Warum jedes Kind Gedichte kennen sollte

  • Gedichte sorgen dafür, dass Kinder Spaß an Worten und Spaß am Spiel mit Worten finden – und machen Kindern so Lust aufs Lesenlernen.

  • Gedichte betonen Rhythmus und Klang. Das hilft Kindern dabei, mehr Gespür für ihre eigene Sprache oder auch für fremde Sprachen zu bekommen.

  • Im Gedicht ist das einzelne Wort besonders wichtig: Gedichte erweitern das Vokabular und machen Kinder spielerisch mit neuen Wörtern bekannt.

  • Schon Kleinkinder hören gerne Gedichte und mögen die fröhlichen Rhythmen der Verse. Selbst dann, wenn sie die Bedeutung der Wörter noch gar nicht verstehen können. Die meisten Eltern machen ihre Kinder schon sehr früh – oft ganz unbeabsichtigt – mit Gedichten bekannt: Sie singen ihren Kindern selbsterfundene Lieder vor oder unterhalten sie mit kleinen Reimen und Wortspielen. Einfache Gedichte und Abzählreime sind für jüngere Kinder ideal, um erste Bekanntschaft mit Sprache und Literatur zu machen. 

  • Gedichte sind kürzer als Prosatexte und deshalb ideal geeignet, um auch Kinder zu begeistern, die für längeres Vorlesen wenig Geduld haben.

Kinder schreiben Gedichte – wann und warum das besonders wichtig sein kann

  • Durch Gedichte, die sie selbst geschrieben haben, können Kinder ihre Gefühle mitteilen. Auch Gefühle, die sie sich sonst nicht zu offenbaren trauen. Kinder schreiben im Gedicht über sich selbst, aber nicht als sie selbst. Durch Kindergedichte können Erwachsene oft mehr über ein Kind erfahren als durch eindringliche Gespräche.

  • Wenn Kindern lernen, ihre Gefühle in einem Gedicht auszudrücken, hilft ihnen das dabei, sich auch mit den Gefühlen anderer Menschen besser und leichter zu identifizieren.

  • Das Schreiben von Gedichten kann Kindern helfen, Ängste besser zu bewältigen. Es fördert das Selbstbewusstsein und sorgt dafür, dass sich Kinder in ihrer eigenen Haut wohler fühlen.

  • Beim Schreiben von Gedichten sind Kinder viel freier als beim Schreiben von Prosatexten: Es kann ganz ohne Regeln und vorgegebene Strukturen funktionieren.

  • Im Gedicht kommt es auf die einzelnen Worte an, auf detaillierte Betrachtungen, auf das Sehen, Hören, Fühlen und Empfinden. Kinder lernen auf diese Weise, sensibler für ihre Umwelt zu sein und bewusster wahrzunehmen, was um sie herum geschieht.

  • Werden eigene Gedichte laut vorgelesen oder vorgetragen, fördert das nicht nur das Selbstbewusstsein des Kindes, sondern hilft auch dabei, offener und sicherer mit anderen zu kommunizieren.

  • Auch Kinder, die nur ungern schreiben, über einen begrenzten Wortschatz oder geringe sprachliche Kenntnisse verfügen, können beim Schreiben von Gedichten erstaunlich kreativ sein. Aus diesem Grund werden Gedichte häufig zu therapeutischen Zwecken eingesetzt, erfolgreich zum Beispiel in der Arbeit mit geistig behinderten Kindern. Selbst Kinder, die nicht schreiben oder sich kaum artikulieren können, erfinden Gedichte.

  • Gedichte können Kindern sogar dabei helfen, schwierige Situationen und traumatische Ereignisse besser zu bewältigen.

Einfache Gedichtformen, die sich für Kinder eignen

Schon in der Grundschule lernen Kinder, einfache Gedichte zu schreiben. Gedichtformen, die sich auch für jüngere Kinder eignen, sind zum Beispiel:

Einige der hier erwähnten Gedichtformen stellen die Kinder der Grundschule Rohrau in ihrer Gedichtwerkstatt vor.

  • Rondell
  • Schneeballgedicht
  • Treppengedicht
  • Diabolo

Weitere Gedichtformen für Kinder werden hier beschrieben.

Pädagogen meinen: Mit Hilfe ihrer Eltern können schon Kinder im Vorschulalter erste Gedichte erfinden.

