Anti-Oscar: Die Goldene Himbeere

Traditionell findet die Vergabe der "Oscars" am letzten Sonntag im Monat Februar statt. Und ebenso traditionell werden am Abend vor dessen Vergabe die "Anti-Oscars" verliehen, die "Goldenen Himbeeren". Vergeben werden diese wenig begehrten Preise von der Golden Raspberry Award Foundation (G.R.A.F.). Hunderte Filmkritiker, Filmschaffende und Journalisten stimmen über die ihrer Ansicht nach übelsten Leinwandwerke des Jahres ab.

Und anders als beim "Oscar" gibt es bei der "Goldenen Himbeere" kaum Diskussionen über die Preiswürdigkeit der prämierten Werke und Filmschaffenden.

Obwohl es sich natürlich um eine augenzwinkernde, nicht ernstgemeinte Veranstaltung handelt, mauserte sich die "Goldene Himbeere" oder Golden Raspberry Award, wie sie im Original heißt, zu einem Publikumsliebling, die großes internationales Echo hervorruft und alljährlich überraschend viel Berichterstattung erhält. Schadenfreude ist wohl eben doch die schönste Freude! Und worüber könnte sich ein Filmfan mehr freuen, als Hohn und Spott für einen von ihm verachteten Film oder einen ihm unsympathischen Schauspieler?

And the Oscar goes to ... you!

"Twilight" räumt bei der "Goldenen Himbeere" ab

Erwartungsgemäß war das Finale der "Twilight"-Serie "Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht - Teil 2" der große Abräumer der "Goldenen Himbeere" 2013. Nicht weniger als siebenmal wurde der (hoffentlich) letzte "Twilight"-Film prämiert, unter anderem als schlechtester Film sowie Kristen Stewart als schlechteste Hauptdarstellerin.

Ihr Leinwand- und (ehemaliger?) Lebenspartner Robert Pattinson ging jedoch leer aus. Gegen Adam Sandler für dessen Darstellkünste in "Der Chaos-Dad" hatte der Jungstar keine Chance. Überhaupt ist der Name Adam Sandler inzwischen untrennbar mit der "Goldenen Himbeere" verbunden.

Rekordpreisträger Adam Sandler

Mit seinem Kinoflop "Jack und Jill" stellte der nicht unumstrittene Komiker 2012 einen kaum zu knackenden Rekord auf: Nicht weniger als zehn Stück der "Goldenen Himbeere" heimste seine Komödie ein, darunter gleich zwei Prämierungen für den schlechtesten Darsteller und die schlechteste Darstellerin durch Adam Sandler, der die Doppelrolle der Geschwister Jack und Jill übernommen hatte.

Trotz zahlreicher Nominierungen ist der Komiker (noch) weit von den Rekordpreisträgern Sylvester Stallone (viermaliger Gewinner) und Kevin Costner (dreimaliger Gewinner) entfernt. Naturgemäß holten keiner der Genannten seine "Goldene Himbeere" je persönlich ab.

Halle Berry holt sich "Goldene Himbeere" persönlich ab

Überraschenderweise bewiesen trotzdem einige Hollywoodstars genug Humor, ihre Preise persönlich entgegenzunehmen. Regie-Exzentriker Paul Verhoeben ("Starship Troopers") war der erste Star, der sich seine "Goldene Himbeere" abholte. 1996 bedankte sich der Regisseur für den Preis, der ihm unter anderem für die schlechteste Regie in "Showgirls" verliehen worden war.

Weitere prominente Gewinner der "Goldenen Himbeere", die ihren Preis persönlich entgegennahmen, waren unter anderem die als jovial bekannte Sandra Bullock (für "Verrückt nach Steve") und Halle Berry (für ihre Darstellung der "Catwoman"). Ironischerweise hatte Halle Berry noch drei Jahre zuvor den "Oscar" gewonnen und ist somit die bislang einzige Schauspielerin, die sowohl als beste, wie auch als schlechteste Hauptdarstellerin ausgezeichnet worden ist.

Viel Humor bewies sie auch bei ihrer "Dankesrede", was ihr viel Sympathie einbrachte.

Halle Berrys Dankesrede

Materieller Wert gering

Die Trophäe selbst ist zwar viel der Rede, aber wenig des Geldes wert. Die "Goldene Himbeere" besteht aus Kunststoff, die auf einer Filmrolle befestigt und mit Goldfarbe überzogen wurde. Somit ist der ideelle Wert weitaus höher, als der materielle. Dies ein die "Goldene Himbeere" allerdings mit ihrem berühmteren Vorbild: Die alljährlich verliehenen "Oscar"-Statuen werden aus Britanniametall (eine Nickel-Kupfer-Silbermischung) hergestellt und mit 24-karätigem Gold überzogen.

Der Materialwert beträgt nur wenige hundert Dollar für den Preisträger, garantiert aber viele Millionen an zusätzlichen Einnahmen, da ein durch den "Oscar"-Gewinn geadelter Film in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses rückt. Ähnlich angenehme Effekte dürfte ironischerweise auch der Gewinn der "Goldenen Himbeere" nach sich ziehen.

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