Schritt 1: Schätzen Sie Ihr Kind ein!

Bevor über konkrete Details einer eventuellen Ausbildung nachgedacht wird, empfiehlt es sich, die Fähigkeiten des Kindes einer ehrlichen Überprüfung zu unterziehen. Vorhanden sein sollten (neben passablen Noten in Musik) Belastbarkeit und logisches Denkvermögen. Erfordert der schulische Lehrstoff zudem keine überdurchschnittliche Mühe, stehen die Chancen für den künftigen Musiker schon recht gut. Wichtig ist natürlich auch, dass die bisherige Freizeit nicht bereits durch andere Aktivitäten weitgehend belegt wird.

Zu einer sachlichen Einschätzung gehört auch, die Hintergründe des plötzlichen Wunsches zu kennen. Das Vorbild eines Freundes oder der Stars aus der BRAVO allein genügt sicherlich nicht. Gestalterische Freude und Kreativität hingegen sind recht gute Indikatoren für ein ernsthaftes Interesse am Musizieren.

Schritt 2: Schätzen Sie sich und Ihr Umfeld ein!

Auch das größte Musiktalent benötigt eine solide Förderung und ordentliche Ausbildungsmöglichkeiten. Sie sollten sich daher fragen, ob Sie zeitlich und finanziell dauerhaft in der Lage sind, Ihr Kind entsprechend zu unterstützen. Zur realistischen Beantwortung dieser Frage zählen unter anderem Informationen über das regionale Ausbildungsangebot, die Höhe der Kosten sowie eventuelle Fördermöglichkeiten. Erfahrungen von Verwandten oder Bekannten können ebenfalls hilfreich sein. Wichtig ist zudem Ihre Fähigkeit, dem Kind bei den täglichen Übungseinheiten zur Seite zu stehen. Dazu müssen Sie nicht unbedingt selbst Musiker sein. Ein durchschnittliches Gehör, Geduld und Genauigkeit genügen.

Schritt 3: Legen Sie die "Marschrichtung" fest

Falls Sie nun zu der Erkenntnis gekommen sind, dass der Wunsch Ihres Kindes eine faire Chance verdient, dann sollten Sie gemeinsam mit dem Kind einen "Marschplan" erarbeiten. Erklären Sie Ihrem künftigen Musikus genau, was eine instrumentale Ausbildung bedeutet: Weniger Freizeit, fleißiges Üben und konsequente Anstrengung auch dann, wenn der Reiz des Neuen verflogen ist.

Damit das Kind seine Entscheidung nie wirklich bereut, muss auch die Art der Ausbildung sorgfältig erwogen werden:

  • Eine klassischer Musikschulbesuch ist zwar kostspielig, doch bietet er in der Regel ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Keine Angst: In Musikschulen erlernt man längst nicht mehr nur die Werke der Altmeister wie Bach oder Mozart. Oftmals umfasst der Ausbildungsinhalt eine Vielzahl an Musikepochen bis hin zu Hits der jüngeren Vergangenheit.
  • Eine in der Regel weniger umfassende und kostspielige Ausbildung beinhalten hingegen die Offerten von Musikhäusern sowie die schulischen Projekte. Meist handelt es sich schwerpunktmäßig um moderne Musik, welche beispielsweise in diversen Workshops oder Instrumentalgruppen vermittelt wird.
  • Eine weitere Alternative sind Privatlehrer. Der Vorteil liegt hier in einer individuell auf den Schüler abstimmbaren Musikerziehung. Qualitativ und preislich gibt es bei dieser Art der Ausbildung natürlich recht unterschiedliche Angebote. Ein Tipp für künftige Klavierschüler: Unter Umständen lohnt sich hier die Nachfrage beim Kantor der örtlichen Kirche.

Ihre eigenen Erwartungen sollten dabei allerdings realistisch bleiben. Wie alle kreativen Beschäftigungen wird die Fähigkeit zum Musizieren durch persönliche Leistungsgrenzen definiert. Betrachten Sie zudem die instrumentale Ausbildung Ihres Kindes lediglich als Lebensbereicherung, keinesfalls jedoch als Karrieremöglichkeit. Von einer hauptberuflichen Tätigkeit als Musiker können derzeit nur vergleichsweise wenig Menschen leben.

Schritt 4: Tests und erste Schritte

Selbst bei sorgfältigster Vorbereitung und Planung kann es dennoch passieren, dass die musikalische Ausbildung Ihres Kindes irgendwann einmal abgebrochen wird und das einst geliebte Instrument zum Staubfänger mutiert. Dieses Risiko sollten Sie bei Ihren Überlegungen zwar mit einkalkulieren, doch es lässt sich durchaus verringern:

  • Holen Sie sich fachlichen Rat. Musikschulen und Privatlehrer nehmen oftmals zunächst Eignungstests vor. Andere Ausbildungsstätten bieten zumindest Schnupperkurse an.
  • Sorgen Sie dafür, dass dem Kind von Anfang an ein vollwertiges Instrument zur Verfügung steht. Auch die besten Keyboards sind nicht für die Klavierausbildung geeignet, ebenso wie fernöstliche Plastikmodelle im Flötenunterricht nichts verloren haben.
  • Teilweise lässt sich das Kostenrisiko auch durch Leihinstrumente reduzieren. Doch selbst gekaufte Instrumente sind im Fall einer gescheiterten Ausbildung keineswegs ein völliges Verlustgeschäft. Aufgrund der relativ hohen Neupreise werden im Musikhandel häufig gut erhaltene Gebrauchtinstrumente nachgefragt.

Schritt 5: Bleiben Sie konsequent

Ganz sicher wird der Tag kommen, an dem Ihr Sprössling allen Vorsätzen, Kosten und Bemühungen zum Trotz kein Interesse mehr am Musizieren zeigt. Verzagen Sie nicht und bleiben Sie am Ball. Sofern es sich nicht um eine tatsächliche Überforderung handelt, besteht kein Grund zum Aufgeben. Die ungeliebten Übungen frustrieren das Kind einfach. Es glaubt vielleicht sogar, das Instrument bereits im Wesentlichen zu beherrschen. Das Desinteresse bezieht sich also lediglich auf die nötige Mühe und nicht auf den angestrebten Erfolg. Möglicherweise ist Ihnen Ihr Kind eines Tages sogar insgeheim dankbar, dass Sie es zum Durchhalten motiviert haben.

Autor seit 5 Jahren
97 Seiten
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