und diesen bis zum Frühling in der ungeheizten Garage abstellt.

Ist der Boden dann endlich aufgetaut, steckt man die Steckhölzer ins Beet oder in große Blumentöpfe. Beachten Sie aber auch dabei: "Gerade abgeschnittene Seite nach oben, die schräge nach unten".

Bei empfindlichen Pflanzen wie etwa Zierkirsche, Zierapfel oder Korkenzieher-Haselnuß sollten die Steckhölzer mit einer Folie abgedeckt sein, bis der junge Trieb eine Länge von rund zehn Zentimetern hat.

Welche Pflanzen können mit Steckhölzern vermehrt werden?

Nicht alle Pflanzen eignen sich für das Vermehren durch Steckhölzer. Am besten geht das mit verholzten, schnell wachsenden Pflanzen.

Nachstehend eine nicht abgeschlossene Liste von Pflanzen, bei denen Steckhölzer als Vermehrungsmöglichkeit funktionieren. 

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