Der Film - Kurze Inhaltsangabe von „An einem Samstag“

Unsichtbar, unfassbar, unvorstellbar. So braut sich in kürzester Zeit eine tödliche Gefahr zusammen während, die Menschen ihren Alltagsbeschäftigungen nachgehen und Erledigungen machen, die Kinder herumtoben, und nebenher geheiratet wird. Doch Valerij Kabysh (Anton Shagin), ehemaliger Drummer und Funktionär der Partei, rennt beim Anblick der Flammen, die aus Reaktorblock 4 in Tschernobyl lodern auf das Betriebsgelände und erfährt mit welcher Machtlosigkeit die Verantwortlichen dieser Katastrophe gegenüberstehen und wie planlos das Krisen-Management gehandhabt wird.

Die Gefahr wird, wie so häufig bei Katastrophen, sofort klein geredet. Gemeinsam mit seiner Freundin Vera (Svetlana Smirnorva-Martsinkievich) und weiteren Musikern beschließt Valerij aus der Region zu fliehen, wird jedoch durch verschiedene Zwischenfälle, oftmals Kleinigkeiten und Banalitäten immer wieder aufgehalten. Mal ist es schlicht der Absatz, der seiner Freundin abbricht, so dass sie den Zug verpassen, dann wieder ist es die Hochzeit des besten Freundes, die eine Abreise verhindert bei der Valerij auch noch als Schlagzeuger in der Band aushelfen muss. Dass es nicht damit getan ist einfach wegzugehen, wird ihnen dadurch schon bald klar. Es ist mehr als nur ein sich Wegbewegen von einem Ort, es ist die Aufgabe des alltäglichen und gewohnten Lebens und der Schritt in eine neue, ungewisse Zukunft.

Film-Kritik - Tragisch-komische Dokumentation mit Stärken und Schwächen

Die Atomkatastrophe von Tschernobyl hat im letzten viertel Jahrhundert die Menschen beschäftigt und Dokumentationen entstanden Zuhauf. In letzter Zeit lies das Interesse jedoch deutlich nach, umso schlimmer, dass es ein Fukushima brauchte, um erneut die Menschen wachzurütteln. Doch nach wie vor besteht keine Einigkeit und das Thema Atomkraft wird kontrovers diskutiert. Während die einen es für eine unverzichtbare Brückentechnologie betrachten, sehen die Gegner ein unkalkulierbares und nicht zu kontrollierendes Übel in ihr. Nicht zuletzt das Problem der Endlagerung der radioaktiven Abfälle und das damit verbundene Risiko ist eine schwere Last, die den nachfolgenden Generationen verantwortungslos aufgebürdet wird.

Im Film "An einem Samstag" rücken eine kleine Stadt und ihre Bevölkerung einen Tag nach dem GAU in den Mittelpunkt. Kaum einer möchte wahrhaben, was geschehen ist und macht das, was er immer macht. Alexander Mindadze, einer der anerkanntesten Filmemacher Russlands produzierte hier einen Katastrophenfilm, der viel Tragisches aber auch Komisches vereint, hierbei allerdings auch manches Mal ein wenig grotesk erscheint, zumal die persönlichen "kleinen "Katastrophen" des Paares stark im Zentrum stehen. Dies ist sicherlich als Stilmittel gedacht, um den Umgang der Menschen mit der eigentlichen Katastrophe darzustellen, doch erscheint dies nur bedingt geglückt. Ebenso ein Stilmittel ist die Handkamera, die die Protagonisten in eine Live-Situation bringen sollen und immer nahe dabei ist, gepaart mit harten schnitten, die etwas Zufälliges ausstrahlen sollen. Möglicherweise soll hier auch ein Bild eines Volkes gezeichnet werden, das sich ob der Katastrophe in eine Trotzhaltung begibt, ganz nach dem Motto: "und jetzt erst recht!".

Dass es sich Mindadze im Film "An einem Samstag" nicht einfach gemacht hat wird jedoch, manchmal auch auf anstrengende Weise, deutlich. Er arbeitet mit vielen Metaphern die nur dann verstanden werden, wenn der Zuschauer sich nicht einfach berieseln lässt, sondern die gezeichneten Bilder sehr bewusst betrachtet. Dies wiederum führt aber auch dazu, dass man geneigt ist, in nahezu allen Einstellungen nach tieferem Sinn zu suchen, was sehr anstrengend wird und notwendigerweise häufig nicht zum Erfolg führt, da wohl nicht immer mit Philosophischem zu rechnen ist. Über Strecken hinweg, scheint der Film vom Thema oder zumindest den Protagonisten abzuschweifen und entwickelt somit einige Längen. Erst als die ersten Strahlenopfer in der Stadt auftauchen wird erneut deutlich wovor es eigentlich zu fliehen galt. Düster und ein wenig in Endzeitstimmung erscheint das Ende des Filmes und lässt einen in seinem Kinosessel durchaus erschaudern.

Traurig aktuell

Eigentlich sollte der Film "An einem Samstag" dem Gedenken an die Atomkatastrophe von Tschernobyl gelten. Dass nun, nachdem er im Wesentlichen produziert war, sich die Atomkatastrophe in Japan  ereignete, macht den Film schrecklich aktuell. Sicher, es gab unterschiedliche Ursachen: einmal das menschliche Versagen und einmal die Naturkatastrophe. Doch in einem scheinen sich die Vorfälle zu gleichen wie ein Ei dem anderen. Das Verhalten der Verantwortlichen und der Regierenden, scheint identisch und lässt vermuten, dass es bei jeder weiteren Katastrophe genau gleich sein würde – vermutlich auch wenn sie sich bei uns ereignen würde. Im ersten Moment wird grundsätzlich alles klein geredet und verharmlost, die Öffentlichkeit erfährt nur häppchenweise und niemals die ganze Wahrheit. Erst dann, wenn die Dinge nicht mehr wegzudiskutieren sind, gibt es vielleicht einmal eine kleine Entschuldigung oder ein Eingeständnis für einen Fehler. In diesem Sinne erscheint "An einem Samstag" bei aller Kritik durchaus sehenswert, nicht zuletzt auch zur Schärfung der eigenen Sinne.

Filmdaten

Filmstart: 2011  

FSK: 12
Genre: Drama 

Darsteller:  Anton Shagin, Svetlana Smirnova, Stanislav Ryadinskiy, V. Guzov, Aleksej Demidov, Vyacheslav Petkun, Sergei Gromov, Uljana Fomicheva, Aleksey Shlyamin, Aleksej Galushko, Georgij Volynskij 

Regie und Drehbuch:  Aleksandr Mindadze 

Autor seit 5 Jahren
358 Seiten
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