Filmkritik zu „We Want Sex“ - Sex sells – schade, dieser Film hätte es nicht nötig

Kritik zu Nach wie vor ist die Gleichberechtigung der Frauen ein ernst zu nehmendes Thema, auch in der westlichen Welt, wenngleich sich im Vergleich zu den 1960er Jahren vieles geändert und verbessert hat. Thematisiert wurde die Situation von vor fünfzig Jahren nun in dem Film mit dem reißerischen aber doch eher unglücklich gewählten Titel "We Want Sex", der am 13. Januar 2011 in die Kinos kam. Auf sehr lockere und durchaus witzige Art und Weise nimmt sich die britische Komödie des Problems an und stellt den Kampf der Näherinnen im Ford-Werk von Dagenham dar. Sally Hawkins, die die Arbeiterin Rita sehr glaubwürdig darstellt, überzeugt hierbei von Anfang an besonders. Wenngleich auch heute noch vieles im Argen liegt, was die Gleichberechtigung von Männern und Frauen, aber auch von Behinderten oder Homosexuellen angeht, so ist man beim Betrachten des Films, der keinesfalls den Hang zur Übertreibung hat, doch erstaunt, wie die Situation noch vor nicht allzu langer Zeit auch im ach so fortschrittlichen Westen war. Eindrücklich zeigt der Film "We want Sex", wie die Arbeiterinnen unter den schlechten Bedingungen in der Fabrikhalle litten und wie wenig ihre Arbeitsleistung im Gegensatz zu denen der Männer geschätzt wurde. Im Film gelten sie als ungelernte Kräfte und erhalten damit einen noch geringeren Lohn als sonst üblich. Aus dem Streik, der sich zunächst gegen Herabsetzung der Einstufung richtet, entwickelt sich ein Kampf zur Anpassung des Lohnniveaus der Frauen an das der Männer. In "We Want Sex" wendet sich jedoch das Blatt schlagartig, als das Werk geschlossen werden muss, da keine Autositze mehr produziert werden können, und sich die Frauen nun nicht mehr nur dem Arbeitgeber gegenüber behaupten müssen, sondern zugleich die männliche Belegschaft und ihre Ehemänner gegen sich sehen.

Obwohl es sich hier um ein äußerst ernstes Thema handelt, wurde in "We Want Sex" das ganze in einer lockern Komödie verpackt, die auf witzige Weise die Zusammenhänge und Vorgänge verarbeitet und so vielleicht über ein Hintertürchen die Zuschauer erreicht. Die Protagonistin Rita entwickelt sich während der Geschichte vom schüchternen und naiven Mauerblümchen zur Kämpferin mit einem ausgeprägten Selbstbewusstsein, die für alle ihre Überzeugungen geradesteht und eintritt. Weshalb für diesen wirklich gelungenen Film ausgerechnet der Titel "We Want Sex" gewählt wurde, bleibt hingegen rätselhaft, impliziert er doch eher eine einfältige Teenie-Komödie im Stile der 80er Jahre oder weckt gar manche Männerfantasien. Vielleicht ist es ja gerade auch das, was gewünscht war und die Produzenten erhofften sich mit dem Schlüsselwort "Sex" einmal mehr einen Blickfang für die Kinoplakate – und groß genug geschrieben wurde es auch. Natürlich lässt es sich "hin- und herinterpretieren, warum "We Want Sex" auf den Film vielleicht doch passt, aber das soll an dieser Stelle nicht erfolgen – einen andere Titel zu finden wäre sicherlich für kreative Köpfe auch nicht allzu schwer gewesen.

Zusammenfassung der Handlung

We want Sex - Auch auf DVD erhältlich
We Want Sex
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„We Want Sex“ – ein Frauenfilm?

Der Titel lässt es kaum vermuten, doch dürfte "We Want Sex" insbesondere das weibliche Publikum ansprechen. Dennoch sollten gerade auch Männer es nicht versäumen, sich diesen Film anzuschauen, denn auch ihnen wird sich mit einer Mischung aus Humor, Geschichtsunterricht, und Retro-Feeling auf unterhaltsame Weise eine Welt erschließen, in der ganz verschiedene Frauen ihre eigenen Ansichten von Kampfmethoden gegen die Vorrangstellung der Männer darlegen.

Filmdaten

Kinostart: 13. Januar 2011 

Premiere: 02. September 2010 in den Niederlanden 

FSK: ab 6 

Genre: Komödie und Drama 

Länge: 113 min 

Original: UK 

 

Darsteller:  Sally Hawkins, Andrea Riseborough, Jaime Winstone, Lorraine Stanley, Nicola Duffett, Geraldine James, Bob Hoskins, Matthew Aubrey, Daniel Mays, Roger Lloyd-Pack, Phil Cornwell, Karen Seacombe, Thomas Arnold, Sian Scott, Robbie Kay 

Drehbuch:  William Ivory 

Regie:  Nigel Cole

Autor seit 5 Jahren
358 Seiten
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