Beethoven: Schöpfer der unsterblichen Melodie "Für Elise"

Ludwig van Beethoven (1770-1827) gilt als der Titan unter den großen Komponisten. Diesen Ruf erwarb sich der Musiker nicht nur durch sein gefürchtetes Temperament, welches durch den frühzeitig einsetzenden und fortschreitenden Gehörverlust noch verschärft wurde. Auch Beethovens Werke selbst künden mit großen Klängen von geradezu heroischen Ideen. Gleichzeitig schuf der Komponist aber auch wunderschöne und unsterbliche Melodien. Zu letzteren zählt "Für Elise", eine erstaunlich schlichte und doch phänomenale Tonfolge.

Dass Beethoven gleichermaßen gewaltige Klangbilder und romantische Melodien schuf, kann als Abbild seines ebenso zwiespältigen Lebens betrachtet werden. Beruflich war der Komponist jahrzehntelang ein regelrechter Superstar. Private Kontakte hingegen litten nicht selten an seinem Temperament, denn Beethoven sagte unverblümt und lautstark, was er gerade dachte. Es verwundert daher nicht, dass der Musiker zwar einerseits viele platonische Freundinnen hatte, andererseits aber bei seinen Heiratsplänen mehr als eine Niederlage erlitt. Dem vergeblichen Liebeswerben um eine dieser Frauen liegt wahrscheinlich auch die Entstehungsgeschichte der "Elise" zugrunde.

Wer war Elise?

Beethovens Hinterlassenschaft lässt bisher kein Hinweis auf die Freundschaft mit einer Elise erkennen. Die populärste Theorie geht daher davon aus, dass der Titel "Für Elise" lediglich einer fehlerhaften Entzifferung des heute verschollenen Originals entspringt. Demnach ist das Musikstück eigentlich einer Dame namens Therese Malfatti gewidmet, welche von Beethoven im Klavierspiel unterrichtet wurde. Im mutmaßlichen Entstehungsjahr der Komposition pflegte Beethoven engen Kontakt zur Familie Malfatti. Etliche Indizien lassen sogar den Schluss zu, dass Beethoven im Frühjahr 1810 vergeblich um die Hand der Therese Malfatti anhielt. Im gleichen Zeitraum, am 27. April 1810, entstand auch die Urfassung der heutigen "Elise". Es spricht also einiges dafür, dass Beethovens bekannteste Melodie tatsächlich der Therese Malfatti gewidmet war. Warum das Musikstück seinen Siegeszug dennoch nicht unter dem Titel "Für Therese" antrat, ist vermutlich aus der etwas verworrenen Quellenlage heraus erklärbar.

Rätsel um das verlorene Original

Beethovens "Für Elise" wird heute zu den sogenannten Albumblättern gezählt, einer Spielart der zu Beethovens Lebzeiten gerade erblühenden Romantik. Albumblätter zeichneten sich in der Regel durch relative Kürze und stilistisch frei gestaltete Kompositionen aus.

Beethovens Albumblatt "Für Elise" steht daher in keinem künstlerischen Zusammenhang mit einem großen Kompositionszyklus. Es wird heute im Nachlass des Meisters unter einer sogenannten WoO-Nummer geführt: Werke ohne Opusangabe.

1867, 40 Jahre nach Beethovens Tod, veröffentlichte der Musikwissenschaftler Ludwig Nohl das bis dato weitgehend unbekannte Stück. Nohl behauptete, er habe das Original gesehen, welches aus dem Nachlass der Therese Malfatti stamme. Darauf seien der Titel "Für Elise" sowie das Entstehungsdatum vermerkt gewesen.

Dieser sogenannte Autograph ist heute allerdings nicht mehr auffindbar. Erhalten geblieben ist lediglich ein Skizzenblatt. Dieses überarbeitete Beethoven im Jahr 1822 und versah es mit einer Nummer. Da das Blatt auch Entwürfe zu anderen Stücken enthält, lässt sich dennoch das Entstehungsjahr 1810 recht sicher rekapitulieren. Bezüglich des Titels setzte sich allgemein die Auffassung durch, Ludwig Nohl habe die Überschrift auf dem verschollenen Original lediglich falsch entziffert.

Wie klang "Für Elise" ursprünglich?

Beethoven galt als äußerst akribischer Komponist. Im Gegensatz zu Mozarts virtuoser Leichtigkeit konstruierte er seine Werke regelrecht. Es soll vorgekommen sein, dass er beim Komponieren manche Akkorde hundertfach anschlug, bis er vom perfekten Klang überzeugt war.

Analog dazu könnte also auch "Für Elise" von der ersten Idee auf dem Skizzenblatt bis zur ursprünglichen Niederschrift eine Veränderung erfahren haben. Das verschollene Original unterscheidet sich demnach eventuell von Beethovens Skizzenblatt, welches zudem bei der Sichtung 1822 noch einmal überarbeitet wurde. Wie also Therese Malfatti das Stück einst hörte und ob es wirklich ihr gewidmet war, wird wohl für immer das Geheimnis des Komponisten und seiner Angebeteten bleiben.

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