Wettrennen gegen den Tod

Eigentlich sollte es nur ein banaler Workshop für Mitarbeiter eines Unternehmens werden. Aber bei der Anreise im Bus, die über eine Brücke führt, auf der Reparaturarbeiten durchgeführt werden, hat Sam (Nicholas D'agosto) plötzlich eine schreckliche Vision vor Augen: Die Brücke kollabiert und reißt die darauf festsitzenden Menschen in den Tod. Wenig später deutet alles darauf hin, dass sich Sams Vision bewahrheiten sollte. Geschockt springt er von seinem Bussitz auf, krallt sich Ex-Freundin Molly (Emma Bell) und ruft den Kollegen zu, ebenfalls so schnell wie möglich zu verschwinden. Nur wenige folgen seinem Ratschlag, da sie ihn für durchgeknallt halten - ein schwerer Fehler: Sekunden später stürzt die Brücke ein und dutzende Menschen sterben.

 

Die Überlebenden der Katastrophe können sich aber nicht lange ihrer wundersamen Rettung erfreuen. Denn schon bald stellt sich heraus: Der Tod lässt sich nicht so einfach austricksen! Kurz nach dem Begräbnis der zahlreichen Opfer stirbt eine der Überlebenden bei einem rätselhaften Unglück, wenig später erwischt es einen weiteren aus ihrer Mitte. Was es mit der unheimlichen Todesserie auf sich hat, erklärt ihnen der hünenhafte Bludworth (Tony Todd): Der Tod holt sich jene Opfer, die er auf seiner Liste hatte, die aber dank Sams Vision gerettet wurden. Allerdings gibt es eine Möglichkeit, das eigene Leben zu verlängern: Einen anderen Menschen zu töten und dessen Lebenszeit gewissermaßen zu erhalten. Keiner der Überlebenden fühlt sich aber zu einer solchen Untat fähig. Noch nicht...

"Final Destination 5": Angenehm überraschend

Am Anfang stand "Akte X"

Bereits zum fünften Mal lädt die Filmreihe "Final Destination" zum Totentanz ein. Ein ungewöhnlich langlebiges Franchise also, das seine Entstehung einem reinen Zufall verdankt. Denn ursprünglich hatte Jeffrey Reddick aus der Plotidee ein Drehbuch für die Mysteryserie "Akte X" verfasst, das aber nicht umgesetzt wurde. Stattdessen griff der für mehrere "Akte X"-Episoden tätige Regisseur James Wong das abgelehnte Drehbuch auf und inszenierte im Jahr 2000 daraus einen abendfüllenden Spielfilm. Der mit knapp 20 Millionen Dollar für Hollywood-Verhältnisse spottbillige Streifen spielte alleine in den Kinos ein Vielfaches dieser Summe ein und avancierte damit zum Sensationshit des Jahres.

 

Elf Jahre später inszeniert Regieneuling Steven Quale, der bislang für James Cameron arbeitete, das bereits vierte Sequel der Serie, die im Gegensatz zu den jeweiligen Protagonisten nicht umzubringen ist. Doch hatte der Originalfilm von 2000 noch das Überraschungsmoment auf seiner Seite, gerieten die Teil 2 bis 4 zu rein voyeuristischen Werken, in denen lediglich das möglichst spektakuläre Ableben der Charaktere im Vordergrund stand. Erfreulicherweise bringt Quale frischen Wind in das abgestandene Konzept. Zwar folgt der Streifen formell der Diktion der Vorgänger - jemand hat eine Vision, rettet dadurch das Leben seiner Freunde, aber der Tod holt sich die ihm versprochenen Opfer auf möglichst blutige Art zurück -, durchbricht das starre Schema aber mit interessanten Plotelementen.

 

"Final Destination 5": Endstation Leichenhalle

Erstmals scheint es möglich, den Tod tatsächlich auszutricksen. Hierfür sei allerdings ein Blutopfer nötig: Indem man an der eigenen Stelle statt einen anderen Menschen sterben lässt, erhält man dessen verkürzte Lebenszeit quasi als Bonus gutgeschrieben. Logischerweise entwickeln sich daraus moralische Konflikte, die innerhalb der Gruppe der Überlebenden für einen gefährlichen Zwist sorgen. Für den Zuschauer bedeutet dies hingegen willkommene Abwechslung bei der straff und spannend inszenierten Handlung. Auch der Schluss selbst hält einige Überraschungen bereit, darunter einen tatsächlich unvorhersehbaren Twist.

 

Trotz des grimmigen Plots und der explizit bebilderten Sterbeszenen kommt der Humor nicht zu kurz. In der wohl witzigsten Passage von "Final Destination 5" scherzen einige der Überlebenden ausgerechnet auf dem Begräbnis, indem sie beispielsweise aus "The Sixth Sense" zitieren. Und wie es zur ersten fiesen Heimsuchung des Todes unter den jungen Menschen kommt, ist nicht nur makaber, sondern auch ironisch.

 

The Candyman can

Weniger überraschen dürfte es, dass man in Punkto Charakterisierungen Abstriche machen muss. Keiner der Protagonisten vermag Sympathien oder Antipathien zu erwecken. Allzu klischeehaft sind ihre Eigenschaften hierfür ausgefallen: Der miese Boss, der aufgeblasene Frauenheld, das süße Dummchen, etc. Fairerweise muss man aber vermerken, dass diese Vereinfachungen bei einem solchen Film schier unausweichlich sind. Eine Gruppe von Charakteren muss rasch eingeführt werden, da die meisten von ihnen bereits nach einer Stunde Laufzeit tot sein werden.

 

Einen amüsanten Kurzauftritt legt der aus "Candyman" bekannte Tony Todd hin. Als geheimnisvoller William Bludworth (man beachte das Wortspiel) erklärt er den Überlebenden die "Spielregeln" von Gevatter Tod. Woher er diese Erkenntnis bezogen hat bleibt indes ungeklärt. Vielleicht erfährt man die Hintergründe in einem durchaus möglichen sechsten "Final Destination"? Zu wünschen wäre es. Denn Steven Quales erste große Regiearbeit zählt zu den besten Horrorfilmen der letzten Jahre und hätte es verdient, mit einem weiteren Sequel belohnt zu werden.

Originaltitel: "Final Destination 5"

Regie: Steven Quale

Produktionsland und -jahr: USA 2011

Filmlänge: ca. 95 Minuten

Verleih: Warner Bros.

Deutscher Kinostart: 25. August 2011

FSK: Freigegeben ab 18 Jahren

Autor seit 6 Jahren
836 Seiten
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