Der Union Jack: Eine Vereinigung mehrerer Flaggen

Großbritanniens offizielle Flagge müsste korrekterweise eigentlich "Union Flag" heißen. Doch seit einem Parlamentsbeschluss aus dem Jahr 1908 genießt die heute populäre Abwandlung des Namens quasi staatlichen Segen. Der ursprüngliche Name hingegen verrät bereits etwas über die Entstehungsgeschichte dieser Fahne:

Als der schottische König Jakob (englisch: James) Stuart im Jahr 1603 zusätzlich die englische Thronfolge antrat, regierte er fortan beide Länder in Personalunion. Zum Zeichen dafür erließ er 1606 ein Dekret über eine neue Flagge, welche die übereinandergelagerten Kreuze des englischen und des schottischen Banners darstellte. Das rote Kreuz symbolisierte dabei den englischen Nationalpatron Sankt Georg. Schottland wiederum war durch ein schräges, weißes Kreuz vertreten. Dieses sogenannte Andreaskreuz (eine Abwandlung davon findet sich an deutschen Bahnübergängen) geht auf Sankt Andreas zurück. Die Gebeine des auf diese Weise gekreuzigten Apostels sollen als Reliquien einst nach Schottland gelangt sein.

Ab 1801 gehörte auch Irland dem britischen Bündnis an. Die Union Flag wurde daher um ein rotes Schrägkreuz ergänzt, welches an den irischen Nationalheiligen Sankt Patrick erinnert. Lediglich Wales fand in dem gesamt-britischen Banner keine symbolische Aufnahme, da dieser Teilstaat bereits vor 1606 mit England verschmolzen war. Das walisische Banner, ein roter Drachen auf weiß-grünem Untergrund, hätte auf dem Union Jack vermutlich auch gar keinen Platz mehr...

Die Nationalhymne Großbritanniens

Das Vereinigte Königreich verfügt über eine textlich flexible Nationalhymne. Ihre derzeitige Bezeichnung lautet "God save the Queen" (Gott schütze die Königin). Sollte jedoch wieder einmal ein männlicher Herrscher den Thron besteigen, ändert sich der Titel automatisch in "God save the King". Alle weiblichen Personalpronomen des Liedtextes wandeln sich dann entsprechend in ihre männliche Form.

Seinen Platz als amtliches Nationalsymbol nimmt das Lied nicht aufgrund parlamentarischer oder königlicher Beschlüsse ein, sondern lediglich aus der Tradition heraus. Die genaue Entstehungsgeschichte ist allerdings ungeklärt. Eine erste gesicherte Erwähnung datiert auf das 1745 anlässlich einer musikalischen Aufführung zu Ehren des Königs.

Vermutlich war das britische Königreich der erste Staat mit einem musikalischen Hoheitssymbol. "God save the Queen / King" kann daher als eine Art Mutter aller Nationalhymnen angesehen werden. Dafür spricht auch die Tatsache, dass die Melodie des Liedes zeitweise im Deutschen Kaiserreich (1871-1918) sowie in weiteren europäischen Staaten für deren Nationalhymne verwendet wurde. Mindestens ebenso populär ist jedoch ein weiteres Lied aus dem Vereinigten Königreich: Das patriotische "Rule Britannia" gilt als inoffizielle Hymne des Landes.

Der britische Nationalfeiertag, den es nicht gibt

Die nationale Vielfalt Großbritanniens zeigt sich auch in der Tatsache, dass der Staat über keinen einheitlichen Nationalfeiertag verfügt. Stattdessen pflegt jeder Teilstaat seinen eigenen Gedenktag, welcher sich stets am jeweiligen Nationalheiligen orientiert.

 

England feiert so am 23. April den Sankt Georgs Day, während der schottische Sankt Andrews Day auf den 30. November fällt. Die Einwohner Nordirlands wiederum begehen den Sankt Patricks Day am 17.März.

 

Als Schutzpatron der Waliser schließlich gilt der Heilige David (etwa 520-588), der als Abt und Bischof den heutigen Ort St. David begründete. Sein Ehrentag findet jährlich am 1. März statt.

Inoffizielle Nationalsymbole

Wie viele Staaten verfügt das Vereinigte Königreich natürlich auch über allerhand inoffizielle Nationalsymbole von hohem Wiedererkennungswert. Dazu zählen nicht nur Stonehenge oder zahlreichen Londoner Attraktionen. Sogar die Lebensweise der Briten selbst erscheint gelegentlich einzigartig, obwohl manches davon sicherlich reines Klischee sein dürfte: Knickerbocker-Hosen, ein tiefschwarzer, trockener Humor sowie die gewöhnungsbedürftige englische Küchenlandschaft: Fish and Chips (verpackt in einer Zeitung), warmes, fettiges Frühstück oder auch die obligatorische Tasse Tee am Nachmittag.

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