Jüdische Erfindungen rund um die Medizin

Wenn wir heute bei Kopfschmerzen wie selbstverständlich zur Aspirin-Tablette greifen, dürften sich die wenigsten Menschen klar machen, dass die ersehnte Schmerzlinderung auf der Arbeit eines jüdischen Wissenschaftlers basiert. Arthur Eichengrün (1867 – 1949) ist eines der prominentesten Beispiele dafür, wie jüdisches Genie in Deutschland ausgenutzt und anschließend geleugnet wurde. Der Inhaber zahlreicher Patente ist heute zwar vor allem für seine Arbeiten am Wirkstoff für das Schmerzmittel bekannt. Als Entwickler des Schmerzmittels gilt jedoch offiziell immer noch Eichengrüns Mitarbeiter Felix Hoffmann.

Ähnlich erging es Oskar Rosenfelder, welcher als Mitinhaber der Vereinigten Papierwerke Nürnberg das Tempo-Taschentuch erfand und darauf 1929 ein Patent erhielt. Weil das Unternehmen, welches übrigens auch die Marke "Camelia" vertrieb, vollständig im Besitz jüdischer Aktionäre war, initiierten die Nationalsozialisten eine Hetzkampagne. Die Familie Rosenfelder emigrierte daraufhin. Der Versuch, das Unternehmen ins Ausland zu verlagern, endete mit der Zwangsenteignung.

Im Dienste der Verhütung

Ohne die nationalsozialistischen Repressalien gegen Juden würde ein beliebtes Verhütungsmittel heute als österreichische Erfindung gelten. So jedoch emigrierte der 1923 geborene Carl Djerassi im Kindesalter aus dem Alpenstaat in die USA und machte dort später seine bahnbrechende Erfindung: Die Anti-Baby-Pille. Den Wirkstoff ließ er sich bereits 1951 patentieren. Die erste "Pille" kam schließlich 1960 in den Handel.

Verdienste um die Schwangerschaftsverhütung erwarb sich auch der Gummifabrikant Julius Fromm (1883-1945). Im Jahr 1916 brachte er das erste nahtlose Kondom auf den Markt: "Fromms". Das Produkt wurde so erfolgreich, dass der ursprüngliche Ein-Mann-Betrieb sich zu einem großen Hersteller entwickeln konnte. Im Dritten Reich kam es zum Zwangsverkauf des Unternehmens, wobei der Kaufpreis weit unter dem tatsächlichen Wert lag. Julius Fromm emigrierte nach London.

Jüdisches Genie verändert die Medienwelt

Weitgehend in Vergessenheit geraten ist ein ungarischer Jude namens Ladislaus Biro (1899-1985). Er erfand 1938 den Kugelschreiber, musste jedoch wenig später emigrieren. In Argentinien verbesserte er seine Erfindung und erhielt darauf ein neues Patent.

Ein ähnlich revolutionärer Fortschritt in der Medienwelt gelang um die letzte Jahrtausendwende dem israelischen Geschäftsmann Dov Moran (*1956). Er bereicherte das Spektrum der Speichermedien um ein heute beinahe unverzichtbares Produkt: Den USB-Stick.

Eine furchtbare Erfindung

Doch jüdischer Erfindungsgeist brachte nicht nur Gutes hervor. Die wissenschaftliche Arbeit von Julius Robert Oppenheimer (1904-1967) in den USA trug dazu bei, dass 1945 die erste Atombombe gezündet werden konnte. Nachdem Oppenheimer von den Auswirkungen seiner Arbeit in Hiroshima und Nagasaki erfahren hatte, setzte er sich allerdings für Abrüstung ein und distanzierte sich von der Kernwaffenverwendung. Daraufhin beschuldigte man den Wissenschaftler kommunistischer Umtriebe und schloss ihn von staatlichen Forschungsaufträgen aus.

Denker, Philosophen und Religionsgründer

Die Ideen jüdischer Zeitgenossen äußerten sich keineswegs nur in technischen oder naturwissenschaftlichen Erfindungen, sondern auch in kühnen Theorien und großen Gedanken. Der Schriftsteller Franz Kafka schuf unsterbliche Literaturwerke und machte sich nebenbei auch noch um den betrieblichen Unfallschutz verdient. Albert Einstein begründete die bis heute nur schwer begreifliche Relativitätstheorie. Linke Klassenkämpfer, die sich heute ebenso antisemitisch hervortun wie ihre rechten Pendants, sollten zudem eines bedenken: Karl Marx, der Vordenker der linken Weltanschauung, entstammte einer jüdischen Familie. Sogar das Christentum hat jüdische Wurzeln. Petrus, Paulus, Johannes und andere frühchristliche Missionare gehörten ebenso zum Volk der Juden wie die zentrale Gestalt des christlichen Glaubens selbst: Jesus Christus.

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