So macht man Kindern Lust auf Gedichte

  • Ganz oft vorlesen! Gedichte eignen sich dafür wunderbar.

  • Kinder dazu anregen, selbst kleine Reime zu erfinden. Spielerisch Reime in den Alltag einbauen: Das Kind soll auf eine Frage mit einem Reim antworten. Oder ganz ambitioniert: Mal einen ganzen Tag nur in Reimen sprechen! 

  • Sich gemeinsam mit Kindern anschauen wie unterschiedliche Künstler ein Gedicht illustriert haben - und die Kinder auch eigene Bilder zum Gedicht malen lassen.

  • Im Kinderzimmer ein spezielles Bücherregal einrichten, in dem nur Bücher mit Gedichten stehen. (Buchtipps siehe unten)

  • Kindern schon früh bewusst machen, dass sich Gedichte nicht immer unbedingt reimen müssen.

  • Kindern die Aufgabe stellen, ein kurzes Gedicht auswendig zu lernen.

  • Sich mit Kindern "alte" Gedichte und "neue" (moderne) Gedichte anschauen: Welche Unterschiede fallen auf?

  • Kinder Worte "sammeln" lassen - zum Beispiel aus Zeitschriften oder auf Lebensmittel-Verpackungen - und eine bunte Wort-Collage daraus gestalten.

Linkstipps: Kindergedichte lesen und schreiben

Nicht nur zum Muttertag: So einfach können Kinder eigene Gedichte schreiben

Für Weihnachten, Ostern oder den Muttertag: Eine sehr schöne Auswahl an Kindergedichten zu den unterschiedlichsten Themen findet ihr auf dieser Website: Gedichtsammlung (in 9 Teilen) für die Grundschule.

Vielleicht geht es euch ja wie mir und ihr findet alte Lieblingsgedichte wieder: "Hundertzwei Gespensterchen" von James Krüss kenne ich noch aus meiner eigenen Grundschulzeit. Auch "Sommer" von Ilse Kleberger gehört noch heute zu meinen persönlichen Favoriten ebenso wie das kurze, aber so stimmungsvolle Gedicht "Goldene Welt" von George Britting. Wunderschön und poetisch ist auch "Der Mann im Mond" von Mascha Kaléko.

Alte bzw. altbekannte Gedichte hat Zzzebra, das Web-Magazin für Kinder zusammengestellt: Gedichte und Balladen u.a. von Eichendorff, Fontane oder Goethe.

Wer sich für das Thema "Kinder schreiben Gedichte" interessiert, der findet auf dieser Website umfangreiches Arbeitsmaterial: Lyrik-Projekt, Gedichtformen, Gedicht-Vorlagen und vieles mehr.

Was Kindergedichte so besonders macht

Eigentlich gibt es gar keine "Kindergedichte": Denn Gedichte, die man als "Kindergedichte" bezeichnet, können Erwachsenen ebenso viel Freude machen.

Sie können an glückliche Kindheitstage erinnern oder ganz besondere Stimmungen erzeugen. Sie können an tiefe Emotionen rühren oder nachdenklich stimmen. Gedichte verpacken den Zauber eines Sommertages oder die Stimmung eines Herbstabends in wenige Zeilen.

Kindergedichte können Erwachsene ebenso zum Lachen, zum Staunen und zum Freuen bringen wie Kinder. 

Gedichte wie "Über die Erde" von Martin Auer oder "Ich träume mir ein Land" von Erika Krause-Gebauer beweisen, dass die meisten Gedichte kleinen und großen Lesern etwas zu sagen haben.

Buchtipp für etwas ältere Leser: "Gedanken wie Schmetterlinge - Gedichte und Lyrics für Mädchen"

Eine gelungene Sammlung an Gedichten speziell für jugendliche (weibliche) Leser stellt Ina Nefzer in ihrem Buch "Gedanken wie Schmetterlinge - Gedichte und Lyrics für Mädchen" zusammen.

Sie macht nicht nur Lust auf das Lesen von Gedichten, sondern regt auch zum Schreiben eigener Gedichte an:

"Selbst Gedichte zu schreiben, ist viel einfacher, als du vielleicht denkst. Wichtig ist, dass du deinen eigenen inneren Bildern und Gedanken vertraust. Lass Ideen fließen."

Für die eigenen Werke bieten die letzten Seiten des Buches genügend Platz.

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Vorschaubild: © Rodasabrao - Pixabay

Michaela, am 02.02.2013
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