An awfully big Adventure - Eine sachliche Romanze (1995)

Dies ist ein Film, der mich als Nostalgie-Fan sehr beeindruckt hat, da er mit viel Liebe zum Detail inszeniert wurde und von zwei großartigen Schauspielern getragen wird, die hier zeigen dürfen, was sie können.

Liverpool, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Die sechzehnjährige Stella, weltfremd und in sich gekehrt, hat nur einen Traum. Sie will zum Theater. In der örtlichen Schauspieltruppe verliebt sie sich in den arroganten, an allem herumnörgelnden Schauspieldirektor Meredith Potter (Hugh Grant), der seine Leute schikaniert und Stella, die sich als hartnäckiger Stalker erweist, schließlich als Mädchen für alles einstellt. Ihre Gefühle werden nicht erwidert: Potter ist viel zu beschäftigt mit seinem Ensemble und trauert außerdem seinem Ex-Freund hinterher, der ihn verlassen hat. Ein Kalkül für seine Wut und Enttäuschung darüber findet er in dem ebenfalls homosexuellen Lehrling Bunny (ok, hier gibt es ein unvermeidliches Klischee - mindestens zwei Theaterschaffende in einem Ensemble sind schwul).

 

Bei den Proben zu dem Stück "Cäsar" kommt es zu einem Unfall des Hauptdarstellers, und Potter engagiert als Ersatz den Mimen P.L. O'Hara (Alan Rickman), dessen Paraderolle Capt'n Hook aus "Peter Pan" gewesen war. Obwohl er schon längere Zeit nicht mehr auf der Bühne gestanden hat, entschließt sich der Regisseur, ihn in genau diesem Stück wieder zu verpflichten. "Peter Pan" wird ein Riesenerfolg, und selbst Stella erhält die gnädige Chance, dort als Sternenstaub streuende Fee Tinkerbell "aufzutreten", indem sie mit einem Spiegel Lichtreflexe an die Wand werfen darf. Von dem charismatischen O'Hara fühlt sie sich bald sexuell angezogen (verliebt ist sie nach wie vor in Meredith Potter,von dessen geschlechtlicher Orientierung sie nichts weiß), und da sie findet, dass es Zeit wird, ihre Unschuld zu verlieren und sie zudem hofft, Potter eifersüchtig zu machen, stürzt sie sich in ein Abenteuer mit O'Hara. Er geht darauf ein, weil sie ihn an die Liebe seines Lebens erinnert, deren Künstlername "Stella Mares" war. Nach einer Nacht ist Stellas Interesse jedoch abgekühlt, und sie widmet sich wieder Mr. Potter. Der wird immer unausstehlicher zu dem sensiblen Bunny, so dass die Truppe O'Hara bittet, ihn sich zur Brust zu nehmen und Tacheles zu reden. Allerdings hat er bei dem sarkastischen Potter schlechte Karten: er wirft ihm Scheinheiligkeit vor, weil er mit einer Minderjährigen schläft und ihm - Potter - zugleich seelische Grausamkeit gegenüber seinen Arbeitnehmern unterstellt.

O'Hara versucht Stella ihre Schwärmerei zu Potter auszureden, doch sie ist eingeschnappt und läuft davon. Besorgt sucht O'Hara das Haus auf, wo sie als Waise mit Tante und Onkel wohnt, und erfährt dort etwas über Stella, das ihn komplett aus der Bahn wirft...

Der eine oder andere wird sich denken können, was. Die Konsequenz darauf findet O'Hara in dem, was laut "Peter Pan" ein wirklich großes Abenteuer ist (und in einem Kinderbuch für Kontroversen sorgt). Eigentlich bietet der Film nicht allzu viel Spannung, aber ich fand ihn aufgrund der Charaktere und dem Flair der 50er Jahre und dem damaligen Theaterleben sehr interessant. Und ich mag ruhige Filme mit intensiver Erzählstruktur mehr als Actionkracher. Besonders beeindruckend und eher ungewöhnlich für seine Filmografie ist Hugh Grant in der Rolle des egozentrischen Schauspielleiters. Alan Rickman überzeugt wie immer mit einer unheimlichen Präsenz (ich bin kein wirklicher Fan von ihm, muss aber zugeben, dass er selbst mittelmäßige Filme sehenswert macht).

Eine Perle für alle, die sich fürs Theatermilieu und eine Geschichte mit originellen, skurrilen Figuren begeistern können. Leider ist die DVD bislang nicht mit deutscher Tonspur erhältlich, aber mal ehrlich, Mädels: klingt Alan Rickman im Original nicht viel erotischer? (O;

Autor seit 6 Jahren
77 Seiten
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