Wie viele Generationen haben die Schulbank gedrückt und geschwitzt, wenn der Lehrer Details aus Shakespeares Romeo und Julia wissen wollte?! Wie oft wurden gerade das Thema und die Schlüsselszene aufgegriffen und in Bücher, in Bühnenstücke und in Filme gepackt, nicht selten in grauenhaft kitschiger Verunstaltung. Und wie flossen Tränen vor lauter Rührung über das immer und immer wiedergekäute Schicksal zweier Liebenden. Und vor allem, wie oft wird sich all dies in Zukunft noch wiederholen? Eine zwar nicht wirklich revolutionäre aber durchaus herzerfrischende Abwechslung bietet da der aktuelle Animationsfilm aus dem Hause Disney, dessen Titel schon nennt, wo man Anleihen gemacht hat: Gnomeo und Julia.

Die Story - Krieg der Zwerge

Wir befinden uns in Amerika, genauer gesagt in zwei typisch amerikanischen Vorgärten. Die vordergründige Idylle täuscht, es herrscht Kriegszustand. Nicht jedoch ein internationaler Konflikt, auch nicht der alltägliche und oft belächelte Streit zwischen den Nachbarn wegen heruntergefallenem Obst oder überhängenden Sträuchern. Nein es herrscht schlicht Krieg zwischen den Gartenzwergen zweier angrenzender Grundstücke, und das schon seit langer Zeit. Doch wie wir es schon bei Shakespeare lesen, kann die Feindschaft zweier Parteien kein Hinderungsgrund für die grenzenlose Liebe sein. Und so kommt es dann auch bei Gnomeo und Julia. Der junge Zwerg Gnomeo und die hübsche Zwergin Julia verlieben sich unsterblich ineinander. Wird ihre Liebe den großen Frieden bringen?

Filmtrailer Gnomeo und Julia

Kritik - Nett aber naiv

Die klassische Geschichte rund um das unglückliche Liebespaar ist hinreichend bekannt. Die Regisseurin Kelly Asbury machte aber aus einem der sicherlich bedeutendsten Werke europäischer Literatur eine knallige Action Komödie, mit bunten Gartenzwergen und packt das ganze, was zurzeit bedauerlicherweise ein Muss zu sein scheint, in 3D. Nicht wirklich neu ist die Idee, dass Figuren – in diesem Fall die Gartenzwerge – nachdem die Besitzer ihre Grundstücke verlassen, zum Leben erwachen. Das hat man in der Tat schon häufig gesehen jüngst etwa bei "Nachts im Museum". Ebenso wie bei Nachts im Museum geht es danach entsprechend tumultartig drunter und drüber. Der Streit zwischen den beiden Parteien rund um Graf Zinnoberrot und Gräfin Blaublut wird mit wahnwitzigen Rasenmäher-Wettrennen ausgefochten, auch hier fühlt man sich leicht an "American Graffiti" erinnert. Als Gnomeo und Julia ihre Liebe zueinander entdecken, versuchen sie die beiden Gegner zur Eintracht zu bringen, doch sollen bis es soweit kommen kann, noch zahlreiche Zipfelmützen "entzipfelt" werden und Scherbenhäufen wachsen. Nun mag man bestimmt sehr unterschiedlicher Meinung sein, ob Gnomeo und Julia ein witziger Film ist oder ganz einfach nur blöd. Nun gut, es klingt schon ein wenig seltsam, dass diese Geschichte nun ausgerechnet in amerikanischen Vorgärten spielen muss und dann auch noch kitschige Gartenzwerge die Protagonisten sind. Doch macht es den Film im Laufe der Zeit ausgesprochen amüsant, was nicht zuletzt auch an der gelungenen Trick-Umsetzung liegen dürfte. Dass die Handlung von Gnomeo und Julia und vor allem das Ende nicht ganz so dramatisch ist, wie das Original von Shakespeare, lässt schon die Altersfreigabe vermuten und so wurde der Stoff auch sehr Kindgerecht aufgearbeitet. Das wiederum mag aus der Sicht von Erwachsenen manchmal vieles leicht vorhersehbar erscheinen lassen und wirkt tatsächlich zum Teil auch sehr kindlich naiv.

 

Disney ist nicht Pixar - Filmemacher Pixar auf der Überholspur

Viele Jahrzehnte war Disney der Inbegriff des Trickfilms schlechthin. Doch seit einigen Jahren, seit computeranimierte Figuren mehr und mehr Einzug halten, hat Pixar nicht nur aufgeholt, sondern Walt Disneys Trickfilmschmiede in vielen Bereichen deutlich überholt. Dies wir auch bei Gnomeo und Julia deutlich. Die Lebendigkeit die den Pixar Figuren eigen ist, findet man in diesem Film leider nicht. Er ist durchaus handwerklich nicht schlecht, doch bringt er die Komik und Spritzigkeit nicht so auf den Punkt, wie man es etwa bei "Oben" kennt. Manche Figuren erscheinen auch geradezu als reine Lückenfüller und wirken ausgesprochen blass und fehl am Platze.

Auch für Elton John-Fans dürfte es etwas irritierend sein, dass der Soundtrack des Films scheinbar aus einer Best-of-Elton-John-CD zu stammen scheint, die zudem nicht immer zur Stimmung passen. Weshalb dieser Neuaufguss sein musste bleibt schleierhaft, außer man bedenkt, dass Elton John an der Produktion beteiligt ist.

Fazit

Ein netter Film vor allem für Kinder aber auch ganz witzig für Erwachsene. Dennoch, wer den Trailer anschaut, erhofft sich deutlich mehr von Gnomeo und Julia. Letzten Endes hat man stellenweise den Eindruck, dass der Trailer das Hauptwerk war, das nur, um auf Kinolänge zu kommen, mit reichlich Füllmaterial versehen wurde. Tut nicht weh, aber wer ihn nicht sieht, hat auch nicht wirklich viel verpasst.

Filmdaten

Filmstart: März 2011   
FSK: ab 6 
Genre: Animation
Länge: 84 min 

Darsteller:  James McAvoy, Emily Blunt, Ashley Jensen, Sir Michael Caine, Matt Lucas, Jim Cummings, Maggie Smith, Jason Statham, Ozzy Osbourne, Patrick Stewart, Julie Walters, Hulk Hogan 

Drehbuch:  Kelly Asbury, Mark Burton 
Regie:  Kelly Asbury 

Autor seit 5 Jahren
358 Seiten
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