Erinnerungsort Idstedt-Kirche

Die Erinnerungsstätte Idstedt informiert über eine spannungsreiche Zeit der Beziehungen zwischen Deutschland und Dänemark. Thema des Museums ist die "Erhebung" deutsch gesinnter Schleswig-Holsteiner gegen Dänemark im Zusammenhang mit den europäischen Revolutionen von 1848. Der Streit ging vor allem um die staatliche Zukunft des Herzogtums Schleswig. Von dänischer Seite wurde eine Eingliederung in den dänischen Gesamtstaat angestrebt. Die deutschgesinnten Schleswig-Holsteiner wollten eine Eingliederung in den Deutschen Bund. Und die Lösung eines unabhängigen Herzogtums stand auch im Raum. Die Folge der Erhebung in Schleswig-Holstein war ein drei Jahre dauernder Bürgerkrieg mit vielen Toten und Verletzten.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Idstedt-Kirche ein zentraler Erinnerungsort der Schleswig-Holsteiner. 1869 entstand auf einem künstlichen Hügel das Idstedt-Denkmal. Die Kriegergräber rund um Idstedt erinnern bis heute an die heftigen Kämpfe von 1850. Neben dem Idstedt-Denkmal errichteten 1878 Mitglieder des Schleswiger Kampfgenossen-Vereins ein Wärterhaus für eine Aufsichtsperson, die auch die Pflege des Denkmalumfeldes übernehmen sollte. Gleichzeitig wurden Waffen, Dokumente und Uniformen der ehemaligen Kriegsteilnehmer gesammelt. Diese Erinnerungsstücke sollten öffentlich präsentiert werden. Das geschah ab 1889 in einem neben dem Wärterhaus erbauten Gebäude, der "Waffenkammer".

Am 3. Juli 1930 wurde dann die Idstedt-Gedächtnishalle eröffnet. Der Ausstellungsraum in der Waffenkammer wurde zur Schankstube. Dort die nach Idstedt strömenden Besucher bewirtet werden. 1944 wurde das Museum geschlossen und die Exponate kamen nach Schleswig. Dann diente das Gebäude für einige Monate als Flüchtlingslager. Im September 1949 wurde das Haus auf der Grundlage des alten Ausstellungskonzepts wieder eröffnet.

2005 wurde die Ausstellung neu konzipiert. Sie erläutert die geschichtlichen Hintergründe und thematisiert die "Schlacht bei Idstedt".

Idstedt Gedenkhalle (Bild: Harald Rossa)

Die Erhebung 1848/50 in Schleswig-Holstein

Im Zusammenhang mit den europäischen Revolutionen von 1848/49 kam es zur "Erhebung" deutschgesinnter Schleswig-Holsteiner gegen die dänische Krone im Streit um die Zugehörigkeit des Herzogtums Schleswig. Dänische Nationalliberale wollten Schleswig bis zur Reichsgrenze an der Eider in den dänischen Staat eingliedern. Die Liberalen in Schleswig-Holstein wollten, unter Berufung auf den Vertrag von Ripen vom 5. März 1460, die "up ewig ungedeelten" Herzogtümer Schleswig und Holstein in einen deutschen Nationalstaat integrieren. Dieser Streit führte ab dem 24. März 1848 zu einem drei Jahre andauernden Bürgerkrieg mit zahlreichen Toten und Verletzten auf beiden Seiten.

Am 25. Juli 1850 trafen bei Idstedt, einem Dorf nördlich von Schleswig, Truppen der schleswig-holsteinischen Armee mit 26.000 und der dänischen Armee mit 37.000 Mann aufeinander. Es kam zur "Schlacht bei Idstedt", die auch als verlustreichste Schlacht in der Geschichte Nordeuropas bezeichnet wird. Für beide Kriegsparteien verkörperte diese Schlacht später den Höhepunkt dieses Krieges. Dabei konnte keine Seite einen Sieg für sich verbuchen. So verloren bei den blutigen Gefechten um Idstedt 1.455 Männer ihr Leben und etwa 5.000 wurden verwundet. Zurück blieb auch ein weitgehend zerstörtes Dorf Idstedt.

Diese Schlacht war eigentlich nicht mehr nötig. Denn bereits am Anfang Juli 1850 hatten sich die europäischen Großmächte im Frieden von Berlin zum Thema Schleswig-Holstein verständigt. Sie plädierten für die Erhaltung des Status quo. Das umstrittene Herzogtum Schleswig sollte im dänischen Gesamtstaat bleiben und die Herrschaft des dänischen Königs als Herzog von Holstein mit dessen Mitgliedschaft im Deutschen Bund bestehen bleiben. Diese europäische Übereinkunft wurde am 8. Mai 1852 im Vertrag von London nochmals völkerrechtlich bestätigt. Sie hielt bis zum November 1863. Da wollte Dänemark das Herzogtum Schleswig erneut in den dänischen Staat integrieren. Die Folge war der deutsch-dänische Krieg von 1864.

Zukunft der Gedenkstätte

Seit 1978 kümmert sich eine vom Kreis Schleswig-Flensburg ins Leben gerufene Stiftung mit knappem Etat um die Gedenkstätte und das Museum Idstedt. Inzwischen geht die Besucherzahl stetig zurück und das Museum ist nur noch Freitag bis Sonntag geöffnet. Der Stiftungsrat hat eine Machtbarkeitsstudie zur Zukunft der Gedächtnishalle in Arbeit. Im Koalitionsvertrag der 2017 neu gebildeten Landesregierung wird die Idstedt-Stiftung unter der Rubrik "Orte der Landesgeschichte" erwähnt. Es ist derzeit nicht klar, wie es mit der Erinnerungsstätte in Idstedt-Kirche weitergeht.

Mehr zum Thema

  • Inge Adriansen: Denkmal und Dynamit. Denkmälerstreit im deutsch-dänischen Grenzland, Wachholtz Neumünster 2011, ISBN 978-3-529-02815-1
  • Matthias Schartl: Idstedt – Erinnerungsort gemeinsamer deutsch-dänischer Geschichte – Die neue Ausstellung in der Idstedt-Halle, hrsg. vom Grenzfriedensbund und der Kulturstiftung Schleswig-Flensburg, Flensburg / Schleswig 2006.
  • Ulrich Lange (Hrsg.): Geschichte Schleswig-Holsteins. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Wachholtz Neumünster 2003. ISBN 3-529-02440-6
Autor seit 4 Jahren
208 Seiten
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