Lassen Sie mich eines klarstellen, lieber Leser: Ich bin voll und ganz für Gleichberechtigung! Meine Verachtung - so politisch unkorrekt dies auch ist - gilt gewissen Kulturen (keine Namen, um Himmels willen!), in denen Frauen, sagen wir, etwas stiefmütterlich behandelt werden. Meine Mutter ist eine Frau, viele meiner Lehrer waren Frauen, im Berufsleben hatte ich weibliche Chefs. Alles kein Problem, solange auf Gewalt verzichtet wird. In diesem Punkt trennen sich die Wege zwischen ideologisch geführtem Feminismus und den Ansichten des Artikelautors.

Gleichberechtigung erreicht man nicht durch gewaltsame Erhöhung des zuvor Unterdrückten und Erniedrigung des einstigen Unterdrückers. Nein: Wahre Gleichberechtigung ist dann erreicht, wenn man nicht mehr darüber diskutiert, welche politischen Maßnahmen man setzen müsse, um diese oder jene (angeblich oder tatsächlich) unterdrückte Menschengruppe zu fördern.

Ein wunderbares Beispiel für die verkrampften (und leider kostspieligen) Umerziehungsversuche einflussreicher FeministInnen liefert uns ein Sportereignis. Ausgerechnet die Männerbastion Fußball soll gegendert werden. Schluss mit den Witzeleien über Fußballerinnen, die Angst haben, sich schmutzig zu machen und deshalb Zweikämpfen aus dem Weg gehen. Das Thema ist zu ernst, um es auf die seichte Schulter zu nehmen.

Die Frauenfußball-WM 2011 in Deutschland soll sich zum weiblichen Gegenstück zum Sommermärchen der richtigen, pardon: Der Unterdrückerfußball-WM 2006 entwickeln. Keine Mühen (und vor allem Kosten) wurden und werden gescheut, einen Hype zu erzeugen, der eines der letzten Rückzugsgebiete konservativer Männer erobern soll. Selbst Barbie, ein Dorn im Auge der ErzieherInnen im Erwachsenenhort Deutschland, hat das Abendkleid ausgezogen und sich ein Fußball-Dress übergeworfen. Das Ergebnis... nun ja: Gibt es tatsächlich Kinder, die damit spielen?

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Doch trotz medialen Dauerbeschusses und erhobener Zeigefinger verweigert sich die Realität der Wunschvorstellung unserer obersten staatlichen und moralischen PädagogInnen. Selbst die äußerst subtilen Versuche der "Bild Online", mittels Ausziehen der deutschen Fußball-Mädels die weibliche Variante des Sports anziehender zu gestalten, scheinen nicht von Erfolg gekrönt. Was sagt eigentlich die EMMA, die Speerspitze des gedruckten Feminismus, dazu? Vielleicht wird angesichts der Dringlichkeit des Anliegens, Frauenfußball gleichzuberechtigen, über diesen aufgelegten Sexismus-Elfmeter hinweggesehen.

Dafür wird dem Sportereignis des Jahres sogar das Cover gewidmet. Torfrau Angerer starrt dem Betrachter entgegen und ruft ins Bewusstsein, wofür seriöser Feminismus steht: Lachen ist verpönt, das Leben ist kein Ponyhof, und Frauen haben nicht attraktiv auszusehen, basta! Dafür geht es in den Artikeln selbst überraschend entspannt zu. Die EMMA befindet sich, Zitat: "Im Fußballf-Fieber". Ein offenbar nicht ungefährliches Fieber, scheint es sich doch auf die Rechtschreibung verheerend auszuwirken. Da heißt es etwa sehr euphorisch, grammatikalisch durchaus streitbar: "Keine Fußball-WM ohne Fahnartikel. Bis dato gab es das nur für Männer, aber diese Zeit ist entgültig vorbei."

