"Gottes Valium"?

Jean Carper, Autorin des informativen Ratgebers Natur wirkt Wunder, kennt ein solches Heilmittel. Es wurde "vor einer Ewigkeit von Jahren erfunden" und Millionen Menschen nehmen es ein.

Jean Carper bezeichnet dieses sanfte, aber wirkungsvolle Heilmittel als "Gottes Valium".

Im deutschen Volksmund ist es unter vielen Namen bekannt, u.a. nennt man es Bertram, Dennemark, Stinkwurz, Mondwurzel, Marienwurzel, Waldspeik, Katzenkraut, Allerweltsheil oder Hexenkraut.

Die meisten werden es jedoch unter seinem gebräuchlichsten Namen kennen: Baldrian.

Sanft, aber so effektiv!

Der Baldrian (Valeriana officinalis) gilt vielen als das effektivste aller pflanzlichen Beruhigungsmittel. Seine Wirksamkeit ebenso wie seine Unbedenklichkeit wurden mehrfach wissenschaftlich nachgewiesen. Mit synthetisch hergestellten Beruhigungsmitteln kann sich Baldrian durchaus messen. Für viele seiner chemischen Nachfolger war er das Vorbild.

Anders als die handelsüblichen Tranquilizer jedoch hat Baldrian keine narkotische Wirkung, es besteht keine Suchtgefahr. Baldrian verursacht weder "Katerstimmung" noch Abgeschlagenheit, Benommenheit oder Trägheit nach der Einnahme. Auch sind keine Risiken oder Nebenwirkungen bekannt.

Bereits im Mittelalter wusste man die Heilwirkung des Baldrians sehr zu schätzen, er galt als Allheilmittel (Allerweltsheil) und wurde bei verschiedensten Krankheiten eingesetzt – von Kopfschmerzen über Asthma bis zu Gicht und Frauenleiden. Sein unangenehmer, durchdringender Geruch (Stinkwurz) ließ die Menschen sogar glauben, dass er die Pest abhalten könne, zudem galt er als machtvoller Schutz gegen Hexen und Geister (Hexenkraut). Man sagt dem Baldrian die Fähigkeit nach, Böses abhalten und in Gutes verwandeln zu können.

Kraft aus der Wurzel

Gewonnen wird Baldrianextrakt nicht aus den angenehm duftenden Blüten der Heilpflanze, sondern aus ihrer Wurzel. Es ist gerade diese Stärke und Festigkeit aus der Wurzelkraft, die der Baldrian an den Menschen weitergibt. Die Valerensäure (valere = "gesund sein"), die man aus der Wurzel gewinnt, wirkt beruhigend und krampflösend.

Der typische Geruch des Baldrians entsteht erst durch das Trocknen der Wurzel. Besonders Kater lieben diesen Geruch, er erinnert sie an rollige Katzendamen (Katzenkraut).

Schlaflosigkeit und Nervosität lindern? - Aber sicher! Doch der Baldrian kann noch einiges mehr ...

Heute nutzt man Baldrian vor allem als Beruhigungs- und Schlafmittel. Er fällt unter die sogenannten psychotherapeutischen Medikamente und kann bei leichten bis mittelschweren Beschwerden eingesetzt werden. (Bei stärkeren Beschwerden sollte ärztliche Hilfe gesucht werden.)

Häufig wird der Baldrian in seiner Wirkung unterschätzt: Schlafbeschwerden, zum Beispiel, heilt er auf tiefgreifende Weise. Er sorgt nicht nur dafür, dass man schneller und leichter einschläft, sondern verbessert auch die Schlafqualität. Man wacht nachts weniger häufig auf und fühlt sich am Morgen frischer und ausgeruhter. Der Baldrian, so erkannte man schon in der Klostermedizin des Mittelalters, nimmt die Erschöpfung und regeneriert Körper und Seele. Man wird ruhiger, gefestigter und entspannter. Gut lässt sich Baldrian z.B. auch in Prüfungssituationen oder vor einem wichtigen Examen nutzen.

Interessant: Eingesetzt werden kann Baldrian aber nicht nur bei Unruhezuständen oder Schlaflosigkeit, sondern auch bei leichten bis mittleren Angststörungen und Muskelverspannungen. Selbst Heilungsprozesse kann er fördern.

Außerdem wirkt er entkrampfend: Ein Umschlag mit Baldrianextrakt (1 TL auf ½ Tasse Wasser) lindert Bauchkrämpfe und Periodenschmerzen.

Die Website Kostbare Natur erwähnt den Baldrian als eines der drei besten Wildkräuter gegen Kopfschmerzen und Migräneanfälle.

In Natur wirkt Wunder berichtet Jean Carper u.a. von akuten Entzugserscheinungen, die mit Baldrian behandelt wurden, von der Linderung mittelschwerer Panikattacken und der Heilungsförderung bei einer Muskelzerrung.

Gleich mal ausprobieren? - Das sollte man beachten:

Wegen des bitteren Geschmacks und der Wichtigkeit der richtigen Dosierung wird empfohlen, am besten auf Fertigpräparate mit Baldrian zurückzugreifen, z.B. Extrakt, Tinktur, Tee oder Kapseln. Ein Tipp, um sich Baldriantinktur etwas schmackhafter zu machen: 30 Tropfen Baldrianextrakt auf 1 Stück Würfelzucker lassen sich gut mit 3 Tropfen Orangenöl kombinieren.

Auch mit anderen natürlichen Beruhigungsmitteln wie Hopfen oder Melisse harmoniert der Baldrian wunderbar. Gemeinsam mit verschreibungspflichtigen Schlaf- oder Beruhigungsmitteln sollte man ihn allerdings nicht einnehmen.

Fazit: Im Gegensatz zu den meisten verschreibungspflichtigen Beruhigungsmitteln hat Baldrian viele Vorteile. Er ist wirksam, sanft und verursacht keine Nebenwirkungen.

Jean Carper hat also Recht, wenn sie schreibt: "Wenn Sie die Wahl haben zwischen dem vom Menschen erfundenen Valium und Gottes Valium … sollten Sie vielleicht der Urversion eine Chance geben – immerhin vertrauen Menschen seit Tausenden von Jahren darauf…"

Bitte aufpassen: Nicht zu viel und nicht zu lang

Auch wenn Baldrian keine gefährliche Droge ist und zu den besonders gut verträglichen Naturheilmitteln gehört, weist Gerhard Leibold in einem Artikel der Zeitschrift NATUR & HEILEN (10/2002) darauf hin, Baldrian nie in überhöhter Dosis zu verwenden und fügt hinzu: "Eine ununterbrochene Therapie mit Baldrian über längere Zeit bleibt immer fachlicher Verordnung und regelmäßiger Überwachung vorbehalten." 

(Ohne Gewähr - Die hier vorgestellten Informationen wurden sorgfältig recherchiert und erstellt, können eine professionelle Beratung durch ausgebildete Ärzte bzw. Therapeuten aber nicht ersetzen. Wer die Pflanzentherapie zu Heilzwecken nutzen möchte, sollte sich in jedem Fall vorab umfassend informieren und eventuelle persönliche Risikofaktoren abwägen.)

Laden ...
Fehler!