Indiens ungewollte Töchter

Rosi Gollmann engagiert sich in der Andheri-Stiftung

Rosi-Gollmann ist die Gründerin der "Andheri-Stiftung" in Bonn. Eine engagierte Dame, die unterprivilegierten Menschen hilft, ihr Leben in Würde zu leben. Rosi Gollman wurde am 09. Juni 1927 geboren und hat die "Andheri-Hilfe" gegründet und ist Mitgründerin der "Rosi-Gollmann-Andheri-Stiftung." Als studierte Theologin hat sie als katholische Religionslehrerin gearbeitet. In den 50-er Jahren wurde sie durch eine Veröffentlichung in einem Magazin auf die Not indischer Findelkinder in Andheri bei Mumbai aufmerksam. Um die dortige Not zu lindern, ermutigte sie ihre Schüler mit ihr Päckchen dorthin zu schicken. 1962 besuchte sie zum ersten Mal Indien und engagierte sich nach dieser Reise weiter für die Not dieser Menschen. Sie ermutigte Menschen zu teilen und machte auf die Zustände in Indien aufmerksam. In 1967 kam es zur Gründung der "Andheri-Hilfe" und der Unterstützung des St. Catherine's Home in Andheri. In ihren Anfängen unterstützte Rosi Gollman ein Waisenhaus in Andheri mit Lebensmitteln. Ihr Einsatz entwickelte sich immer mehr zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit. Sie setzt sich noch heute für Straßenkinder, für Kinder mit Behinderung und unterprivilegierte Frauen ein. Sie sah sich nicht als reine Überbringerin von lebensnotwendigen Dingen, sondern vor allem als Partnerin für Frauen und sozial vernachlässigte Kinder und Familien. Diese Maßnahmen konnten nur gezielt realisiert werden durch "Hilfe zur Selbsthilfe" und die Gründung von Selbsthilfegruppen. Sie machte vor allem in Deutschland auf diese Missstände aufmerksam und appellierte an die Verantwortung, die wir Alle tragen, um unsere Welt lebenswerter zu machen. Dazu gehört ein Bewußtsein in Bezug auf "Konsumdenken" und ein "soziales Miteinander" für eine lebenswerte Welt, für die wir alle verantwortlich sind. Nach und nach musste sie ihre Arbeit im Schuldienst reduzieren, weil das Projekt sehr viel Zeit in Anspruch nahm. In den 80-er Jahren gab sie den Schuldienst auf und widmete sich ausschließlich der Andheri-Hilfe. Die "Rosi-Gollmann-Adheri-Stiftung" war ein weiterer Meilenstein für soziale Randgruppen nicht nur in Indien. Heute ist sie mit 85 Jahren Ehrenvorsitzende ihrer gegründeten Stiftung. Bekannt wurde sie mit ihrem Buch "eine bessere Welt ist möglich", das sie zusammen mit Franz Alt und Rupert Neudeck veröffentlicht hat. Für Rosi Gollmann ist "Hilfe zur Selbsthilfe" wichtig in der Entwicklungsarbeit. Das funktioniert nur, wenn man benachteiligte Menschen vor Ort unterstützt, ihnen Direktiven gibt, wie sie ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Darüber hinaus war es ihr immer ein großes Anliegen auf die Nöte der "Ärmsten der Armen" in Deutschland aufmerksam zu machen.

Meetu Khurana geht gerichtlich gegen Mädchen-Abtreibungen in Indien vor

Dr. Meetu Khurana ist die erste Inderin, die ihren Mann vor Gericht verklagt hat. Sie ist Ärztin und war mit einem indischen Arzt verheiratet. Eine Bildungsschicht in Indien, die vermuten lässt, dass die Einstellung von gebildeten Akademikern fortschrittlicher ist. Das dachte wohl die junge Ärztin Khurana auch als sie den indischen Arzt geheiratet hat. Sie möchte mit ihren Aktionen vor allem auf den Geschlechtermord in Indien aufmerksam machen. Als sie schwanger wurde begann ein Leidensweg, den die Inderin auch in ihrem Blog schildert. Die Familie des Mannes wünschte sich einen Sohn und als sie erfuhren, dass sie Zwillingsmädchen bekommen würde begann für Khurana das wahre "Ehe- und Familienmärtyrium." Sie wurde eingesperrt und ihr Mann stürzte sie die Treppe hinunter, um eine Fehlgeburt einzuleiten. Die Familie zwang sie abzutreiben und drohte ihr ihre Kinder zu ertränken. Sie befreite sich schließlich aus den Fängen dieser Familie und kehrte zu ihren Eltern nach Delhi zurück. Dort hat sie dann ihre Zwillingsmädchen entbunden. Als sie ihren Mann wegen Mordversuchs verklagt hat, war sie lange Zeit die Geächtete in der Gesellschaft.

