Vergessene oder nicht genutzte Obstbäume.

Man findet sie immer häufiger. Anscheinend herrenlose Obstbäume, um die sich keiner mehr kümmert. Sie säumen Straßen, stehen in verwilderten Gärten. Auf Weiden verfaulen Äpfel, Birnen, Kirschen, Mirabellen, Pflaumen. Was ist mit all diesem Obst? Wir kaufen für teures Geld Bio-Produkte und da vergammeln sie vergessen von ihren Eigentümern.

Das fiel auch 5 jungen Berlinern auf. Diese gründeten die Internet-Plattform für Obstallmende mundraub.org. Sie erhielten für diese Initiative sogar einen Preis vom Rat für nachhaltige Entwicklung.

Auf ihrer Seite können Benutzer den Standort verlassener oder frei benutzbarer Obstbäume auf einer interaktiven Karte im Internet eintragen oder bei Bedarf abrufen.

Unter dem Motto: Freie Früchte für freie Bürger – Fallen Fruits – mundraub.org zeigen sie Menschen den Weg, kostenlos an frisches Obst zu kommen.

Als Mundraub bezeichnet man die widerrechtliche Aneignung geringer Mengen Nahrung zum sofortigem Verzehr.

Der Straftatbestand wurde 1975 abgeschafft.

Die rechtliche sowie praktische Situation - Das Für und Wider.

Gemeinden pflanzen an öffentlichen Straßen und Wegen sehr oft Obstbäume an. Baumwurzeln geben der Böschung halt und entwässern sie. Also sind diese sehr nützlich, verhindern sie ein Aufweichen und Absacken der Straße. Die werden grundsätzlich nicht abgeerntet. Stehen rein rechtlich also jedem Bürger zur Verfügung.

Um den Schwerlastverkehr nicht zu behindern, nimmt man dafür Hochstämme, die dann bis zu einer lichten Höhe von 4 Metern freigeschnitten werden.

Das bedeutet, Sie müssten in einer Höhe von 5 - 8 Metern mit einer Leiter ernten. Dazu kommt die Gefahr des fließenden Verkehrs.

In öffentlichen Parks oder Anlagen gilt das gleiche Recht. Es sei denn, durch Natur- oder Tierschutz ist ein Betreten der Fläche verboten.

Private Grundstücke sind in erster Linie mal Fremdeigentum. Jedes unerwünschte Betreten ist Hausfriedensbruch. Das Entwenden von großen Mengen Obst ist dann auch kein Mundraub mehr. Dazu käme evtl. Sachbeschädigung.

Es besteht auch die Gefahr, dass die nette Kuh mit ihrem lieben Kälbchen plötzlich angreift. Ich persönlich kenne einige Landwirte, die mit schwersten Verletzungen im Krankenhaus landeten.

Geschlossene Weiden darf man nicht öffnen. Laufen Tiere weg und verursachen Unfälle, dann ist der Störer, also Sie, haftbar.

Auf einer Tierweide haben Sie auch nichts zu suchen. Können Sie ausschließen, dass Sie Pilze, Keime oder Krankheitserreger an ihren Schuhen haben?  

Die Praktische Seite.

Alles hat seine Schattenseiten. Es gut zu meinen, bedeutet nicht, es gut zu machen. Bevor Sie einen Baum auf der Karte eintragen, sollten Sie zumindest mit dem Besitzer gesprochen haben.

Zum Naturschutz gehört es auch, dass man Bäume sanft aberntet, und nicht alles radikal leer pflückt.  Vögel, Insekten, Igel, Würmer und Schnecken wollen auch ihren Teil.

Wenn gewisse Bevölkerungsgruppen voller Gier wie die Vandalen einfallen, ist das weniger schön. Und Event-Junkies, die in meinem Garten abfeiern, alles voll  müllen, braucht keiner. Denkt mal an das Mädchen, das auf Facebook seinen Geburtstag bekannt gab. Oder an Stephan Raab und "Maschendrahtzaun". Ein Nachbarschaftsstreit, der medial ausgeschlachtet wurde, und durch wahre Pilgerströme zum Horror für die Anwohner wurde.

Das Netz lässt viel Spielraum für Missbrauch.

Dann frag ich mich, ob ich am Wochenende zum Ernten in die Eifel fahre, für 200 Km Sprit vergeige und dann abgeerntete Bäume vorfinde. Es gibt Leute, die haben auch unter der Woche Zeit.     

Die Idee ist gut, an der Umsetzung sollte man arbeiten.

Hier bei uns haben wir das Problem folgendermaßen gelöst. Die, die Zeit haben ernten ab, das Obst kommt in einen Hänger und wird zur Apfel-Patsche gefahren. Dafür gibt es dann Saft in Kisten. Alle bekommen anteilsmäßig Direkt-Saft in Flaschen. So ziemlich das Beste, was es gibt. Den Kindern macht das auch Spaß. Sie begreifen, wie ein Produkt vom Baum in die Flasche kommt.

Für die Bedürftigen haben wir kistenweise Äpfel zur örtlichen "Tafel" gebracht.

Die haben gar keine Möglichkeit abseits von Bus und Bahn auf Ernte-Tour zu gehen.

Ich befürworte regionale Lösungen in Absprache mit den Eigentümern.

Ergreifen Sie ruhig die Initiative, wenn Ihnen ein verwilderter Garten in der Nähe auffällt. Unsere netten Anfragen wurden mit Kaffee und Kuchen belohnt.

Viele ältere Menschen können gar nicht mehr auf Bäume klettern und pflücken.

Die sind dann froh, wenn bekannte Gesichter aus der Nachbarschaft nicht nur an sich denken.

Dadurch könne sogar Freundschaften oder Nutz-Gemeinschaften entstehen. Und das Obst kommt dahin, wo es wahrscheinlich dringend gebraucht wird.

Auf jeden Fall sollten solche Aktionen mit Respekt vor der Natur und dem laut Grundgesetz geschütztem Recht auf Eigentum durchgeführt werden.

Autor seit 5 Jahren
288 Seiten
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