Aufgeregt werden einiger der Spielerinnen vorgestellt. Und doch: Irgendwie sind und waren Porträts über Stars wie Maradonna, Ronaldo oder David Beckham spannender zu verfolgen. Und vor allem unverfänglicher. Etwa, wenn man über eine gewisse Alexandra Popp lesen darf (muss?):

"Die Poppi geht dahin, wo es weh tut", sagt Bundestrainerin Silvia Neid.

Ehe erotische Phantasien, gerne auch mit unkonventionellen Spielarten, überhand nehmen, wird freilich präzisiert:

"Auch mit dem Kopf. Davon gibt es nicht viele im Frauenfußball."

Zweifellos schade, da gerade der Kopf ein wesentliches Element nicht nur im Fußball darstellt.

Letztendlich lautet die entscheidende Frage aus Sicht der EMMA aber: "Wie lesbisch sind die Fußballerinnen?"

Das ist insofern wichtig, da Männer offenbar ausschließlich als personifizierte Gewalt oder zumindest latente Bedrohung verstanden werden. Nachdem aus biologischen und gesellschaftlichen Gründen die Abschaffung des männlichen Geschlechts in absehbarer Zeit nicht vorstellbar ist, soll wenigstens die Verweiblichung des Mannes Früchte tragen. Und umgekehrt: Die Vermännlichung der Frauen, was bei diversen Politikerinnen bereits Erfolge zeigte.

Und dennoch: Die Bastion Fußball will und will einfach nicht fallen. Woran liegt es? An den verbohrten Strukturen? Wurde medial zu wenig für die Frauenfußball-WM getrommelt? Überaus ärgerlich, dass die meisten Mädchen anstatt den durchtrainierten Fußballerinnenbeinen doch lieber den Hungerhaken aus Heidi Klums Mode-Zoo auf die dürren Stelzen gucken.

Da täuschen auch die Jubelmeldungen über "sensationelle Einschaltquoten" nicht über die Gleichgültigkeit der meisten Zuseher gegenüber der Frauenfußball-WM hinweg. 16 Millionen waren es beim Spiel Deutschland - Nigeria. Rekord für ein Frauenfußballspiel in Deutschland! Freilich: Als die Vertreter des bösen Geschlechts bei der WM 2010 gegen Spanien kickten, waren es doppelt so viele. Dabei gilt Deutschland als FavoritIn auf den Gewinn des WM-Titels.

Woran, bei Wotan, kann es nur liegen, dass der Hype nicht und nicht zünden will? Vielleicht ist die Erklärung ja weitaus prosaischer, als es unsere EMMAnzen wahrhaben wollen. Frauenfußball ist stinklangweilig. Man führe sich nur dieses Gestümpere aus dem "Quotenhit" zu Gemüte.

Finden Sie den Unterschied zwischen Echtzeit und Zeitlupe?

Mit richtigem Fußball hat das wenig zu tun. Dies soll nicht abwertend klingen. Es ist aber nun einmal Faktum, dass es zwischen den Geschlechtern Unterschiede gibt, auch körperlicher Natur. Diese Unterschiede können auch mittels staatlicher Zwangseingriffe und medialen Getöses nicht aufgehoben werden. Es liegt buchstäblich in der Natur der Dinge, dass Frauen anders als Männer sind. Daran ist nur dann etwas verkehrt, wenn man sich als ideologischer Umerziehungsbeauftragter betrachtet, der mit aller Gewalt die Welt nach eigenen Vorstellungen formen möchte. Am eig'nen Wesen soll die Welt genesen! Und ist sie nicht willig, so braucht es Gewalt...

Ein aus anarchistischer Sicht tröstender Gedanke, dass selbst im Jahr 2011 noch viele Menschen über einen eigenen Willen verfügen und die Staatsmacht und ihre Vasallen quer durch die staatsgläubige politische und gesellschaftliche Landschaft ins Abseits laufen lassen.

Es ist somit noch viel "Aufklärungsarbeit" nötig, um die widerspenstigen Leibeigenen in die gewünschte Form zu pressen.

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