Khurana musste lange kämpfen bis sie endlich einen Anwalt fand, der sich für sie einsetzte. Dieser überzeugte einen Richter und sie hatte Erfolg, dass ihre Klage angenommen wurde. Durch ihre Auftritte im Fernsehen, unter anderem bei Bollywood-Star Khan hat sie die Öffentlichkeit für ihr Anliegen sensibilisiert und konnte weitere Fürsprecher finden. Ängste bestimmen ihr Leben und das ihrer Kindern: sie haben Angst, dass sich die Familie ihres Ehemannes an ihr und den Kindern rächen könnte. Ihre Kinder sind deshalb immer unter Aufsicht, um sie keinen Gefahren auszusetzen.

Es ist Männern vorbehalten in der indischen Hierarchie zu entscheiden. Auch bei gebildeten und wohlhabenderen Indern sind Mädchen nicht angenehm, sondern nur eine Last für die Familie. Die Mitgift kostet viel Geld und die Mädchen werden nach der Geburt diskriminiert, schlecht ernährt und müssen die niedrigsten Arbeiten in der Familie verrichten. Ein Drama, das sich in Indien abspielt: ungeborene Föten verschwinden auf mysteriöse Art und Weise und sie landen oft im Müll der Krankenhäuser. Eine unbekannte Zahl von Säuglingen werden in der eigenen Familie umgebracht und ihre Väter werden zu Mördern ihrer eigenen Kinder.

In Indien ist ein Mädchen eine Last - Selektive Abtreibungen sind an der Tagesordnung

Abtreibung und Tötung der lästigen Mädchen in Indien

Seit 1994 ist die pränatale Geschlechtsbestimmung in Indien verboten. Aber trotzdem umgehen viele Abtreibungskliniken dieses Gesetz. Sie werben sogar nach dem Slogan: "Abtreibung ist günstiger als die spätere Mitgift." Bei Mädchen muss bei ihrer Eheschließung in die Mitgift investiert werden und die Hochzeitsfeier kostet den Familien viel Geld. Sie verlassen nach der Heirat ihre Familie und ziehen meistens zu der Familie ihres späteren Mannes. Männer dagegen bleiben in der Herkunftsfamilie und kümmern sich um ihre Eltern, wenn sie später alt und krank sind. Wenn sie heiraten erhalten die Herkunftsfamilien ein finanzielles Polster durch die Mitgift.

Durch die Ultraschalluntersuchungen können vor allem in den Städten reichere Inderinnen das Geschlecht des Kindes frühzeitig bestimmen lassen. Wenn es ein Mädchen ist, entschließen sich viele wohlhabende Inderinnen zur Abtreibung. Die Abtreibung ist bis zur 20. Schwangerschaftswoche legal. In ländlichen Regionen, in denen es keine Ultraschallgeräte gibt, werden die Mädchen sogar in der eigenen Familie getötet. Die soziale Stellung der Frau wird bei Indern sehr stark aufgewertet, wenn sie einen Sohn zur Welt bringt. Das führt dazu, dass Mädchen in Indien eine sehr niedrige soziale Stellung genießen und Abtreibungen eine gängige Praxis sind.

Eine Studie in der kanadischen Fachzeitschrift "Canadian Medical Association Journal (CMAJ)" warnt vor den Folgen der selektiven Abtreibung von Mädchen: In China und Indien gibt es schon bald bis zu 20 Prozent mehr Männer als Frauen. Die kanadische Studien warnt ebenfalls vor den gesellschaftlichen Konsequenzen dieser selektiven Abtreibungen. Durch den Frauenmangel finden viele Inder keine Frauen zum heiraten und können dadurch keine Nachkommen zeugen. Es können psychologische Probleme in der indischen Gesellschaft auftreten, die zu Gewalt und Verbrechen führen können.
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Bildquelle:
Batei Lübbe (Eine Kindheit im Gulag – Buchrezension)

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